Magic Lounge: Thorsten Strotmann feiert glänzende Geburtstagsgala

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    Thorsten Strotmann und ein Gast beim "Hütchenspiel"
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    Thorsten Strotmann bei seiner Ansprache
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    Standesgemäße Geburtstagstorte mit Zauberstab, Zylinderhut und Spielkarten
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    Auch die Böblinger "Kultourmacher" sind beim Schaulaufen auf dem roten Teppich mit dabei
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    Gibt's doch nicht: Strotmann zaubert den Ring dieser Frau aus einer verschlossenen Nuss
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    Waren schon mehr als 40-mal in der Show: Dorothea Heinrich (l.) und Rosemarie Böhringer
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    Promi-Gast: Fanta-4-Produzent "Bär"
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    Feuer und Flamme für Close-up-Magie: Thorsten Strotmann zaubert direkt vor den Augen seiner Gäste - und dennoch rätseln alle, wie seine Tricks funktionieren Fotos:Langner
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    Thorsten Strotmann mit Ehefrau Claudia

Artikel vom 05. Oktober 2019 - 08:06

STUTTGART/WEISSACH. Ein Hauch von Las Vegas am Tag der Deutschen Einheit in Bad Cannstatt: Auf dem roten Teppich posieren die Besucher der Magic Lounge mit dem Star des Abends. Der heißt Thorsten Strotmann und hat an diesem Feiertag tatsächlich einiges zu feiern. Seine "Magic Lounge" auf dem Römerkastell-Gelände wurde nämlich auf den Tag genau vor zehn Jahren, am 3. Oktober 2009, eröffnet.

Zur Feier des Abends sind zahlreiche Gäste erscheinen - darunter Prominente aus Politik und Showgeschäft wie etwa Travestiekünstlerin Wommy Wonder alias Michael Panzer sowie Andreas "Bär" Läsker, Produzent der Fantastischen Vier. Sie alle sind gekommen, um mit dem Zauberkünstler und seinem Team einen buchstäblich bezaubernden Abend zu verbringen. Den gibt es hier regelmäßig zu erleben: montags, donnerstags, freitags, samstags und sonntags steht im "Strotmanns" an mehr als 230 Tagen im Jahr "Close-up-Magic" auf dem Spielplan. Hauptfigur jeder Show ist der 47-Jährige Weissacher. Mit seinem Theater hat er sich gegen alle Widerstände einen Traum erfüllt.

Wie es dazu kam, erzählt er an diesem Festabend seinen Gästen. Er berichtet von seiner Reise nach Las Vegas, wo er sich die Shows von Copperfield und Co. ansah und danach den Traum von einem eigenen Theater hatte. "Aber nicht mit Tigern und zersägten Jungfrauen", betont er. Er wollte etwas ganz anderes machen: "Zauberei hautnah". Seiner Frau Claudia erzählte er von diesem Traum und sie stellte sich hinter ihn.

Zunächst galt es aber, die Leonberger Volksbank zu überzeugen. Das war gar nicht so einfach: "Haben Sie irgendwelche Sicherheiten?", wollte Strotmanns Bankberater wissen. "Wenn ich Geld hätte, wäre ich nicht da", antwortete der damals 36-jährige. Die Kreditzusage zog sich hin, der Zauberkünstler hatte aber bereits eine Location: Ab August würden die Räume zur Verfügung stehen, die bis dahin noch von den Fantastischen Vier für Proben gebucht waren - so lernte der Jungunternehmer Andreas Läsker kennen, den Strotmann damals noch irrtümlich als "Herr Bär" ansprach.

Weil Strotmann nicht länger warten wollte, setzte er alles auf eine Karte. Ohne Kreditzusage bestellte er Mobiliar und Sonderanfertigungen für sein Theater. "Wir bekommen das hin", habe er damals zu seiner Frau gesagt. Er sollte recht behalten. Dass Strotmann von seiner Vision so überzeugt war, überzeugte letztlich auch den Banker.

Nun galt es noch, Zuschauer anzulocken und die Sitzreihen voll zu bekommen. Mit teils nur zwölf Gästen pro Vorstellung in dem für 180 Personen ausgelegten Theater sah das anfangs noch nach einem ziemlich unmöglichen Unterfangen aus: "Oh Gott, das wird nie klappen, ich gebe dem kein halbes Jahr, dann ist er wieder weg, was denkt der, wer er ist? Die Preise sind viel zu teuer . . .", gibt er die Bedenken wieder, die damals kursierten.

Tipp vom Zauberer: "Nicht auf Bedenkenträger hören"

Zu seinem Glück habe er von all dem nichts mitbekommen. Und so startete die Erfolgsgeschichte: "Nach drei Monaten konnten wir schon komplett von dem Theater leben, den Kredit konnten wir nach zweieinhalb Jahren zurückzahlen; angedacht waren fünf Jahre", berichtet er, wie sein Theater, das ganz ohne staatliche Förderung auskommt, heute jedes Jahr rund 40 000 Besucher anlockt und in diesem Zeitraum 400 000 Euro Gewerbesteuer abwirft. "Nicht auf Bedenkenträger hören", lautet deshalb sein Tipp an potenzielle Firmengründer im Publikum. Als er von seinem mittlerweile 40 Mitarbeiter starken Team erzählt, bricht Strotmann vor Rührung kurz die Stimme - offenbar stimmt die Chemie zwischen Chef und Personal.

Dass die Chemie auch zwischen Publikum und dem Zauberer stimmt, beweist die anschließende Vorstellung. Egal, ob der Magier aus einem Seil in einem Wimpernschlag zwei und gleich darauf wieder eines macht, ob er eine Karte in die Glühbirne eines meterweit entfernten Kronleuchters "teleportiert", oder den Ring einer Besucherin aus einer verschlossenen Nussschale zaubert - jedesmal gibt es ungläubiges Staunen und alles fragt sich: "Wie in aller Welt macht er das nur?"

Diese Frage werden sich die Besucher wohl auch am Samstag und Sonntag stellen. An beiden Tagen hat die "Magic Lounge" geöffnet, weswegen ein Wochenende für den Zauberer und seine Frau anders aussieht als bei den meisten Menschen. "Wir haben unser Wochenende auf Dienstag und Mittwoch verlegt", erzählt er. An diesen Tagen gibt es keine Vorstellungen. Ein bisschen Entspannung sei aber auch am Wochenende drin: "Wir schlafen schon aus und frühstücken gemeinsam", erklärt Strotmann. Samstags gehe er gerne vor dem Auftritt in die Sauna oder steigt aufs Fahrrad, um rund um seinen Wohnort Weissach ein bisschen in die Pedale zu treten. Wenn Zeit dafür ist - zum Beispiel während der dreimonatigen Vorstellungspause - darf's gerne auch mal ein bisschen Kultur sein, zum Beispiel im Friedrichsbau Varieté oder im Renitenztheater.

Eine Sache, über die sich Thorsten Strotmann und seine Frau Claudia am Wochenende nicht mehr den Kopf zerbrechen müssen, ist der geplante Theaterneubau. Dieses Projekt liegt zumindest vorerst auf Eis. Bei der Geburtstagsfeier gibt es dazu geteilte Meinungen: Unter den Gästen ist Gerhard Gamp aus Böblingen. Der Theaterleiter im Böblinger Alten Amtsgericht hatte sich dafür eingesetzt, dass Strotmann ein Theater auf dem Flugfeld bauen kann - ohne Erfolg, weswegen Gamp noch immer dieser aus seiner Sicht "verpassten Chance für den ganzen Kreis Böblingen" nachtrauert.

Ganz anders geht es den Stammgästen der "Magic Lounge". Rekordhalterinnen dürften Dorothea Heinrich und Rosemarie Böhringer sein. Die beiden Seniorinnen aus Waiblingen waren bereits rund 40-mal in dem Zaubertheater. "Wir sind froh, dass er hierbleibt", strahlen die beiden. So ist das eben: Des einen Verlust ist des anderen Gewinn.

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