Der musikalische Weg des jungen Multitalents Tobias Becker ging von Böblingen aus steil nach oben

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    Tobias Becker bei einem Auftritt beim Böblinger "Big Sounds" Festival / Foto: Bischof/Archiv
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    Die Tobias Becker Bigband in der Kongresshalle mit Sängerin Fola Dada Foto: Bernd Epple

In der Welt der Bigband ist er längst kein Unbekannter mehr. Der 35-jährige Pianist, Komponist, Dozent, Arrangeur und Bigband-Chef hatte schon einige klangvolle Namen um sich geschart und vor allem durch messerscharfe Arrangements auf sich aufmerksam gemacht.

Artikel vom 24. August 2019

Von Bernd Epple

BÖBLINGEN. Gemessen an seiner musikalischen Größe wirkt Tobias Becker auf den ersten Blick eher unscheinbar. Will heißen, dass er alles andere als eine "Rampensau" und mit einer soliden Bodenhaftung ausgestattet ist. Er ist ein akribisch arbeitender "Musikhandwerker", an den sich renommierte Musiker gerne wenden, wenn es auf Details ankommt. So gehören zu seinen "Kunden" die SWR-Bigband, das holländische Metropole Orchestra, Ernst Mantel (schwäbisches Kabarett), Fräulein Wommy Wonder (Travestie), Fola Dada (Jazzsängerin), Helge Schneider (Musik-Comedian) oder Werner Acker (Gitarrist). Als Musical Direktor hat er sie mit dem "richtigen Ton" versorgt und für sie arrangiert.

Schon die Urgroßeltern musizierten im Hause Becker

Musik hat im Hause Becker eine lange Tradition. Schon die Urgroßeltern musizierten, seine Mutter unterrichtet Flöte und Vater Hartmut ist ebenfalls Pianist. Dieser leitet den Dagersheimer Liederkranz und ist zudem Kirchen-Organist in Ehningen. Beckers Weg war in gewisser Weise also schon vorgezeichnet. Während seiner Grundschulzeit bekam er bereits Klavierunterricht an der Musikschule und er liebte es von Anfang an, zu improvisieren. Die Frage, welche weiterführende Schule Tobias besuchen sollte kam für die Eltern wohl nicht auf. Die bestmögliche musikalische Förderung hat in Böblingen nun mal das Albert-Einstein-Gymnasium zu bieten. Dort entdeckte er seine Liebe zum Jazz und kam noch in den Genuss, in der von Tilman Jäger geleiteten Bigband spielen zu dürfen.

"Pianist und Profimusiker wollte ich eigentlich schon immer werden", sagt Becker. "Die Schulnoten waren mir völlig egal. Ich habe das alles nur gemacht, damit ich später studieren konnte", beschreibt Becker im Gespräch mit der Kreiszeitung seine damalige Haltung zum schulischen Lernen. Das für die meisten Kinder leidige Üben war für ihn, mit klarem Ziel vor Augen, nie ein Thema.

Auch in Bezug auf sein nach dem Abi folgenden Musikstudium hatte Becker eine klare Haltung: "Ich habe mich zunächst für Schulmusik entscheiden. Das erschien mir als sichere Bank, als Lehrer mein Geld verdienen zu können. Bald habe ich aber gemerkt, dass mein Herz eher für eine künstlerische Laufbahn schlägt."

Er belegte schließlich Jazzkurse, schloss ein Jazzstudium ab und entwickelte das, was er heute als seine Kernkompetenz bezeichnet: Das Schreiben von Bigband-Arrangements. Inzwischen befindet er sich in der komfortablen Situation, in seiner Bigband die Creme der deutschen und Schweizer Nachwuchsmusiker um sich scharen zu können. Zu denen zählen auch die Gärtringer Kontrabassistin Judith Goldbach, der Böblinger Trompeter Christian Mehler und Alexander Bühl, der Saxophonlehrer der Böblinger Musikschule, seines Zeichens Landesjazzpreisträger.

Bigband ist das Eine, Projekte wie die Zusammenarbeit mit dem Travestiekünstler Fräulein Wommy Wonder alias Michael Panzer das Andere. "Wommy kam vor über 10 Jahren noch während des Studiums auf mich zu und fragte mich als Piano-Partner an. Das Bauchgefühl stimmte und wir haben anfangs viel ausprobiert. Inzwischen genieße ich dieses Projekt als willkommene Abwechslung" schmunzelt Becker.

Welche Musik hört Becker zuhause? "Musikhören ist eine ganz komische Sache bei mir", sagt er. "Ich höre immer analytisch und am liebsten Klassik, das heißt großorchestrale Musik. Die Spätromantiker gehen schon wieder ein bisschen in Richtung Jazz und verkörpern ganz andere Qualitäten". Über seine musikalischen Pläne verrät er: "Am liebsten würde ich den Fokus noch mehr auf Auftragskompositionen und Arrangements legen. Allerdings finde ich die Mischung von Schreiben, Spielen und Unterrichten momentan perfekt".

Böblingen ist für den Wahl-Ilsfelder immer noch Heimat

Obwohl Becker mit seiner Frau inzwischen in Ilsfeld lebt, hat er den Kontakt privat und künstlerisch zum ehemaligen Wohnsitz nie verloren und sagt sogar: "Böblingen ist immer noch Heimat!" Nicht umsonst startete er 2018 in der Böblinger Kongresshalle die Reihe "Tobias Becker trifft" bei der er mit seiner Bigband bislang bekannte Musiker wie Verena Nübel, Cherry Gehring (PUR), Fola Dada und Werner Acker wirkungsvoll in Szene setzte.

Die erfolgreich gestartete Konzertreihe wird am 8. Mai 2020 übrigens fortgesetzt. Wer als Gast kommen wird, bleibt noch ein Geheimnis. "In der Heimatstadt mit solch einem Projekt in Erscheinung treten zu dürfen, das finde ich schon wunderschön," sinniert Becker. Was seine Karriere anbetrifft, ergänzt er: "Bislang ging es immer dahin, wo ich wollte. Im Großen und Ganzen gerade aus." Den Jazzfans wünscht man, dass sich das auch nicht so schnell ändern mag.

Ab Oktober gibt es das Tobias Becker Bigband Konzert von 2018 mit Nübel und Gehring ("Studio Konzert") beim Label Neuklang auf CD, sowie "Sketches Of A Dream" (TB Bigband und Württembergische Philharmonie).

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