Schwaben-Autor Klaus Wanninger streift durch Böblingen

In seinem neuen Krimi spielt das Bauernkriegsmuseum eine Rolle

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    Hier läuft im Roman auch der fiktive Kommissar Steffen Braig entlang Foto: Eibner

"Schwaben-Teufel" heißt das neue Werk von Klaus Wanninger. Es ist schon der 20. Band seiner Krimi-Reihe. Schauplatz ist darin stets Baden-Württemberg. Böblingen spielt im neuen Buch eine kleine, aber besondere Rolle. Bei einem Spaziergang über den Schlossberg erzählt der Autor, wo es ihm in Böblingen besonders gefällt.

Artikel vom 19. Juli 2019 - 20:00

Von Florian Ladenburger

BÖBLINGEN. Auf dem Böblinger Schlossberg, weht ein leichter Wind. Die Hitzewelle macht eine kurze Pause. Klaus Wanninger blickt in die Ferne. "Das hier ist für mich einer der schönsten Plätze von Böblingen", sagt er. Jedes Mal, wenn er die Stadt besucht, hat er ein festes Ritual: "Ich laufe durch die Bahnhofstraße - die ich gegenüber früher viel angenehmer finde, weil sie autofrei ist - dann gehe ich zum Marktplatz hoch zur Kirche."

Nur eines gefällt ihm hier oben gar nicht: "Dass man es nicht schafft, die Autos hier wegzukriegen, ist traurig. Wenn man das Ganze zu einem Grünareal machen würde, das wäre schon ein Schmuckstück, direkt über dem Marktplatz."

Gekommen ist er natürlich mit der Bahn. Wanninger ist Autor, hat über 25 Bücher geschrieben. Seine Schwaben-Krimis haben eine Gesamtauflage von über 650 000 Exemplaren - ein Auto könnte er sich schon leisten, zumal er viel auf Lesungen unterwegs ist. Doch er lebt autofrei aus Überzeugung: "Autofahren dort, wo Menschen leben, finde ich unverantwortlich. Eine Stadt hat eine ganz andere Lebensqualität und eine ganz andere Atmosphäre ohne Autos."

Diese Vorbildfunktion hat er auch seinem ermittelndem Kommissar Steffen Braig gegeben, als er vor 20 Jahren mit seinen Schwaben-Krimis anfing. Für Braig und zwei weitere Hauptfiguren hat sich Wanninger reale Vorbilder genommen, um den Alltag und die Charakterzüge realistisch beschreiben zu können. Er wollte nie Gefahr laufen, in eine totale Fantasiewelt abzudriften. "Am Anfang war's ein Jux, denn beim ersten Roman wusste ich ja nicht, dass es weitergeht", erzählt der 66-Jährige. Die Vorbilder waren begeistert und haben ihm immer mehr erzählt. Einer von ihnen hatte beispielsweise einmal eine Blinddarmentzündung. "Das habe ich dann prompt reingeschrieben", sagt Wanninger. "Da musste ich dann sogar eine Passage ändern."

Das Vorbild einer Hauptperson stammt aus Böblingen

Einer dieser Freunde stammt aus Böblingen. Er ist der Grund, warum der fiktive Spurensicherer so abfällige Bemerkungen über Sindelfingen macht, wie "Alle achtzig Deifel von Sindelfinge". Auch andere Sätze schreibt er sich aus der Wirklichkeit ab: "Mei Maria hat an Hang zu Arschlöchern", habe einer seiner Freunde einst gesagt. "Das ist für mich so typisch schwäbisch", sagt Wanninger. "Die Schwaben haben manchmal die Eigenart, mit wenigen Worten mehr zu sagen als andere mit 100 Sätzen." Wanninger selbst kommt gebürtig aus Karlsruhe.

Dieses Jahr erschien der 20. Band der Reihe: "Schwaben-Teufel". Bei so einem Titel war für den Autor klar: "Dann muss der Asperg rein mit Karl Eugen. Das ist ja das Symbol für schwäbische Unterdrückung, wenn sogar der Schiller ins Ausland rennen musste." Und natürlich Böblingen, genauer gesagt, das Bauernkriegsmuseum. "Das ist ein großer Verdienst von Böblingen, dass die Zehntscheuer zu diesem Museum zentralisiert wurde", sagt er fernab der derzeitigen Diskussion um dessen Schließung.

"Sie finden sonst sehr wenig über den Wahnsinn, der da vor 500 Jahren lief. Dass die Leute bis auf's Blut ausgebeutet wurden, mit ihren primitivsten Forderungen. Die wollten ja nicht als freie Menschen leben, wie wir heute, sondern die wollten so Lappalien wie was zu essen oder freie Wahl des Pfarrers. Da schreit man heute vor Lachen, wenn man das hört. Und deshalb wurden sie zu tausenden niedergemetzelt. Von eigenen Leuten, auch das ist ja der Wahnsinn. Deswegen gehört Böblingen ins Buch."

Man merkt Wanninger an, dass er Lehrer war. Religion und Geographie. Jetzt als Autor ist er für die Leser der Geschichtslehrer. "Ich möchte immer ein bisschen schwäbische Historie drin haben", sagt er. "Ich merke, dass die Leute oft keine Ahnung haben von dem, was da früher war."

Für den neuen Roman kam er extra nochmal her, um sich das Bauernkriegsmuseum anzuschauen. Das macht er auch, um Schauplätze im Buch detailliert zu beschreiben. "Bei sowas wie dem Marktplatz hier würde ich mir eine Handskizze machen", verrät Wanninger seine Arbeitsmethode.

Der Blumenschmuck am Eckhaus der Grünen gefällt dem Autor

Dabei notiert er sich auch kleine Details. "Zum Beispiel den schönen Blumenschmuck am Eckhaus von den Grünen, der gefällt mir sehr", deutet er auf die kleine Gasse am Fuße der Kirche. Die Straße ist gepflastert, kein bisschen Erde, "aber die Grünen haben wirklich jeden Zentimeter vollgestellt mit Blumentöpfen. Das würde ich dann erwähnen." Das Rathaus ist ihm "etwas zu zweckmäßig", so würde er den Blick ihm Buch eher zur Kirche richten.

Die Ideen gehen ihm auch noch knapp 40 Jahren Autoren-Karriere nicht aus. Wenn er an einem Buch schreibt, sind die folgenden beiden im Kopf schon fertig. Sein Kommissar Braig wird also vielleicht wieder zu Besuch kommen, auf den Schlossberg laufen und die kleine Oase der Stille genießen.

 

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