MPG-Schüler besuchen DDR-Ausstellung im Böblinger Bauernkriegsmuseum

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    Die Klasse 10a des Max-Planck-Gymnasiums vor dem ersten Trabbi, der nach Öffnung der Mauer Böblingen erreichte Foto: red

Die Waldsiedlung Wandlitz, die malerisch gelegene Wohnanlage nordöstlich von Berlin ist ein Spiegel der historischen Wende in Deutschland von 1989/90 und damit ein wichtiges geschichtliches Zeugnis zum Ende der DDR. Die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums in Böblingen besuchten die Sonderausstellung dazu.

Artikel vom 07. Oktober 2019 - 16:24

Von Tina Röhnert

BÖBLINGEN. Während am 9. November 1989 die Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten endgültig fiel und der Verkehr zwischen Ost und West wieder rollte, öffneten sich wenig später auch die Tore zur Siedlung Wandlitz, in der seit 1960 die Politprominenz der DDR ihren Hauptwohnsitz hatte. Erstmals war es den Journalisten möglich, die Politikersiedlung zu betreten und die vielen Vorurteilen über ein eventuelles Luxusleben der führenden DDR-Politiker zu prüfen.

Die Klasse 10a des Max-Planck-Gymnasiums (MPG) in Böblingen hat im vergangenen Schuljahr mit ihrer Geschichtslehrerin Jennifer Steinhäuser bereits die DDR-Geschichte umfassend besprochen, doch nun bot sich durch die Sonderausstellung "Wende in Wandlitz" im Deutschen Bauernkriegsmuseum Böblingen die Möglichkeit, noch mehr über das Leben in der DDR zwischen Überwachungsstaat und Devisenhandel zu erfahren.

Manche wollten keine Auskunft geben, manche übten offen Kritik

Durch die Kameralinse des DDR-Jugendsenders "Elf 99" konnten die Böblinger Schüler einen Blick hinter die grüne Betonmauer in die geheime Waldsiedlung werfen. Wirklich spannend daran waren aber weder die Einfamilienhäuser der Politiker noch das Warensortiment im Konsum, sondern wie die Bewohner und Bediensteten auf die Kameras reagierten: einige wollten aus Angst vor Repressalien gar keine Auskunft geben, andere verglichen die Lebenssituation offen mit den Internierungslagern des Nationalsozialismus. Tatsächlich lagen der Wohnkomfort und die Versorgung mit in- und ausländischen Waren über dem DDR-Durchschnitt, doch nach genauerer Betrachtung wollte niemand die persönliche Freiheit gegen all die materiellen Privilegien eintauschen.

Mit dieser Erkenntnis entließ Cornelia Wenzel, Leiterin des Bauernkriegsmuseums und Kuratorin der Ausstellung, die Schüler des Max-Planck-Gymnasiums. Wenngleich die Zehntklässler beim Thema "Wende" eher David Hasselhoff und Bilder von Trabbis, die die Grenze überqueren, im Kopf hatten, empfanden sie die Ausstellung als eine große Bereicherung und lobten vor allem die altersangemessenen Erläuterungen der Referentin. Zum Schluss gab es dann aber doch noch die erwarteten Bilder und auch ein Foto mit dem ersten Trabbi, der nach der Öffnung der Mauer in Böblingen ankam.

Die Ausstellung ist noch bis zum 17. November im Deutschen Bauernkriegsmuseum Böblingen zu sehen "und ist für Schulklassen sehr zu empfehlen", wie die MPG-Lehrer betonen.
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