Steinkrebse sind gefährdet - auch im Landkreis Böblingen

Projekt zur Erfassung und Sicherung der letzten Vorkommen - Lebensraumqualität soll verbessert werden

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    Der Steinkrebs ist gefährdet / Foto: Christoph Leeb / Wikipedia

Artikel vom 23. August 2019 - 16:06

KREIS BÖBLINGEN (red). Der heimische Steinkrebs steht derzeit im Fokus der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Böblingen. Gemeinsam mit der Unteren Wasserbehörde laufen die Vorarbeiten für ein kreisweites Projekt zur Erfassung und Sicherung der letzten Vorkommen der heimischen Flusskrebsart, die früher häufig anzutreffen war.

Denn der Steinkrebs gehört heute zu den am meisten gefährdeten Tierarten Europas. Seit 2007 sind die Bestände dramatisch eingebrochen. Dabei waren Flusskrebse wie der Steinkrebs typische Bewohner der Flüsse und Bäche der baden-württembergischen Mittelgebirgslandschaft. Heutzutage sind in weiten Teilen des Landes nur noch Reliktvorkommen anzutreffen. Die Gründe für den Rückgang der Populationen sind vielfältig. Es sind Veränderungen der Gewässerläufe oder Verunreinigungen, aber auch die Tatsache, dass andere Krebsarten, die als sogenannte Neozoen meist aus Nordamerika eingeführt wurden, eine enorme Bedrohung für die heimischen Arten darstellen. Sie verdrängen sie aus den Habitaten und sind Überträger einer für die heimischen Krebsarten zu 100 Prozent tödlichen Krankheit, der sogenannten Krebspest.

Nun gilt es, die Lebensraumqualität dieser letzten Steinkrebsvorkommen im Rahmen des kommunalen Artenschutzes möglichst zu verbessern. Ein wichtiger Baustein dazu ist die Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Fließgewässern. Aus diesem Grund wurden verschiedene Maßnahmen an Gewässern umgeplant, um die Ansprüche der Steinkrebse zu berücksichtigen. Die isolierten Populationen sollen vor anderen Arten geschützt werden. Beispiele sind das Krebsbach Gewässersystem bei Nufringen/Rohrau und die Sanierungsmaßnahmen am Naturdenkmal Maurener See.

Ab dem kommenden Jahr sollen Steinkrebs und invasive Krebsarten in allen in Frage kommenden Gewässersystemen gezielt untersucht und dokumentiert werden. Erste Abfragen bei den Fischereiverbänden laufen bereits. Auch die Forstbehörde ist einbezogen. Die Verbesserung der Lebensräume und der Schutz vor invasiven Arten stehen neben einer gezielten Bürgerinformation an erster Stelle. Solche Maßnahmen können dann auch als Ausgleich zu Straßenbauvorhaben, kommunalen Bau- und Gewerbegebieten und sonstigen Vorhaben herangezogen werden. Damit werden Fließgewässer als Lebensadern der Landschaft geschützt und aufgewertet. Es lassen sich Ausgleichsmaßnahmen umsetzen, ohne der Landwirtschaft Flächen zu entziehen.

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