Erdhebungen: Tauziehen um Entschädigungen

Lokale Vertreter im Gespräch beim Umweltministerium

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    Foto: Archiv

Artikel vom 01. August 2019 - 18:18

BÖBLINGEN (red). Das Tauziehen um die Schadensregulierung im nördlichen Hebungsgebiet geht in die nächste Runde. Landrat Roland Bernhard und Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz tauschten sich am Mittwoch im Umweltministerium in Stuttgart mit Ministerialdirektor Helmut Meinel zum aktuellen Stand über die Entschädigung der Hausbesitzer in den betroffenen Erdhebungsgebieten in Böblingen aus. Ergebnis des Gesprächs: Es wird in den kommenden Monaten zu einem direkten Austausch zwischen der Interessengemeinschaft Erdhebungen (IGE) und der Hausspitze des Umweltministeriums kommen, wie das Landratsamt mitteilt. Außerdem wird sich das Ministerium dafür starkmachen, auch in den südlichen Hebungsgebieten den Rangrücktritt der öffentlichen Hand durchzusetzen, so die Zusicherung an Landrat und Oberbürgermeister.

Beide zeigten sich zufrieden mit dem Gespräch. "Es ist wichtig, dass die IGE ihre Anliegen direkt dem Umweltministerium vortragen kann", so Landrat Bernhard. Oberbürgermeister Belz ergänzt: "Diesen Schritt halte ich für notwendig - im Sinne der Betroffenen und des nachbarschaftlichen Friedens. Wir brauchen für das Hebungsgebiet Süd möglichst bald Planungssicherheit zu Schäden und Regulierungssummen." Ein gemeinsamer Verdienst des Landes, des Landkreises sowie der Stadt sei es außerdem, dass man im engen Schulterschluss mit den Betroffenen die Gegenseite, nämlich die Allianz als Versicherer, überhaupt in Verhandlungen über die Schadensregulierung gezwungen habe, so Landrat Bernhard.

In schwierigen Verhandlungen war zuletzt beim Land der Rangrücktritt der öffentlichen Hand zu Gunsten der geschädigten Dritten durchgesetzt worden. Auch in Sachen der rund 7,5 Millionen Euro teuren Sanierung der Bohrlöcher verzichtet das Land auf Initiative des Böblinger Landrats darauf, auf die Versicherung zuzugehen. Damit steht im nördlichen Hebungsgebiet die volle Deckungssumme für die Regulierung der Schäden privater Dritter zur Verfügung. "Es ist ein sehr positives Signal aus dem Ministerium, dass diese Vorgehensweise auch in den südlichen Hebungsgebieten zur Umsetzung kommen könnte", so Bernhard. Der Rangrücktritt der öffentlichen Hand bedeutet, dass die gesamte zur Verfügung stehende Versicherungssumme jeweils für die Geschädigten eingesetzt werden kann.

Zwischen 2006 und 2008 waren im nordöstlichen Stadtgebiet Böblingens im Auftrag privater Bauherren insgesamt 17 Erdwärmesondenbohrungen (EWS) ausgeführt worden. Bei allen Bohrungen misslang dabei die Abdichtung der Ringräume, in der Folge kam es zu zunehmenden Geländeverformungen, die ihrerseits zu Schäden an Gebäuden und Infrastruktur führten. Im Stadtgebiet von Böblingen zeigen sich in einem nördlichen und einem südlichen Hebungsbereich insgesamt drei betroffene Gebiete. Die Sanierung der Bohrlöcher wurde 2014 begonnen und im Sommer 2017 abgeschlossen.

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