Kaufkraft im Kreis Böblingen besonders hoch

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    Während der Handel vor Ort immer mehr abnimmt, steigt der Online-Handel Foto: dpa/Archiv

Artikel vom 08. Oktober 2019 - 15:54

KREIS BÖBLINGEN (red). Der Landkreis Böblingen hängt die Landkreise der Region Stuttgart ab und liegt im Bundesvergleich weit vorn, wenn es um die Attraktivität für Einzelhandelsunternehmen geht. Wie eine Untersuchung der IHK-Bezirkskammer Böblingen außerdem ergab, sind die Bewohner des Landkreises besonders wohlhabend.

Die Einwohner verfügen im Jahr 2019 zusammen über mehr als 3,1 Milliarden Euro an einzelhandelsrelevanter Kaufkraft, heißt Geld, das pro Haushalt vom Einkommen für den Konsum verbleibt, nachdem alle regelmäßig wiederkehrenden Zahlungen getätigt wurden. Pro Einwohner entspricht das 7952 Euro, womit der Landkreis in der Region Stuttgart auf dem ersten Platz liegt.

Von den 401 Stadt- und Landkreisen in Deutschland liegt der Kreis Böblingen auf Rang 16. Neben fünf Städten sind es nur zehn Landkreise in ganz Deutschland, die besser abschneiden. "Der Landkreis Böblingen verfügt mit seinen gut verdienenden Einwohnern über echte Anziehungskraft für Einzelhandelsunternehmen", sagt Marion Oker, Geschäftsführerin der IHK-Bezirkskammer Böblingen, "die Betriebe hier sind erfolgreich und die Beschäftigten haben dadurch mehr Geld zum Einkaufen."

Dennoch dürften die Durchschnittswerte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Standorten gibt. Auch dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass solche Zahlen immer nur eine Momentaufnahme darstellten. "Immer mehr dieser Kaufkraft fließt nicht in die Kassen der stationären Einzelhändler unserer 26 Städte und Gemeinden, sondern in den Online-Handel. Die Umsätze in den Ortskernen stagnieren vielerorts. An manchen Standorten zeigt sich eine zunehmende Erosion des Einzelhandelsbesatzes", warnt Oker.

An allen Standorten im Landkreis liegt die Kaufkraft pro Einwohner über dem Bundesdurchschnitt von 7086 Euro. Leonberg liegt dabei mit 8447 Euro sogar um nahezu ein Fünftel darüber. Grafenau, Nufringen und Ehningen folgen. Sogar das Schlusslicht Mötzingen liegt mit 7256 Euro noch deutlich über dem Bundeswert. Der stationäre Einzelhandel im Kreis verbucht insgesamt annähernd 2,6 Milliarden Euro an Umsatz. Pro Einwohner entspricht das mit 6562 Euro rund sechs Prozent über dem Durchschnitt Deutschlands (6202 Euro). In der Region liegt hierbei nur die Landeshauptstadt vor dem Landkreis Böblingen.

Nahversorgung der Bürger nicht in allen Kommunen gesichert

Unter allen 26 Kommunen sichert sich Sindelfingen beim stationären Umsatz den Spitzenplatz. 741 Millionen Euro klingeln dort in den Kassen der Händler. Auch bei den Pro-Kopf-Werten liegt Sindelfingen vorn: Mehr als 11 400 Euro bedeuten 84 Prozent über dem Bundeswert. Es folgen Jettingen und Böblingen. Dafür verantwortlich sind großflächige Einzelhandelsbetriebe - allesamt nicht in der Innenstadt, sondern außerhalb in Gewerbegebieten. Sie ziehen Kaufkraft von anderen Gemeinden und den eigenen Innenstädten ab. Die Nahversorgung der Bewohner mit allen wichtigen Sortimenten ist in manchen Kommunen allerdings nicht mehr gesichert. In Mötzingen beispielweise erzielen die örtlichen Händler zum Beispiel nur 2104 Euro pro Kopf an Umsatz. Die Werte von Aidlingen, Mötzingen und auch Magstadt zeigen, dass nur etwa ein Drittel der Kaufkraft ihrer Einwohner im Ort ausgegeben wird. Der größere Teil fließt ans Umland. Zur Stärkung der Innenstädte sollten großflächige Unternehmen mit für Innenstädte bedeutsamen Sortimenten in den zentralen Lagen repräsentiert sein. Ebenso müsse mehr darauf geachtet werden, dass der stationäre Einzelhandel faire Wettbewerbsbedingungen mit dem Online-Handel bekommt, so Marion Oker. Komplette Auswertung: http://www.stuttgart.ihk.de/boeblingen, Dok-Nr. 25079.

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