Seebrücke übergibt Petition an Landrat

Kreis Böblingen soll Sicherer Hafen werden - Mehr als 1500 Unterschriften gesammelt

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    Unterschriften-Übergabe der lokalen Seebrücke-Gruppe an den Landrat Foto: red

Artikel vom 01. Oktober 2019 - 16:01

KREIS BÖBLINGEN (red/ma). Am Montag übergab die Lokalgruppe Kreis Böblingen der Seebrücke-Aktion eine Unterschriftenliste im Landratsamt. Sie fordert die Kommunen des Landkreises auf, Sichere Häfen für Geflüchtete zu werden. Mehr als 1000 Menschen unterzeichneten aus dem Landkreis Böblingen. Insgesamt sind es über 1500. Indem Städte, Gemeinden oder Kommunen beschließen, Sicherer Hafen zu werden, solidarisieren sie sich mit der Seebrücke und stellen sich gegen die Abschottungspolitik Europas.

"Aktuell könnte man meinen, wir fordern etwas Einzigartiges in Deutschland, einen Vorstoß und eine Bekenntnis zur bedingungslosen Aufnahme aller Menschen", sagte Sanja Jäger, Sprecherin der Seebrücke im Kreis Böblingen, bei der Übergabe. "Das Gegenteil ist der Fall, wir wollen uns annähernd 100 Kommunen zum Vorbild nehmen und unsere Solidarität erklären. Menschen in Not zu helfen, ist tief in unserem Grundgesetz verankert und darf nicht diskutiert werden müssen."

Positiv überrascht zeigte sich Jäger ob der Reaktion des Landrats. Er könne die Aktion gut nachvollziehen und finde unbürokratische, schnelle Hilfe wichtig. Großen Respekt habe er vor den Kommunen, die sich bereits solidarisierten. "Die Europäische Union muss endlich die Kurve bekommen. Denn es ist unerträglich in einer Zeit eines freien Europas zuschauen zu müssen, wie Menschen ihr Leben lassen", so der Landrat. "Wenn wir abstumpfen, und kein Gefühl mehr entwickeln, wäre es schade um Europa. Europa, ein Land der Freiheit, ein Europa, das Menschen in Not hilft." Die Worte sind für für die Aktivisten viel wert, da bald im Gemeinderat beschlossen wird, ob Böblingen Sicherer Hafen wird.

In Böblingen habe knapp die Hälfte der Menschen ausländische Wurzeln und die Wirtschaft sei ungebrochen stark, "auch und gerade deswegen", betont Jäger. Wir könnten in Frieden und Wohlstand zusammenleben, "das geht mit einem guten Gewissen noch besser. Eine Gesellschaft also, die niemanden zurücklässt, auch nicht in entfernten Ländern, ist immer eine stärkere, als eine, die das Leid anderer ignoriert", positioniert sich Jäger klar.

Seebrücke will mit Fraktionen zusammenarbeiten

Die Seebrücke im Kreis bietet Fraktionen an, zusammen konkrete Anträge für Sichere Häfen zu erarbeiten. Parallel organisieren sie Veranstaltungen: am 26. Oktober ein Solikonzert in der Traube in Sindelfingen, im November Infoabende zur rechtlichen Situation der Seenotrettung in Böblingen und Leonberg. Im Januar ist eine Kinotour mit "Die Mission der Lifeline" geplant.

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