Mutmachende Erfahrungsberichte beim Fest der Begegnung in Böblingen

Tolle Stimmung beim "Internationalen Fest der Begegnung" auf der Böblinger Diezenhalde

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    Beim Musical "Flamekeepers" ging so richtig die Post ab Fotos: Holger Schmidt

Artikel vom 22. September 2019 - 19:54

Von Holger Schmidt

BÖBLINGEN. "Wir wollen Geflüchtete, Unternehmer und Bürger zusammenbringen", erklärte Kathrin Weinert. Sie ist Mitglied bei den Wirtschaftsjunioren Böblingen und Mitorganisatorin des "Internationalen Festes der Begegnung", das am Samstagnachmittag zum dritten Mal stattfand und zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus mindestens neun Ländern ins Ökumenische Gemeindezentrum auf der Böblinger Diezenhalde lockte.

Die tolle Stimmung entwickelte sich analog zum herrlichen Spätsommersonnenschein und spätestens beim mitreißenden Musical der begeisternden Formation "Flamekeepers" samt halsbrecherisch anmutenden Break-Dance-Einlagen gab es kein Halten mehr. Klein und Groß klatschten, sangen und schrieen mit und es war völlig zweitrangig, ob jemand aus Albanien, Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Syrien stammte oder einheimischer alteingesessener Böblinger war.

An den Ständen auf dem "Markt der Möglichkeiten" stellten neben den Initiatoren Wirtschaftsjunioren Böblingen und Integrationsrat Böblingen sowie dem Freundeskreis Flüchtlingshilfe auch einige weitere Partner sich und ihre Angebote vor. So die IHK Region Stuttgart mit ihrem Kümmerer-Projekt "Integration durch Ausbildung - Perspektiven für Flüchtlinge", die HASA aus Sindelfingen mit der Möglichkeit, trotz schwieriger Startbedingungen den Hauptschulabschluss nachzuholen, oder Ausbildungsbetriebe wie die Mercure Hotels.

Problem: bezahlbare Wohnungen

Viel Mut machten den Zuwanderern die Auftritte anderer Auszubildender, die auf der Bühne vor großem Publikum von ihren Erfahrungen berichteten. "Gastronomie ist der beste Beruf, wenn man reinkommt", sagte der angehende Hotelfachmann Sohyab Shirazad aus Afghanistan. "In Deutschland habe ich eine sichere Zukunft gefunden", erklärte Salam Alnablsi, "jeden Tag lerne ich etwas Neues." Die 18-jährige Syrerin, seit 2014 in Deutschland und derzeit Azubi bei der Schönbuch-Apotheke in Holzgerlingen, stand ebenso mutig Rede und Antwort wie Arlinda Selmanaj aus Albanien, Auszubildende Fachkraft im Gastgewerbe bei der Krankenhaus Service GmbH des Klinikverbundes Südwest, oder Mustafa Sediqi aus Afghanistan, im dritten Lehrjahr als Kfz-Mechatroniker beim Autohaus Weeber.

Deutlich wurde aber auch: Integration ist keine Einbahnstraße und man muss etwas tun, insbesondere viel und gut Deutsch lernen, um auf dem hiesigen Ausbildungs- und Berufsmarkt erfolgreich zu sein. "Ich suche gerade eine Wohnung, aber die Miete ist sehr hoch", schilderte zudem Hotel-Azubi Sohyab Shirazad ein großes Dilemma, das neben ihm und anderen Flüchtlingen natürlich auch viele deutsche Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen betrifft. Mit der guten Betreuung und Unterstützung durch solche engagierten Partner, wie sie am Samstag beim "Internationalen Fest der Begegnung" versammelt waren, sollte aber auch dieses Problem in nächster Zeit zu meistern sein.

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