"Wir sind gut aufgestellt"

Pastor Christoph Schrodt verlässt die Freie evangelische Gemeinde in Böblingen

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    Sagt nach 13 Jahren ade: Christoph Schrodt Foto: red

Artikel vom 18. Juli 2019 - 13:48

Von Anne Merz

BÖBLINGEN. Vor 14 Jahren wurde Christoph Schrodt Pastor der Freien evangelischen Gemeinde (FeG). Nun verlässt der 52-Jährige Böblingen. Der promovierte Theologe wechselt im September an die Internationale Hochschule Liebenzell.

Herr Schrodt, mit welchen Gefühlen wechseln Sie im September nach Bad Liebenzell?

Da ist vor allem Dankbarkeit im Rückblick. Die Kirche auf der Hulb hat sich sehr positiv entwickelt. Wir erleben seit vielen Jahren einen Aufbruch. Es ist eine sehr schöne Arbeit, daher kann ich auch die Früchte ernten. Beim Blick nach vorne empfinde ich Vorfreude. Ich liebe neue Herausforderungen und ich unterrichte auch sehr gerne.

Traurig sind sie nicht?

Ich war sehr gerne Pastor. Bei manchen Tätigkeiten empfinde ich schon ein komisches Gefühl, wenn ich daran denke, dass ich sie zum letzten Mal mache. Doch das, was ich am liebsten mache, predigen und mit Menschen im Gespräch sein, kann ich auch weiterhin tun. Ich bilde Prediger aus und werde in Gemeinden predigen.

Was werden Sie in Liebenzell unterrichten?

Praktische Theologie. Alles was sich nicht nur auf dem Papier oder im Kopf abspielt, sondern im wirklichen Leben, in Raum und Zeit. Also Predigen, Gottesdienst gestalten, Seelsorge, Spiritualität.

Was verstehen Sie unter Spiritualität?

Der gelebte Glaube im Alltag: Wie man betet, wie man meditieren kann. Auch wie man die Bibel mit Gewinn lesen kann.

Was waren besondere Momente in den letzten 14 Jahren für Sie?

Vor 13 Jahren haben wir unser neues Gemeindezentrum bezogen. Es ist nur mit Spenden finanziert. Das Schöne ist, dass die 350 Sitzplätze relativ schnell gefüllt waren. Eine gute Erfahrung war auch die Verstärkung unseres Teams. Wir haben sukzessive mehr hauptamtliche Pastoren eingestellt. Das Dritte ist die Eröffnung des Cafés Lichtwerk 2017, was unser Gemeindehaus noch einmal total aufgewertet hat.

Wie hat sich die Gemeinde entwickelt in den letzten Jahren?

Wir haben uns zu einer modernen Gemeinde entwickelt, die gut aufgestellt ist, um den gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. Wir haben ein Leitbild in dieser Zeit entwickelt, dessen Motto lautet: "Sehen.beten.helfen.". Und dieses Motto leben wir auch. Da geht es darum, dass wir zum einen tief verwurzelt sind im christlichen Glauben und zugleich eine menschenfreundliche und hilfsbereite Gemeinde sind. Wir kochen für Obdachlose. Wir engagieren uns gegen Prostitution. Auch Nachbarschaftshilfe machen wir und unterstützen sozial Schwache. Wir bieten alltagsrelevante Predigten und unter der Woche kann man in vielen Kreisen Anschluss finden oder das Gespräch suchen.

Gibt es auch Kritikpunkte?

Ich würde es zum Beispiel toll finden, wenn es jeden Sonntag Mittagessen gäbe. Aber momentan fehlen die Mitarbeiter dazu. Und natürlich ist noch vieles ausbaufähig.

Was sind aktuelle Herausforderungen für christliche Gemeinden aus Ihrer Perspektive?

Auf der einen Seite gibt es riesige gesellschaftliche Herausforderungen wie Migration, Radikalisierungen in der Gesellschaft, soziale Spannungen, die demographische Entwicklung, um nur ein paar zu nennen. Das zweite ist ein ganz enormer Traditionsabbruch. Damit meine ich, dass viele Leute vom christlichen Glauben nichts mehr erwarten und auch nicht mehr wissen was christlicher Glaube ist. Der christliche Glaube hat das Potential. Aber er muss praktisch umgesetzt, gelebt werden, wie zum Beispiel durch Schulungen und Seminare und gute Vorbilder.

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