Bauern kritisieren Bienenschützer

Volksbegehren zur Bienenrettung: CDU-Abgeordnete laden landwirtschaftliche Interessengruppen ein

  • img
    Rettet ein Volksbegehren die Biene oder behindert es die Landwirte bei ihrer Arbeit? Foto: red

Artikel vom 05. September 2019 - 13:06

KREIS BÖBLINGEN (red). Der Rückgang der Artenvielfalt ist überall im Land derzeit ein viel diskutiertes Thema. Ein Thema mit unzähligen Meinungen. Um die verschiedenen Interessengruppen an einen Tisch zu bringen, haben die Leonberger CDU-Landtagsabgeordnete Sabine Kurtz und der Böblinger CDU-Landtagsabgeordnete Paul Nemeth jetzt zum Meinungsaustausch nach Leonberg-Eltingen eingeladen. "Die Teilnehmerzahl von fast 100 Gästen zeigte, wie groß das Interesse an einem sachlichen Austausch auf diesem Gebiet ist", schreiben die Abgeordneten in einer Pressemitteilung.

Im Zentrum der Veranstaltung stand die Diskussion um das Volksbegehren "Rettet die Bienen" und die Frage, welche Auswirkungen auf die Landwirtschaft, auf Obst- und Gartenbau, Schäferei, Bienenzucht und viele weitere Bereiche zu erwarten sind.

"Wir wollen gerne wissen, wie die Menschen in unserem Wahlkreis darüber denken. Wir haben hier ganz viele Fachleute im Raum und erhoffen uns von Ihnen wertvolle Informationen, die wir dann auch in unsere Landtagsfraktion einspeisen wollen", erklärte Sabine Kurtz. "Neben dem Klimawandel ist die Veränderung unserer Landschaft für uns in der CDU ein wichtiges Thema, denn es geht um die Natur, unsere Heimat und unsere Familien", unterstrich Paul Nemeth, der auch umweltpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion ist.

Kritik an vielen Vorschriften

Über einen Mangel an Input der knapp 100 Diskussionsteilnehmer konnten sich Kurtz und Nemeth nicht beschweren. Die Vertreter der Landwirte gaben zu bedenken, dass der Markt eine stetig steigende Zahl der im Volksbegehren geforderten Bio-Quote nicht aufnehmen könne. Die Nachfrage nach diesen eher hochpreisigen Produkten sei beschränkt. Molkereien akzeptierten derzeit keine weiteren biologisch produzierenden Milchlieferanten. Auch die heimische Landwirtschaft fühle sich aufgerufen, preisgünstige Produkte für kleinere Geldbeutel anzubieten. Andreas Kindler, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, betonte: "Und wenn wir die nicht liefern, sind die Regale im Supermarkt trotzdem voll damit. Mit Waren aus aller Herren Länder, die zigtausende Kilometer durch die Welt transportiert werden. Das hilft unserer Umwelt sicher auch nicht."

Die im Volksbegehren geforderten Maßnahmen seien zu viel, noch mehr Gesetze würden vor allem kleinere Betriebe kaputt machen. Für diejenigen, die sich um Streuobstwiesen kümmerten, könne es bald völlig unattraktiv werden, dieses jetzt schon wenig ertragreiche Geschäft weiter zu betreiben. Mehr Gesetze und Auflagen, Kontrollen und Bürokratie seien kontraproduktiv.

Ebenfalls jetzt schon zu viele Vorschriften sah auch ein Vertreter der Schäfer aus dem Landkreis: "Es gibt so viele Vorschriften für uns, dass viele meiner Kollegen aus der Schafhaltung ausgestiegen sind". Ähnlich äußerte sich ein Bio-Bauer: "Durch die ganzen Verordnungen, die zu mehr Vielfalt führen sollen, fällt ein Haufen an Büroarbeit an. Diese Zeit würde ich lieber in die blühende Vielfalt auf meinem Feld investieren." Deutlich wurde der Wunsch nach intensiverer Beratung statt Kontrollen geäußert, damit Förderprogramme, Vorschriften und Auflagen besser genutzt und umgesetzt werden könnten.

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen" hat im Mai die erste Hürde genommen: Es wurde vom baden-württembergischen Innenministerium für zulässig erklärt. Kernforderungen des Begehrens sind 50 Prozent Ökolandbau bis zum Jahr 2035, die Halbierung der Pestizidmenge bis 2025 sowie kein Pestizideinsatz in Schutzgebieten. Darüber hinaus sollen 100 Prozent der im Eigentum des Landes stehenden landwirtschaftlich genutzten Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Vom 24. September bis zum 23. März hat das Bündnis sechs Monate Zeit, um Unterschriften von zehn Prozent der bei einer Landtagswahl stimmberechtigten Bürger zu sammeln.

Verwandte Artikel