Firma Eisenmann stellt Antrag auf Insolvenzverfahren

Böblinger Anlagenbauer hat Juli-Gehalt noch nicht gezahlt - Bekommen Arbeitnehmer Insolvenzgeld?

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    Schwierige Zeiten für die Firma Eisenmann mit Hauptsitz in Böblingen / Foto: Bischof/Archiv

Schlechte Nachrichten von einem der renommiertesten Böblinger Unternehmen: Der Anlagenbauer Eisenmann hat am Montag beim Amtsgericht Stuttgart einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Die Juli-Gehälter haben die Arbeitnehmer bislang nicht bekommen. Mit dem Verfahren besteht die Möglichkeit, dass die Beschäftigten Insolvenzgeld der Bundesagentur erhalten.

Artikel vom 30. Juli 2019 - 18:37

BÖBLINGEN (red). "Mit dem Ziel, das im März 2019 gestartete Programm zur Restrukturierung und strategischen Neuausrichtung der Eisenmann-Gruppe zu beschleunigen, hat die Eisenmann SE einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt", heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens, "Anträge wurden auch gestellt bei der Eisenmann Anlagenbau GmbH & Co. KG, der Eisenmann Lactec GmbH und der ENisco GmbH & Co. KG. Die Mitarbeiter des Unternehmens wurden heute zeitgleich informiert."

„Wir fokussieren uns auf unser Kerngeschäft und wollen mit der Sanierung im Rahmen eines Insolvenzverfahrens die strategische Neuausrichtung der Eisenmann Gruppe vorantreiben, um so schnell wie möglich zu einem profitablen Geschäft zurückzukehren. Wir wollen diese Chance auf einen Neustart konsequent nutzen und können dabei auf ein grundsätzlich solides Geschäftsmodell aufbauen. Marktstellung, Reputation, Innovationskraft sowie motivierte und gut ausgebildete Mitarbeiter sind wesentliche Komponenten für die langfristige Perspektive unseres Unternehmens“, betonte Dr. Michael Keppel, Chief Restructuring Officer der Eisenmann SE. Der Verwaltungsrat, die Familie Eisenmann und die Kreditgeber unterstützen den jetzt eingeschlagenen Weg, so Keppel weiter.

Eigentümer und Management der Eisenmann Gruppe hatten im März 2019 die Restrukturierung und strategische Neuausrichtung des Unternehmens eingeleitet. Die Akquisition und Abwicklung diverser Großprojekte hatten in 2018 zu einem hohen Jahresverlust geführt. „Wir mussten hier schnell und konsequent handeln. Gleichzeitig wollten wir aber auch die strategischen und strukturellen Grundlagen für unsere langfristige Wettbewerbsfähigkeit schaffen“, betonte Keppel.

„Wir sind davon überzeugt, dass wir die zunehmenden Risiken und Kapitalanforderungen in unserem Anlagengeschäft im Verbund mit einem industriellen Partner besser schultern und unser volles Potential schneller ausschöpfen können. Deshalb suchen wir für unser Geschäft mit Lackieranlagen (Paint & Assembly, PA) und Applikationssystemen (Application Technology, AT) einen strategischen Partner. Die ersten Interessenten haben sich auch schon gemeldet“, so Keppel.

Eisenmann zählt zu den international führenden Anbietern von Anlagen und Dienstleistungen in den Bereichen Oberflächentechnik, Materialfluss-Automation, Thermoprozess- und Umwelttechnik. Seit mehr als 65 Jahren berät das süddeutsche Familienunternehmen Kunden und baut flexible, energieeffiziente und ressourcenschonende Anlagen nach individuellen Anforderungen für die moderne Produktion und Intralogistik. Eisenmann ist in Europa, Amerika und den BRIC-Staaten an 27 Standorten in 15 Ländern mit über 3.000 Mitarbeitern vertreten und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 723 Millionen Euro (2017).

Im Hauptsitz in Böblingen arbeiten rund 600 Mitarbeiter, im nächstgelegenen Sitz in Holzgerlingen sind es rund 850 Beschäftigte.

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