Künstlerpaar Sabina Hunger und Felix Sommer präsentiert gemeinsame Ausstellung in der Burg Kalteneck in Holzgerlingen

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    Premiere in der Burg Kalteneck: Bei der Werkreihe "Zirkus 3D" führen die beiden Kunstschaffenden ihre Arbeiten erstmals zu einem kongenialen Gesamtwerk zusammen Fotos: Langner
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    Sabina Hunger und Felix Sommer stellen Bilder und Skulpturen in Holzgerlingen aus

Artikel vom 24. September 2019 - 19:18

Von Eddie Langner

HOLZGERLINGEN. Der Arbeitskreis "Kunst und Kultur in der Burg Kalteneck" hat für seine Herbstausstellung das Sindelfinger Künstlerpaar Sabina Hunger und Felix Sommer gewinnen können. Bei der Vernissage am vergangenen Sonntag standen die Besucher dicht gedrängt in den Räumen des Wasserschlösschens. Unter dem Motto "Von Reisenden, Glückssuchern, und Grenzgängern" zeigen die beiden noch bis Mitte Oktober Malerei, Zeichnungen und Skulpturen.

Waghalsige Artisten, Hochradfahrer, Jongleure und tollkühne Flieger tummeln sich auf Felix Sommers "Seiltanz"-Bilderreihe. Mit Tusche und Acryl erweckt der Sindelfinger Künstler mit seinem wuselnden Zirkus-Panoptikum längst vergessen geglaubte Kindheitserinnerungen zum Leben. Unwillkürlich hat der Betrachter den "Einmarsch der Gladiatoren" im Ohr, den strengen Duft der Manege in der Nase und spürt das Kribbeln im Bauch, das sich einst einstellte, während man gebannt dem todesmutigen Balanceakt auf dem Drahtseil zuschaute.

In einer anderen Bilderreihe widmet sich der studierte Grafiker Motiven aus der Sage des Odysseus - vom "Wettstreit der Sirenen" über die Kikonen bis hin zur umtosten Fahrt zwischen den Seeungeheuren Skylla und Charybdis. Auch einige plastische Arbeiten stellt Sommer aus. "Naives Raumschiff" nennt er beispielsweise ein aus zusammengebundenen Zweigen geformtes Gittermodell eines primitiven Flugapparats.

Stimmig ergänzt, vervollständigt und buchstäblich begreifbar werden Sommers Bilder im Zusammenspiel mit den Arbeiten von Sabina Hunger. Glas- und Keramikbruchstücken führt sie zu einem verspiel-poetischen Ganzen zusammen. Ihre Skulpturen harmonieren so auf kongeniale Weise mit Sommers vor Vitalität und hintersinnigem Witz buchstäblich aus dem Rahmen fallenden Zirkusartisten und Sagengestalten.

"Sie findet im Verlust auch immer einen Neuanfang", beschrieb Felix Sommer die Arbeitsweise seiner Partnerin in seiner humorvollen und wertschätzenden Einführungsrede. In einer augenzwinkernden Anekdote erzählte er, wie Sabina Hunger vor Jahren in Venedig schillernd-bunte Glasbruchstücke in einer abenteuerlichen Bergungsaktion aus dem trüben Kanalwasser fischte, um ihren Schatz daraufhin nass, aber stolz zum Hotel zurückzutragen.

Zwei herausragende Figuren der lokalen Kunstszene

Danach sagte auch Sabina Hunger ein paar einführende Worte zum Werk ihres Lebensgefährten, bei dessen Zirkus-Draufgängern die Suche nach Glück zugleich auch die Suche - womöglich gar die Sucht - nach der Gefahr beinhaltet. In diesem Seiltanz über dem Abgrund, diesem Flirt mit dem Tod, steckt zugleich eine ungeheure Lebendigkeit.

Sabina Hunger und Felix Sommer sind als Künstlerpaar herausragende Figuren im Kreis Böblingen. Gemeinsam prägen sie als führende Köpfe das Sindelfinger Atelierhaus; Sommer verantwortet zudem die Präsentationen im Sindelfinger Oberlichtsaal - so auch die Ausstellung von Christine Gläser, die dort morgen eröffnet wird.

Sabina Hunger ist vorrangig bekannt für ihre großformatige Glaskunst. Ihre wohl markantesten Arbeiten im Kreis sind in Böblingen die Gemeindesaalfenster der Festen Burg und die riesige Glassonne im Heim Sonnenhalde. Für ihre Skulpturen und Plastiken verwendet sie hauptsächlich Keramik und Glas. Felix Sommer benutzt für seine Bilder Tusche, Acrylfarbe und Radiernadel. Die beiden Künstler aus Sindelfingen arbeiten unabhängig voneinander. Obwohl ihre Ateliers nur ein paar Meter entfernt sind, zeigen sie sich ihre Werke erst, nachdem diese fertiggestellt sind.

Für beide Kunstschaffende ist es nicht das erste Gastspiel in der Burg. Felix Sommer hatte auf Initiative des Altdorfer Künstlerkollegen Hans Bäurle zuvor schon zwei eigene Ausstellungen dort präsentiert und zudem eine Ausstellung des Internationalen Bodenseeclubs (ICB) organisiert. Auch Sabina Hunger hatte die Räumlichkeiten zuvor bereits im Rahmen einer Schau des Verbands Bildende Künstler bespielt. Immer wieder stellen die beiden auch gemeinsam aus. Dennoch brachte diese Ausstellung in gewisser Weise eine Premiere: Erstmals hat das Künstlerpaar nämlich die jeweiligen Arbeiten in einer Bilderreihe namens "Zirkus 3D" zu einem stimmigen Ganzen zusammengefügt.

Bei der Vernissage in der Burg Kalteneck, die von der Band Groove for Friends sehr passend musikalisch umrahmt wurde, gab es viele positive Rückmeldungen zu der sehr gut harmonierenden Präsentation. Besonders nett formulierte es Hans Bäurle, als er Sommer im Vorbeigehen zurief: "Felix, du bisch ei'fach gut!"

 

  Noch bis zum 13. Oktober kann die Ausstellung samstags von 16 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr in der Burg Kalteneck in der Schlosstraße 25 besichtigt werden.
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