Cello-Akademie in Rutesheim: 14-Jähriger begeistert mit Uraufführung

Festival setzt Erfolgsgeschichte auch bei der elften Auflage fort - Messe wächst stetig

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    Der Teenager Thomas Prechal (Mitte) hat in Rutesheim seine eigene Komposition präsentiert. Samuel Weilacher aus Stuttgart (l.) begleitete ihn

Mit einem gefeierten Abschlusskonzert der Studenten ging am Samstagabend die elfte Cello Akademie Rutesheim zu Ende. Zwei eigens für das einwöchige Streicherfestival komponierte Uraufführungen setzten dabei besondere Glanzlichter.

Artikel vom 04. November 2019 - 18:24

RUTESHEIM (red/edi). Eines der beiden Werke war ein Orchesterstück namens "Coronach" aus der Feder von Sarah Gait (25 Jahre). Besonders großen Eindruck hinterließ jedoch die Uraufführung des Doppelkonzerts "Symbiosis" von Thomas Prechal. Der erst 14 Jahre alte Komponist aus den Niederlanden hat sein Werk gemeinsam mit dem 18-jährigen Samuel Weilacher aus Stuttgart als Solist vorgetragen.

"Er hat sich verhalten wie ein Profi", schwärmt Festival-Organisator Matthias Trück von dem jungen Thomas Prechal. Der Junge aus den Niederlanden sei "einfach ein schlüssiges Gesamtpaket", beschreibt Profi-Musiker Trück, der die Fantastischen Vier bei ihren "Unplugged"-Konzerten begleitet und mit seinem Pop-Klassik-Ensemble Quattrocelli, dem Cello-Duo Ponticellos sowie als Studiomusiker für Pop-Produktionen als international gefragter Künstler tätig ist.

Zusammen mit einer ganzen Reihe innovativer Werke stand das diesjährige Konzertprogramm für eine neue künstlerische Linie: "Im zwölften Jahr ihres Bestehens nutzt die Cello-Akademie offensiv Gestaltungsräume in der Stückauswahl und versteht sich zunehmend als Produktionsfestival für Nachwuchs-Talente", stellen die Veranstalter fest.

"Es war sehr anstrengend, aber unglaublich erfolgreich", freut sich Cello-Akdemie-Leiter Matthias Trück nach der diesjährigen Auflage über die positiven Rückmeldungen von Studenten, Dozenten und der Stadt Rutesheim. Darüber hinaus sprechen auch die schieren Zahlen für sich: "Waren die Kammermusikabende ausgesprochen gut besucht, so sprengten die sämtlich ausverkauften Orchesterkonzerte teils fast die Kapazitäten des Veranstaltungsortes", berichten die Organisatoren von restlos ausverkauften Veranstaltungen in der Halle Bühl II.

Erneut bescheinigten Cello-Akademie-Leiter und Festival-Initiator Trück mit seinem Dozententeam den Teilnehmenden ein im Vergleich zu den vergangenen Jahren abermals gestiegenes Niveau: technisch versierter, künstlerisch reifer - und obendrein in jüngeren Jahren. "Die jungen Meisterschüler bringen sich selbstbewusster und aktiver ins Akademie-Leben ein", stellt Trück fest.

Die auf diese Weise und durch die ambitioniertere Programmauswahl entstandene Mehrarbeit, gerade auch beim aufwendigen Abklären der Rechte, nehmen Matthias Trück und sein Team nach eigenen Angaben gerne in Kauf. "Denn künstlerisch macht sich der Aufwand mehr als bezahlt", sind die Veranstalter überzeugt.

Das gelte auch für die stetig expandierende Musikmesse, die Aussteller aus ganz Europa nach Rutesheim lockt. "Da haben wir mittlerweile eine sehr große Strahlkraft", erzählt Matthias Trück von Interessenten, die eigens aus der Ukraine sowie aus Frankreich, den Niederlanden und ganz Deutschland anreisen, um sich bei der Messe über die neuesten Trends zu informieren.

Instrumentenbauer, Musikverlage, Hersteller von Zubehör finden hier nahezu alles, was das Musikerherz höher schlagen lässt. Zudem gibt es viele Innovationen für Streichinstrumente. "Die Rutesheimer Musikmesse ist zu einer veritablen Kontaktbörse für die Profi-Anbieter avanciert, bei der Begegnungen regelmäßig zu geschäftlichen Partnerschaften führen", konstatieren die Veranstalter.

Die Teilnehmer schließen Freundschaften fürs Leben

Überhaupt scheint Begegnung das Schlüsselwort und Erfolgsgeheimnis der Cello Akademie Rutesheim zu sein. Hier schließen die jungen Meisterkurs-Teilnehmenden nicht nur musikalische Freundschaften fürs Leben.

Hierhin kehren Ehemalige mit glänzenden Augen zurück, um einmal mehr in die ganz besondere Atmosphäre einzutauchen und sich an ihre Anfänge zu erinnern. Hier lernen die Dozenten Ausnahmetalente kennen, die sie immer wieder in ihre Hochschulklassen holen. Hier nehmen Rutesheimer Familien Jahr für Jahr als Gasteltern junge Meisterkurs-Schüler bei sich zu Hause auf und schaffen so ihre ganz privaten internationalen Beziehungen, die oft viele Jahre Bestand haben. "Und nicht zuletzt ist hier mit der Zeit ein Publikum gewachsen, das seine Liebe zu dem großartigen Instrument Cello entdeckt hat." Davon jedenfalls ist Matthias Trück fest überzeugt: "Ohne das Herzblut und das Engagement der zahllosen ehrenamtlichen Helfer und ohne das immense Vertrauen der Stadt Rutesheim in meine Vision hätte sich nie das entwickelt, was heute in die Cello-Szene bis nach China und Lateinamerika ausstrahlt."

Seit ihrer Gründung vor elf Jahren punktet die Cello Akademie Rutesheim mit drei Hauptelementen: dem kommunikativen Cello-Campus im Rutesheimer Schulzentrum, dem einladenden Konzept und der offenen, kollegialen Philosophie der Akademie. Wenn sich der internationale Cello-Nachwuchs in der baden-württembergischen Herbstferien-Woche in Rutesheim bei Stuttgart trifft, entsteht ein musikalischer Mikrokosmos, der in dieser Form weltweit seinesgleichen sucht.

Renommierte Cello-Professoren unterrichten junge Talente aus der ganzen Welt, klassische Streicher lernen Jazz, fortgeschrittene Studenten bereiten sich auf Probespiele vor, Cello-Liebhaber spielen als Cello-Orchester zusammen - und abends strömt das Publikum zu den Konzerten des Cello-Festivals. Innerhalb von einer Dekade hat sich die Cello-Akademie nicht nur als wichtiges Klassikfestival für Baden-Württemberg etabliert. Dank der zahlreichen begeisterten Meisterschüler aus aller Welt genießt die Akademie hohes Ansehen in der internationalen Musikszene.

Ehemalige Studenten glänzen bei Wettbewerben

Dass die Akademie mit ihrem Credo, die pädagogische Qualität über alles zu stellen goldrichtig liegt, beweisen nach Ansicht der Organisatoren die Erfolge der Meisterkurs-Teilnehmer, die sich bei den großen internationalen Wettbewerben regelmäßig auf die vorderen Plätze spielen. In den vergangenen Monaten ging ein wahrer Preisregen auf junge Talente mit "Rutesheim-Connection" nieder: Beim ARD-Wettbewerb 2019 gab es unter anderem einen ersten Platz für Haruma Sato aus Japan. Der 21-jährige nahm 2015 und 2017 als Student bei Meisterkursen teil.

Vorzeige-"Rutesheimer" ist auch Yibai Chen aus Shanghai, der über die Cello-Akademie erst in die Meisterklasse von Prof. Danjulo Ishizaka an der Universität der Künste Berlin aufgenommen wurde und dieses Jahr als Finalist am weltberühmten Tschaikowsky-Wettbewerb für Cello in St. Petersburg teilnahm.

Die karrierefördernde Wirkung der Cello-Akademie ist aber auch nach dem Studium spürbar. Eine Reihe ehemaliger "Rutesheimer" sind heute Solo-Cellisten bei Top-Orchestern wie den Berliner Philharmonikern oder dem Leipziger Gewandhausorchester. Einer von ihnen - Jakob Spahn, Erster Solocellist im Orchester der Bayerischen Staatsoper München - kommt immer wieder gerne nach Rutesheim zurück, um nunmehr selbst zu unterrichten.

Ihre Entstehung verdankt die Cello-Akademie der Initiative von Matthias Trück. Nach einer intensiven Festivalwoche, in der er "keine Sekunde Cello spielen konnte", freut dieser sich, jetzt endlich wieder Zeit für sein geliebtes Instrument zu haben.

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