Anzahl der Berufspendler im Landkreis erreicht Höchststand

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    Die Anzahl der Pendler nimmt zu und die Baustellen werden auch nicht wirklich weniger. Die Folge: tägliche Staus im Berufsverkehr. Symbolbild: Bischof/Archiv

Artikel vom 21. Oktober 2019 - 16:06

KREIS BÖBLINGEN (red). Die Zahl der Berufspendler im Landkreis Böblingen hat einen neuen Höchststand erreicht. Im vergangenen Jahr kamen rund 143 000 Menschen zum Arbeiten regelmäßig von außerhalb in den Kreis - das sind 25 Prozent mehr als noch im Jahr 2000. Damals zählte der Kreis Böblingen noch rund 114 000 sogenannte Einpendler, wie die IG Bauen-Agrar-Umwelt mitteilt.

Die IG BAU beruft sich dabei auf eine aktuelle Auswertung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung (BBSR). Gewerkschafter Mike Paul spricht von einem "alarmierenden Trend". Eine Hauptursache für den Pendel-Boom sei der Mangel an bezahlbaren Wohnungen in Ballungsräumen. "Eine wachsende Zahl von Menschen kann sich die hohen Mieten und Immobilienpreise gerade dort nicht mehr leisten, wo in den letzten Jahren besonders viele Jobs entstanden sind", sagt der Bezirksvorsitzende der IG BAU Stuttgart.

Die Folge seien immer längere Staus und überfüllte Züge. Strecken von mehr als 50 Kilometern bis zum Arbeitsplatz seien für viele Pendler im Kreis Böblingen mittlerweile gang und gäbe, betont Paul. "Dabei geht nicht nur wertvolle Zeit für Familie, Freunde und Hobbys verloren. Auch die Umwelt leidet unter der Fahrerei." Nach Angaben des Umweltbundesamtes geht knapp ein Fünftel aller CO2-Emissionen in Deutschland auf das Konto des Verkehrs.

Homeoffice und Gleitzeit soll "Pendler-Frust" lösen

Die IG BAU warnt vor einer Zunahme der Pendlerzahlen, sollte sich das Wohnen noch weiter vom Arbeiten entfernen. Nötig sei eine "drastische Wende" in der Wohnungsbaupolitik. "Die öffentliche Hand muss viel mehr als bisher investieren, um bezahlbaren Wohnraum in den Metropolen und Ballungsräumen zu schaffen. Es fehlen vor allem Wohnungen im sozialen und im bezahlbaren Segment", so Paul. Massive Investitionen seien aber auch im Bereich der Verkehrsinfrastruktur unverzichtbar, um die Pendler zu entlasten. "Vor allem beim Schienen-, Straßen- und Radwegenetz ist der Nachholbedarf groß", macht Paul deutlich.

Einen entscheidenden Beitrag gegen den "Pendel-Frust" könnten zudem die Firmen leisten - indem sie es ihren Beschäftigten leichter machen, in Gleitzeit oder im Homeoffice zu arbeiten. Die Pendler-Problematik im Landkreis Böblingen ist Teil eines bundesweiten Trends: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit pendelten im letzten Jahr 39 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in eine andere Stadt oder einen anderen Kreis zur Arbeit.

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