Comedian Ingo Appelt präsentiert neues Programm "Staats-Trainer" im Böblinger Sparkassenforum

"Junge Leute kennen nur Merkel"

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    Gibt seinen Geschlechtsgenossen ordentlich auf die Nüsse: Ingo Appelt Foto: Ava Elderwood

Männer sind humorlos. Das sagt Comedian Ingo Appelt - nach eigenen Angaben selbst ein Mann. Seit 30 Jahren auf der Bühne und im Fernsehen unterwegs versucht er sich im neuen Programm als Staats-Trainer. Männer bekommen darin wieder gründlich ihr Fett weg. Das bekennende SPD-Mitglied nimmt aber auch gerne die Politik ins Visier.

Artikel vom 11. Oktober 2019 - 10:00

Von Florian Ladenburger

BÖBLINGEN. "Fragen Sie mich nichts zu Böblingen", nimmt Ingo Appelt am Telefon schon gleich die erste Frage vorweg. "Das ist im Schwobaländle, richtig?", ist auch schon alles, was er dazu sagen kann. Der Comedian findet am Ende aber doch die richtigen Worte: "Ist bestimmt wunderschön dort!"

In seiner aktuellen Tour "Staats-Trainer" macht er nicht nur Halt in Millionenstädten wie Berlin oder Hamburg, sondern am Freitag, 25. Oktober, auch im beschaulichen Böblingen. Aber genau diese Abwechslung ist für ihn das Schöne am Tourleben - er bezeichnet sich selbst sogar als "Tour-Junkie".

Dazu zählen dann eben nicht nur die großen Hallen, sondern auch die kleinen Bühnen. Oder gar eine Open-Air-Bühne im Schwarzwald, wie erst kürzlich. "Da war's arschkalt", berichtet er. "Staats-Trainer ist ein Auftrag. Da muss man auch da hin, wo es weh tut, und da ist Böblingen mit Sicherheit nah dran." Noch immer liebt er es, zu provozieren.

Auch nach 30 Jahren wird Ingo Appelt nicht müde, auf Tour zu gehen. Im Gegenteil: "Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen." Wenn er dann doch mal zu Hause ist, schmeißt er gerne auch mal die Glotze an. Das Programm eines Kollegen sehen? "Ich finde Comedy im Fernsehen stinklangweilig", gibt Appelt zu. "Liegt vermutlich daran, dass das mein Beruf ist." Stattdessen schaut er lieber Serien an, beispielsweise die von Komiker Bastian Pastewka.

Appelts Programme trugen bisher Namen wie "Männer muss man schlagen" und "Göttinen" - "Grundsätzlich geht es immer um Männer und Frauen", gibt der 52-Jährige zu. "Ich orientiere mich aber in meiner Gefälligkeit, also wem ich gefallen will, von den Männern weg." Wer nur Männerwitze macht, hat auch bald nur Männer im Publikum sitzen. Jetzt bekommen die Frauen was zu lachen und Appelts Artgenossen ordentlich "auf die Nüsse".

"Männer sind nicht ehrlich und Männer wählen AfD"

Schonungslos zieht der Wahl-Berliner über das starke Geschlecht her: "Männer sind nicht ehrlich." Und als ob das noch nicht pauschal genug wäre: "Männer wählen AfD." Ohne Frauen wäre die Partei stärkste Kraft in Deutschland. Weiter sehe man auf der Straße junge Frauen, die zu Fridays for Future und alte Männer, die zu Pegida gehen. Was bedroht die Welt? Mächtige Männer wie Trump oder Kim-Jong un.

Die Männer sind also das Problem. Sie haben aber auch ein Problem. Denn um den Frauen zu gefallen, müssen sie eine Mischung aus Macho und Weichei sein - ein Matsch-Ei. In seiner Show sollen die Männer aufstehen und sagen: "Ich bin ein Matsch-Ei". Aber: "Sie machen es nicht! Es ist grauenerregend!", machte Appelt nun schon mehrfach die Erfahrung. "Männer sind humorlos und langweilig", so sein Fazit. Natürlich will er auch die Männer in Böblingen dazu bringen, im Stehen sich als Matsch-Ei zu outen - ob das klappt?

Ihm hängt immer noch das Image des Sexisten an

Obwohl es schon fast 20 Jahre her ist, dass die "Ingo Appelt Show" auf ProSieben wegen "geschmacklicher Entgleisung" abgesetzt wurde, hängt ihm immer noch das Image des Sexisten an. Zu Unrecht, wie er findet: "Wenn man genau hinschaut, sieht man, dass das gar nicht stimmt. Ich gehe eben direkt ran." So fragt er Männer im Publikum gerne, ob sie schwul seien. "An deren negativen Reaktion sehe ich, dass sie homophob sind." Am Ende steht aber Appelt als homophob da.

Mit 23 Jahren hat Appelt seine Comedy-Karriere gestartet. Damals hatte er 28 Politiker-Parodien auf der Pfanne, darunter Franz Josef Strauß und Norbert Blüm. Macht er heute diese Parodien, dann freuen sich die Älteren, aber "junge Leute kennen nur Merkel, sonst nichts." Dabei schätzt Appelt die Politiker des alten Schlags, denn "das waren noch Persönlichkeiten". Blüm beispielsweise hatte politisches Herz. "Das vermisse ich heute. Heute wird gelogen, bis der Arzt kommt."

Seine Beobachtung: "Politiker schauen, was wollen die Leute hören, womit habe ich Erfolg?" Politik wird damit zum Unterhaltungsgeschäft. "Politiker dürfen das nicht!" Sie nehmen den Entertainern die Aufgabe weg, so seine Anklage.

Das bekennende SPD-Mitglied äußert sich auch in Talk-Shows gerne zu politischen Themen. So sieht er, dass große Institutionen wie Kirchen und Parteien wie die SPD und CDU an Mitgliedern verlieren, der ADAC aber stetig Mitglieder gewinnt. Was kann der ADAC, was die SPD nicht kann? Appelt weiß die Antwort: "Der ADAC bringt dir persönlich was, Pannenservice und dergleichen. Jetzt bin ich Mitglied in der SPD. Was habe ich davon? Nichts." Alles was die SPD erreicht, kommt allen zugute und nicht nur den "Sozis" und "deswegen ist es den meisten scheißegal, ob sie in einer Partei sind oder nicht." Die Einfache Lösung: die SPD mit dem ADAC fusionieren.

Wegen seiner Parteimitgliedschaft wäre eine Veranstaltung fast abgesagt worden - es sei Wahlwerbung, so der Vorwurf. Auch in den sozialen Netzwerken wird er manchmal angegriffen. Er mache "Staatskabarett" schreibt ein User. Persönlich getroffen fühlt sich Appelt davon nicht. Der User habe ja vollkommen recht: "Angela Merkel wohnt direkt unter mir und gibt mir jeden Tag Anweisungen, was ich sagen soll", scherzt Appelt. Damit ginge also nicht nur der Satz "Wir schaffen das" auf Merkels Konto, sondern auch "Ich bin ein Matsch-Ei".

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