Tipps für den Urlaub zuhause: Warum nicht in den Biergarten?

Tipps für den Urlaub zuhause (2): Säge, Lerchenhof oder Heahrhäusle: Der nächste Biergarten ist garantiert nicht weit

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    Besser ein Auftrags-Griller als ein Auftrags-Killer: Marc Reichert bruzzelt auf dem Kohlegrill auf dem Lerchenhof saftige Burger Fotos: Dannecker

Was dem Bayern das Weißbier, ist dem Schwaben längst der Biergarten. Nicht nur Bajuwaren lieben lauschige Plätzchen unter alten Bäumen. Genug davon gibt es - auch im Kreis Böblingen oder an dessen Rändern. Wer gut zu Fuß ist, erwandert sie. Andere radeln zum Radler. Und nehmen dabei ein Stück echtes Schwabenland mit.

Artikel vom 06. August 2019 - 17:12

Von Siegfried Dannecker

KREIS BÖBLINGEN. Mal ehrlich: Was wäre ein Ausflug ohne Einkehr? Eben. Nur die halbe Miete. Wer sich bewegt, muss auch mal pausieren. Essen fassen. Nachtanken. Möglichkeiten, Schweiß und Kalorien auszugleichen, gibt es mannigfach.

Zum Beispiel auf dem Wenninger (Reiter-)Hof in Döffingen, gerade mal ein paar Kilometer vom Ballungsraum BB/Sifi entfernt. Das Speisenangebot ist so groß wie der Kinderspielplatz. Und wer mit dem Pferd kommt, kann seinen Paarhufer anleinen. Auch Hunde sind willkommen, sollten aber laut Homepage ebenfalls angeleint werden.

Bei Radlern beliebt, weil flach, ist die Schwippe-/Würmtalstrecke zwischen Dagersheim/Darmsheim und Weil der Stadt. Jahrelang lockte auf dem Weg in Schafhausen der Grüne Baum - mit gut bürgerlichem Essen und Biergarten nebenan. Schade, dass das markante Fachwerk-Gasthaus schon lange zu ist. Ein Stück Tradition weniger. So also strampelt/wandert man ein paar Kilometer weiter zu jener Adresse, die schon immer Inbegriff eines Biergartens war und ist: zur "Säge" der Familie Dürr, als "Wirtschafts-Garten" eingetragen seit 250 Jahren. Die Säge, einst abgebrannt, gibt es nicht mehr. Aber Speisen, die anderswo so oft nicht mehr zu bekommen sind. Wie der Ochsenmaulsalat (5,20 Euro pro Portion), den Gabriele Graf (wie den Wurstsalat) vom Metzger geschnitten bekommt. Aber selber anmacht. Mit Essig und Öl "und a paar Sacha meh, die i Ihne aber ned varrat'", schmunzelt die Dame.

So viel verrät sie dann aber doch. Dass ihre saisonalen Kuchen - Johannisbeere, Rhabarber, Mirabelle, Zwetschge - selber gemacht sind. Wie der Kartoffelsalat, den Gabriele Graf selber "rädelt".

Wer hier im Schatten der alten Bäume den Stress des Berufsalltags hinter sich lässt, dem könnte August Lämmles Gedicht einfallen, in dessen erster Strophe es heißt:

Steig nuff da Berg, guck naus ens Land, was mir fir a scheene Hoimet hand.

Urige, holzvertäfelte Wirtshäuser

Wer der Würm weiter folgt, kommt automatisch nach Merklingen, dessen Kirchenburg immer einen Besuch wert ist - wie der "Landgasthof 1610" in der Kirchgrabenstraße 6, der so heißt, weil es ihn seit 1610 gibt. Für Fans uriger Wirtsstuben ein Muss - wie das hauseigene Bier im Biergarten. Das braune Gebräu im bauchigen Glashumpen schmeckt anders - leicht säuerlich. Aber eben deshalb ist es ja einen Versuch und Besuch wert. Wie die "Traube" an der Simmozheimer Straße 2, wo der Rostbraten zuletzt so zart und lecker war.

Kalbsbratwurst mit Kartoffelsalat

Wer jetzt noch genügend Luft in den Reifen und Ausdauer in der Lunge hat - über Tiefenbronn geht's zum Landgasthof "Seehaus" mit uriger Holzvertäfelung drinnen und großem Biergarten-Speisenangebot draußen. Das gilt ebenso für den "Kupferhammer" in Pforzheim, dem Biker-Treff an der Straße nach Dillweißenstein. Wer hier dem Radweg durchs Nagoldtal folgt, landet irgendwann automatisch im Seitzental und der dortigen Gaststätte Talmühle (Neubulach). Für die gilt, was man im städtischen Ballungsraum kaum mehr findet - stehengebliebene Zeit, Authentizität, Jagdtrophäen, Musikbox mit den Schlagern von gestern. Und einem alten Wirts-Ehepaar, das lebt, was es schaffig tut, weil es eben schon immer so gewesen ist. Fritz und Hildegard, er 80, sie jünger, geben dem Gast die volle Zuwendung, und die Kalbsbratwürste vom Metzger in Altbulach mit Kartoffelsalat sind eine einfache (Leib-)Speise und doch zugleich ein Gedicht.

Weiter geht es Richtung Wildberg, dann aber nach Gültlingen hoch, um über Deckenpfronn das Gärtringer "Heahrhäusle" anzusteuern. Die Wirtschaft an den Waldhöfen heißt so, weil sie direkt an die Kleintierzuchtanlage angrenzt. Lokal mit Terrasse und Biergarten betreibt seit vielen Jahren Herbert "Hebs" Renz, ehemaliger Juniorchef vom Hotel Eichholz in Sindelfingen und früherer Betreiber des "Watzmann" im Domo. Renz, gelernter Koch und E-Bassist bei der Kultband "Wanted", mischt klassisch-schwäbische mit mediterraner Küche - und das erfolgreich, wie man an den Besucherscharen sieht.

Haufenweise hungrige Mäuler suchen auch den Lerchenhof in Gechingen heim. Auf dem Höhenrücken, von dem aus man die Daimler-Schlote sehen kann, lässt sich stundenlang laufen und radeln. Und montags bis freitags ab 16 Uhr, samstags ab 15.30 Uhr und sonntags ab 12 das Leben genießen. Carsten Felix, gebürtiger Sindelfinger, ehemals Physiotherapeut und heute Lagerist, betreibt die Gartenwirtschaft nebenher als Hobby. "'S macht mir halt Spaß", lacht der 52-Jährige, der sich unter anderem beim Bierangebot und mit saftigen American-Beef-Burgern abheben will.

Neben Schimpf-Bier aus Remmingsheim gibt's auch Gutmann-Bräu aus dem oberbayerischen Titting aus dem Zapfhahn. Das schmeckt so frisch wie die knackigen Salate, die Küchenfee Helga über die Theke reicht. Herz, was willst du mehr.

  Die hier vorgeschlagenen Biergärten sind nur ein Ausschnitt des Angebots. Der Schlosskeller auf dem Herrenberger Schlossberg ist gewiss auch einen Besuch wert - schon wegen der herrlichen Aussicht. Eine Kultadresse für viele ist auch das Ausflugs-Hofgut "Schwärzloch" in Tübingen - eventuell nach einem Besuch der Wurmlinger Kapelle mit Einkehr in der Brauerei-Gaststätte Hirsch, das gleichnamige lokale Bier. Weil für all diese Adressen teils vollkommen unterschiedliche Öffnungszeiten gelten, empfiehlt sich vorab eine Recherche im Netz.