Arbeitskreis Grund will mehr Bürger zu Mitarbeit motivieren

Böblinger Stadtteil-Arbeitskreise (4): Der AK Grund steht vor großen Herausforderungen und will mehr Ehrenamtliche motivieren

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    Blick aus der Vogelperspektive auf den Grund (im Vordergruund die Freiburger Allee) / Foto: Bischof

Seit beinahe 30 Jahren gibt es in Böblingen die Stadtteil-AKs. In diesen Gruppen kümmern sich Ehrenamtliche und Hauptamtliche gemeinsam um ihr Umfeld. Wir stellen die Arbeitskreise in einer Serie vor - nach Rauher Kapf, Diezenhalde und Kernstadt ist nun der AK Grund dran.

Artikel vom 10. September 2019 - 19:00

Von Robert Krülle

BÖBLINGEN. Ein gut funktionierendes soziales Miteinander im Grund zu schaffen, ist eine Herausforderung. An die 100 Nationalitäten leben in dem Böblinger Stadtteil unterhalb der Diezenhalde, vielfach bestimmen Hochhäuser das Bild. Tausende Menschen leben auf engem Raum und sollen miteinander klarkommen - keine Selbstverständlichkeit.

Ein wichtiger Anlaufpunkt ist das Sozial- und Nachbarschaftszentrum (SNZ) in der Stauffenbergstraße, das seit 2007 von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betrieben wird. Genauso lange arbeitet der Sozialpädagoge Matthias Pfaff dort und hat in dieser Zeit schon einiges erlebt. Auch dem AK Grund gehört er selbstverständlich seitdem an und hält die Gruppe für ein wichtiges Gremium im Stadtteil. "Allerdings haben wir leider in den vergangenen Jahren immer mehr Schwierigkeiten, die Bürger zur Mitarbeit zu motivieren", sagt der 39-Jährige. Zuletzt habe der Arbeitskreis zur großen Mehrzahl aus Hauptamtlichen bestanden. "Was eine tolle Netzwerkarbeit ermöglicht", so Pfaff, doch gleichzeitig fehle der direkte Input aus der Bürgerschaft. "In nächster Zeit wollen wir da aktiver Werbung machen", kündigt der SNZ-Leiter an, "und vor allem direkt auf die Leute zugehen."

Wie in anderen Stadtteilen sind im AK Grund die Stadtverwaltung, die Polizei und die Sozialverbände aktiv, allerdings haben hier zudem die Schulen und Kindergärten einen besonderen Stellenwert. Vertreter vom Stockbrünnele-Zentrum genauso wie von der Eduard-Mörike-Schule beteiligen sich am Arbeitskreis, darunter neben Rektoren und Sozialarbeitern auch einige Elternbeiräte. "So können wir viele Themen miteinander besprechen, die im Stadtteil wichtig sind", weiß Matthias Pfaff.

Mitten zwischen den Hochhausbauten steht das Sozial- und Nachbarschaftszentrum, das vor allem Anlaufpunkt für Kinder und Jugendliche ist, aber sich auch Eltern-, Integrations- und Gemeinwesenarbeit auf die Fahnen geschrieben hat. Kein leichtes Unterfangen in einem bunt gemixten Stadtteil, in dem es neben kultureller Vielfalt auch immer wieder viel Konfliktpotenzial gibt. Zudem leben seit 2014/15 einen Steinwurf entfernt mehr als 100 Flüchtlinge in der Unterkunft an der Eugen-Bolz-Straße - was für die Sozialarbeiter eine zusätzliche Herausforderung in Sachen Integration bedeutet. Immerhin haben Pfaff und sein Team über ein extra vom Sozialministerium gefördertes Flüchtlingsprojekt zuletzt mehr "Manpower" bekommen. Und ab dem 1. Januar 2020 hat die Stadt Böblingen zusätzliches Personal für das SNZ bewilligt. Wenn dann noch die Nachfolge der stellvertretenden Leiterin Yvonne Sturm geregelt ist, die das Haus im Sommer verlassen hat, kann Matthias Pfaff wieder durchatmen. "Das ist auf alle Fälle eine positive Entwicklung", betont der AWO-Mann, "denn wir brauchen diese Ressourcen, damit wir nicht immer nur reagieren, sondern auch aktiv gestalten können."

Ab Januar mehr Personal im Nachbarschaftszentrum

Das will auch die Stadt Böblingen. Auf dem Rathaus hat man gemerkt, dass man hier mehr in den Zusammenhalt investieren muss. Derzeit findet der Entwicklungsprozess "Wir sind der Grund" seinen Abschluss, in dessen Rahmen in den vergangenen Monaten unzählige Gespräche mit Bürgern geführt und Verbesserungen für den Stadtteil diskutiert wurden (die KRZ berichtete). Am Maurener Weg will man in der ehemaligen Filiale der Kreissparkasse ein Stadtteilzentrum einrichten und mehr Bürger einladen, sich zu engagieren. "Da passen diese Entwicklungsinitiative und die AK-Stadtteilarbeit gut zusammen", findet Pfaff.

Und so hofft der SNZ-Leiter, dass aus all diesen Anstrengungen neue Kräfte im Stadtteil entstehen und mehr Ehrenamtliche mobilisiert werden können - auch welche mit ausländischen Wurzeln. "Als ich im AK angefangen habe, waren viel mehr Bürger dabei als heute. Und das hat sich sehr positiv ausgewirkt", erinnert sich Pfaff. Dass sich die Menschen heutzutage im Allgemeinen lieber projektweise und kurzfristig engagieren als dauerhaft, haben die Verantwortlichen auch im SNZ gespürt. Das Stadtteilfest findet deshalb nicht mehr jährlich, sondern im Zwei-Jahre-Rhythmus statt. "Das ist ansonsten nicht zu stemmen."

Dass der Stadtteil-AK eine sinnvolle Einrichtung ist, steht für Matthias Pfaff außer Frage. "Im letzten Jahr haben wir zum Beispiel gemeinsam eine Stadtteil-Begehung gemacht", erzählt der Sozialpädagoge. Die mögliche Veränderung problematischer Bereiche, der bessere Beschnitt von Sträuchern sowie die Optimierung der Beleuchtung an manchen Orten waren Themen. "Wenn hier noch mehr Anregungen aus der Bürgerschaft kommen, macht das nur Sinn."

    Stadtteil-Arbeitskreise: Pionierarbeit für die Bürgerbeteiligung
    Seit 1990 gibt es Stadtteil-Arbeitskreise in Böblingen. Zunächst war Karin Dietzschold zuständig, 1997 übernahm Heike Lück und entwickelte das Angebot weiter. Jetzt ist Lück ins OB-Referat gewechselt. In den AKs arbeiten Bürger mit Hauptamtlichen (Stadt, Sozialverbände, Schulen, Polizei) zusammen und bilden ein wirkungsvolles Netzwerk.
 
    Die AKs in der Kernstadt und im Grund nahmen im Jahr 1990 ihre Arbeit auf, die AKs auf der Diezenhalde und auf dem Rauhen Kapf im Jahr 1991.
    Es gibt weitere Angebote in anderen Stadtteilen. Der Treff am Murkenbach ist zwar kein AK, fungiert aber als Veranstaltungsort und Treffmöglichkeit. Zudem gibt es seit 2010 den Arbeitskreis Flugfeld, der vom Verein für Jugendhilfe betreut wird.
 
    Wer sich in einem Stadtteil-AK engagieren möchte, erhält Infos bei Yvonne Paetel, Telefon (0 70 31) 669-24 76 oder fachstelle@boeblingen.de per Mail. Mehr Infos unter http://www.boeblingen.de/stadtteilarbeitskreise im Netz.

 

 

 

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