Skin of Clazz: blendender Auftritt beim Böblinger Heimspiel

Heimspiel für die Percussion-Band Skin of Clazz in Böblingen

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    "Blinded by the light": Zu Beginn des Konzerts in der Alten TÜV-Halle war das Logo der Band Skin of Clazz noch zu grell ausgeleuchtet Fotos: Eibner/edi
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    Die Stimme der Band: Sängerin Jule Borchardt
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    Generation Groove: Gemeinsame Verbeugung mit Papas und Freunden beim Schlussapplaus

Artikel vom 12. August 2019 - 20:18

Von Eddie Langner

BÖBLINGEN. "Heimspiel" heißt es, wenn die Fantastischen Vier ein Konzert in ihrer Stuttgarter Heimat geben und sich von zehntausenden Fans feiern lassen. An solche Dimensionen reicht die Band Skin of Clazz noch nicht heran. Dennoch ist ein Auftritt der aus ehemaligen AEG-Schülern hervorgegangenen Schlagzeuger-Truppe im Rahmen der Böblinger Reihe "Sommer am See" immer etwas ganz Besonderes.

Am Freitagabend war es wieder soweit. Unter dem Motto "Skin of Clazz & Friends" präsentierten Nico Ellinger, Ingo Schwarzweller, Nicolas Baumann, Jonas Stephan und Co. in der mit 350 Besuchern restlos ausverkauften Alten TÜV-Halle ihr aktuelles Konzertprogramm. Damit hatten sie knapp einen Monat zuvor bereits im Rahmen der Biennale Sindelfingen eine furiose Percussion-Party gefeiert. Das Open-Air-Konzert auf dem Rathausvorplatz war für Besucher und Organisatoren einer der Höhepunkte des diesjährigen Kulturfestivals (wir berichteten).

"Nach Sindelfingen haben wir sie nur ausgeliehen", sagte Andreas Wolfer bei seiner Ansage zu Beginn des Konzerts. Schließlich, so der Böblinger Kulturmanager und "Sommer am See"-Organisator, gehöre Skin of Clazz ja eigentlich nach Böblingen. "Hier dürfen sie auch richtig laut sein - jedenfalls bis 22 Uhr", konnte Wolfer sich eine kleine Spitze in Richtung der Nachbarstadt nicht verkneifen, wo derzeit ein Rechtsstreit um die Gratis-Konzertreihe "Sindelfingen rockt" Verwaltung und Bevölkerung beschäftigt.

In der Alten TÜV-Halle durften die Jungs dann tatsächlich kräftig auf die Pauke und andere Schlaginstrumente hauen. Leider war in dem schwül-dämpfigen Veranstaltungsraum die Akustik nicht ideal, was Musikern und Sängerin anfangs vernehmbar Probleme bereitete. Nach ein paar Liedern hatten sich aber alle "eingegroovt".

Als störend empfanden viele im Publikum auch das wegen technischen Schwierigkeiten viel zu hell ausgeleuchtete Bandsymbol in der Mitte der Bühne. Einige Zuschauer hielten sich die Hand vors Gesicht, um die Augen vor dem grellen Licht abzuschirmen. Bevor noch jemand auf die Idee kam, sich Manfred Mann's "Blinded by the Light" zu wünschen, hatten die Band aber auch dieses Problem im Griff.

Wie schon in Sindelfingen vermischten sich in ihrem Konzertprogramm mitreißende Instrumentalstücke - darunter ein geniales Zappa-Medly, Gloria Estefans feuriger Latin-Pop-Hit "Conga" oder der sphärisch-treibende "Bongo Song" von Safri Duo - mit ausgefeilten und sehr gefühlvollen Klängen. Hinzu kommt eine gehörige Portion Spektakel: Zum Beispiel bei einer wilden Body-Percussion-Einlage oder der längst zum Markenzeichen gewordenen Rhythmus-Performance mit vier Altpapiertonnen.

Fester Bestandteil der Band sind mittlerweile auch die Sängerin Jule Borchardt und der Saxofonist Julian Wirth. Aus dieser Kombination ergibt sich eine spannende musikalische Konstellation: Die bezaubernde Jule beherrscht mit ihrer rauchig-warmen Stimme die Bandbreite von kraftvollem Soul- und Pop-Gesang bis hin zu gefühlvollen und zum Teil selbst getexteten Balladen - darunter der Song "Last December", den sie und die Band ohne elektronische Verstärkung inmitten des Publikums vortrug.

Zur Feuerwehrmusikkappelle Dagersheim gibt es enge Bande

Julian Wirths Saxofonspiel verleiht dem teils furiosen Schlagzeugspiel ein elegantes Gegengewicht und sorgt so für luftig-leichte Momente. Wirth spielt übrigens ebenso wie Ingo Schwarzweller (Drums) in der Feuerwehrmusikkapelle Dagersheim. Die Verbindungen zu dem Blasmusik-Vorzeigeensemble des Landkreises gehen aber noch weiter. So darf die Band die Räumlichkeiten zum Proben nutzen und dort auch das eine oder andere Instrument zwischenlagern. Zuletzt kam Skin of Clazz über die Dagersheimer Musikerkollegen auch in den Besitz von vier ausgemusterten Snare Drums, die mittlerweile bei einem zackig-flotten Trommel-Quartett zum Einsatz kommen.

Auch persönlich bestehen enge Bindungen zwischen Band und Kapelle: Neben dem ehemaligen AEG-Schüler Oliver Simon verstärkte - wie schon in Sindelfingen - erneut Janick Scholl die Band. Der Schlagwerker bei der Feuerwehrmusikkapelle ist der Sohn von Toni Scholl, dem langjährigen Leiter des Ensembles. Papa Scholl war übrigens bei dem Auftritt unter den Zuschauern und sah dabei erstmals, wie sein Sohn bei Skin of Clazz wirbelt. "Sie sind unheimlich sympathisch, sind allesamt super Musiker und sie haben eine tolle Ausstrahlung, die man einfach nicht lernen kann", zählte Scholl auf, was die Band für ihn so besonders macht.

Scholl war übrigens nicht der einzige stolze Papa, der bei diesem Konzert dabei war. Hinten in der Halle hörte auch Johannes "Janni" Stephan ganz aufmerksam zu. Der Musiklehrer am Böblinger Albert-Einstein-Gymnasium und Leiter der Bigband ist der Vater von Jonas Stephan. Zusammen mit weiteren Gastmusikern kam der Trompeter zum Konzertende auf die Bühne, um die Formation zu verstärken.

Schließlich hieß das Motto ja "Skin of Clazz & Friends". Es hätte aber auch ". . . & Familiy" heißen können, denn neben Jonas Stephans Vater kamen zum fulminanten Finale auch der Bassist Ralf Baumann (Vater von Nicolas Bauman) sowie Ingo Schwarzwellers Vater Peter Schwarzweller (Saxofon) auf die Bühne. Als weiterer Gastmusiker unterstützte der Klarinettist Kevin Knill die Truppe. Knill und Schwarzweller Senior sind übrigens - wen wundert's? - beide Mitglieder der Feuerwehrmusikkapeklle Dagersheim.

Wer das Konzert verpasst hat, bekommt am 16. November wieder eine Chance, Skin of Clazz "live" zu erleben. An diesem Abend spielt die Band im Böblinger Freiraum. Wer Sängerin Jule Borchardt hören möchte, hat dazu bereits an diesem Donnerstag, 15. August, die Gelegenheit. Beim Konzert des amerikanischen Neo-Folk-Sängers Jordan Prince um 19.30 Uhr in der Alten TÜV-Halle singt sie im Vorprogramm.

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