Workshop in Sindelfingen: "Kleiner Zwerg" wirbt um das Publikum von morgen

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    Insgesamt 22 Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren haben am dem Workshop im Odeon der Musikschule teilgenommen Fotos: red

Artikel vom 08. November 2019 - 18:24

SINDELFINGEN (red). Der in Maichingen aufgewachsene Opernsänger Johannes Held hat am vergangenen Wochenende in der Musikschule Sindelfingen mit "Der kleine Zwerg" erneut eine kompakte Ausgabe des von ihm begründeten Kunstliedfestivals organisiert. Der Workshop mit Liedern und Schauspiel richtete sich an Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Nach drei Tagen Workshop gaben die 22 Nachwuchskünstler zusammen mit Götz Payer, Annette von der Mülbe und Johannes Held Einblick in ihre Arbeit.

Kunstlied und Kinder, oder Kunstlied und Schauspiel schienen zunächst wenig miteinander zu tun zu haben. "Wenn einem ein Bild zum Kunstlied einfällt, dann das eines älteren Herren, der im Frack am Flügel singt", meint Johannes Held selbst. Aber seit 2012 bemüht sich der in Maichingen geborene Bariton darum, dem Kunstlied ein neues Publikum zu suchen. Alle zwei Jahre findet im Odeon sein Kunstlied-Festival "Der Zwerg" statt, zu dem er internationale Künstler nach Sindelfingen einlädt.

Um in den Jahren dazwischen nicht ganz von der Bildfläche zu verschwinden, veranstaltet er seit 2015 den "kleinen Zwerg", der seit 2017 ein Workshop für Kinder ist. "In der Liedszene reden wir viel darüber, dass sich unser Publikum auf lange Sicht verjüngen muss", erklärt Held, warum er sich mit "Der kleine Zwerg" um das Publikum von morgen bemüht.

Götz Payer, Pianist aus Stuttgart und Lehrender für Lied an der Musikhochschule Köln, war schon beim ersten Workshop 2017 dabei. Damals ging es um die Verbindung von Lied und Tanz. Diesmal konnte Johannes Held die Theaterpädagogin Annette von der Mülbe gewinnen, um die Brücke vom Schauspiel zum Lied zu schlagen.

So sah man bei der Abschlussveranstaltung am vergangenen Sonntag 22 Kinder und die drei Kursleiter zusammen auf der Bühne. Zu hören waren Lieder und Kanons von Clara und Robert Schumann und Johannes Brahms, aber auch zeitgenössische Kinder- und Volkslieder. Die Musik war eingebettet in die Geschichte einer Gruppe Kinder, die dazu verdonnert war auf einer Hochzeit ein Ständchen zu singen.

Spielerischer Kontakt mit der Musik

In der Geschichte schleichen die Kinder sich davon und landen im Wald, wo allerlei Unheimliches vor sich geht. Bald kommt die Nacht - und mit ihr die Dunkelheit und Kälte. Die Gruppe irrt weiter, hört Käuzlein schreien, findet ein Schloss, das sich als Dornröschenschloss entpuppt, und wird im Morgengrauen von zwei Jägern gefunden, die sie aus dem Wald führen.

Die Kinder spielen die Szenen und singen die Lieder - mal zusammen, mal aufgeteilt in Gruppen. Dabei treten sie als Vögel auf und formen auf der Bühne lebendige Bilder (tableaux vivants), um die gesungene Geschichte von Dornröschen zu illustrieren.

"Kinder und ihre Eltern kommen spielerisch in Kontakt mit wunderbarer Musik von herausragenden Komponistinnen und Komponisten, sie hören Texte von Dichtern wie Eichendorff und aus der Sammlung Des Knaben Wunderhorn", erklärt Johannes Held, was den "kleinen Zwerg" auszeichnet. "Man kann solche Kulturschätze ehrfürchtig vor sich hertragen, oder man führt sie selber auf und erlebt, wie toll sie eigentlich sind. Darum geht es hier", betont Held.

Das große "Zwerg"-Festival kommt im Jahr 2020 mit einer Woche voller Liedkonzerte zurück nach Sindelfingen. Johannes Held plant dafür auch ein verbessertes Angebot für Kinder und Familien. "Für 2021 ist wieder ein Workshop für Kinder geplant", freut der Festivalleiter sich bereits auf die nächste Auflage des "kleinen Zwergs".

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