Ehninger Künstler erfragt sich den Weg zu seiner Ausstellung

Jov T. Keisar versucht derzeit den Weg vom Ammersee nach Untergröningen zu finden, ohne Karte oder Navi – Wanderung bei Gluthitze und Gewitter

Artikel vom 31. August 2019 - 19:00

EHNINGEN (lad). Der Ehninger Künstler Jov T. Keisar hat ein Faible dafür, sich den Weg zu seinen Ausstellungen selbst zu erschweren, indem er konzeptuelle Arbeiten daraus macht. So geschehen 2014. Da startete Keisar anlässlich der Ausstellung „Allianzen & Affairen“ in Monschau (Nordrhein-Westfalen) den Versuch, innerhalb von sieben Tagen per Zufall mit dem Zug zur Ausstellungseröffnung zu gelangen. Als ob eine normale Fahrt mit der Bahn nicht schon schwer genug wäre.
Vom Startpunkt in der Mitte Deutschlands wurde an jedem Bahnhof gelost, von welchem Gleis Keisar wie viele Stationen fahren sollte. Von jedem Bahnhof sendete er eine Postkarte mit einer Beschreibung des Bahnhofsvorplatzes nach Monschau. Wenn es keine Postkarten zu erwerben gab, skizzierte er auf einer Blankopostkarte den Bahnhofsvorplatz. Zum Zeitpunkt der Ausstellungseröffnung war Keisar in Berlin-Wannsee gelandet - über 500 Kilometer von Monschau entfernt.
Im Rahmen der Reihe „aufgeSCHLOSSen“ stellt Keisar nun mit 16 weiteren jungen Künstlern aus Baden-Württemberg ab dem 28. September in den Räumen des Schlosses Untergröningen im (Ostalbkreis) aus. Auch hier fährt Keisar nicht mit der Bahn oder dem Auto zur Vernissage, nein, er läuft. Aber nicht von Ehningen aus.
Sein Startpunkt wurde von der Kuratorin der Ausstellung Heidi Hahn aus 147 Ortschaften, die allesamt 121 Kilometer von Untergröningen entfernt liegen, ausgelost. Warum gerade dieser Radius? Das ist die Entfernung von Untergröningen bis zur französischen Grenze. Keisar kann aber kein Französisch, so kam die Beschränkung. Gezogen wurde die Gemeinde Moorenweis im Oberbayrischen, unweit des Ammersees.
Von dort aus wandert Keisar los. Und damit es nicht zu einfach wird, gibt es eine Regel: Kein Navi, keine Karte, keine Technik. Ausgestattet mit einem Block, auf dem Passanten ihm den Weg skizzieren können.

Ein „herrlicher“ Cocktail aus Schmerz - und Juckreiz

Seit Mittwoch ist er nun schon unterwegs und er kommt tatsächlich voran. Auf seinem Instagram-Account jov_t.keisar liefert er täglich Neuigkeiten zum laufenden Projekt.
Tag 1, Mittwoch: Im Morgengrauen startete er in Moorenweis und landete am Abend in Königsbrunn. Dabei machte er viele Beobachtungen: „Es gibt hier keine Fußwege, ich wandere neben Straßen. Hier gibt es auch keine Alleen sondern nur schattenarme Monokulturen neben der Straße.“
So wanderte er in der „Gluthitze“ durch die „Monokulturwüste“. Sein Fazit des ersten Tages: „Viel zu viel auf dem Rücken, aber Sonnencreme vergessen. Sonnenbrand kombiniert mit Bremsenstichen, ein herrlicher Cocktail aus Schmerz- und Juckreiz.“
Tag 2, Donnerstag: Wegen eines Gewitters konnte Keisar erst später loswandern und kam bald in den Rauhen Forst, eine bewaldete Hügelkette mit einer Breite von bis zu sieben Kilometern und einer Länge von 15 Kilometern.
Der erste Härtetest für die „geh? den Weg wie beschrieben“-Regel. „Die Wegbeschreibung lautete: In der nächsten Rechtskurve links, dann die Straße mit den Serpentinen hoch, dann ein bis zwei Kilometer in den Wald und dann links den Anhäuser Weg lang“, berichtet Keisar. „Erstaunlicherweise kam ich tatsächlich mit der Befolgung dieser Angaben in Anhausen an.
Knapp 25 Kilometer war er an diesem Tag unterwegs und hätte sich beinahe noch verletzt: „Im Wald ging in 20 Metern Entfernung neben mir bei annähernder Windstille ein drei Meter langer morscher Birkenast aus gut 20 Metern Höhe zu Boden. Die nächsten Kilometer war ich mit dem Kopf im Nacken unterwegs.“
Nach der letzten Meldung vom Donnerstagabend betrug die Entfernung nach Untergröningen Luftlinie noch 90 Kilometer. Keisar könnte also noch rechtzeitig ankommen. Die Häufigste Wegbeschreibung ist übrigens: „Und dann einfach geradeaus.“

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