25-Jähriger steht wegen eines Überfalls und Erpressung vor Gericht

25-jähriger Böblinger steht wegen Überfalls und Erpressung vor dem Stuttgarter Landgericht

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    Symbolbild: Archiv

Artikel vom 13. August 2019 - 16:18

Von Bernd Winckler

BÖBLINGEN. Er wollte ganz clever sein, schrieb auf die Rückseite eines abgerissenen Papierstücks seines Mietvertrags eine Gelderpressung verbunden mit Todesdrohung gegen die Kassiererin eines Böblinger Sportwettenbüros. Geld bekam er diesmal nicht. Dafür aber acht Wochen zuvor, nämlich 1730 Euro, als er maskiert dasselbe Wettbüro überfiel.

Jetzt sitzt der 25-Jährige auf der Anklagebank des Stuttgarter Landgerichts. Der Vorwurf gegen den berufslosen Mann aus Böblingen wiegt vor der achten Großen Strafkammer schwer: einmal schwere räuberische Erpressung, ein weiteres Mal versuchte räuberische Erpressung. Der Angeklagte, der schon im schulpflichtigen Alter in ein Heim kam und mehrfach von verschiedenen Grundschulen, später auch von der Hauptschule wegen seines aggressiven Verhaltens verwiesen wurde, gibt die beiden Vorwürfe zu. Drogen oder Alkohol habe er nie konsumiert. Dafür aber "habe ich viel Mist gebaut, bin aber im Grunde menschlich in Ordnung".

Am 24. Januar dieses Jahres habe er zum wiederholten Male alles Bargeld in eben jenem Wettbüro in der Böblinger Poststraße verzockt, erzählt der Angeklagte. "Wissen Sie", sagt er den Richtern, "wenn ich 100 Euro einsetze, und dann tatsächlich 100 Euro gewinne, dann sind diese 100 Euro danach gleich wieder verloren." Seiner Freundin, mit der er in der Nähe zusammen wohnte, habe er dann immer gesagt, er habe gewonnen, "damit Sie bei mir bleibt." So auch an jenem 24. Januar.

Er steckt sein kleines Schweizer Taschenmesser ein, wickelt einen Schal als Maske um den Kopf und tritt in das Böblinger Wettbüro, in dem er immer verliert. Er hält das Messer gegen die Kassiererin, mit der er sogar eine Art freundschaftliches Verhältnis hat, und fordert Geld. 1730 Euro bekommt er, kann unerkannt flüchten und mit dem Geld seine Miete bezahlen und einmal richtig Nahrungsmittel besorgen.

Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Die Gäste des Wettbüros werden wochenlang beobachtet, denn man vermutet den Täter unter ihnen, wie ein Ermittler im Zeugenstand sagt. Doch diese Ermittlungen sind erfolglos. Schließlich war am 4. März dieses Jahres das Geld wieder alle, sagt der Angeklagte - und gibt auch den zweiten Fall zu, in dem er sich wieder als Spieler in dem Wettbüro befindet. Er verlässt den Raum kurz, um draußen zu rauchen, kommt wieder herein und reicht der Kassiererin einen Zettel hin, den er gerade vor dem Eingang gefunden haben will. Handgeschrieben steht da zu lesen, dass die Frau alles Geld aus der Kasse einpacken und in einer Seitenstraße deponieren müsse. Als Drohung stand unmissverständlich, dass sie bei Weigerung mit dem Tod rechnen müsse. Der Angeklagte selbst war es, der der Kassiererin riet, die Polizei anzurufen, was dann auch geschah. Auch hier verliefen die polizeilichen Ermittlungen zunächst im Sande.

Das änderte sich erst, als die Polizei den Angeklagten, damals noch als Zeuge, zu der Sache vernahm. Hier verwickelte er sich in Widersprüche. Schließlich überführte ihn die Rückseite des Erpresserzettels, auf dem einige Paragraphen eines Mietvertrages abgedruckt waren. Eben jenes Mietvertrag, den der Angeklagte kurz zuvor für seine Böblinger Wohnung abgeschlossen hatte.

Und seine Handschrift, die genau mit der Schreibweise übereinstimmte, die der Angeklagte Monate zuvor in kleinen Freundschafts-Kurzbriefchen an die Wettbüro-Kassiererin schickte. Nach stundenlangem Bestreiten gab er dann letztlich beide Raubtaten zu. Nach dem Gesetz droht dem 25-Jährigen eine Mindeststrafe von fünf Jahren für jeden der beiden Vorwürfe. Ob das Gericht aufgrund des umfassenden Geständnisses und der bereits am gestrigen ersten Tag vorgebrachten Reue sowie dem Motiv, damit seiner Freundin zu imponieren, unter diese fünf Jahre geht, soll am Mittwoch nächster Woche entschieden werden.

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