Erneute Verzögerung: Schönbuchbahn rollt erst ab 14. Dezember

  • img
    Holpriger Weg ins Elektrozeitalter: Die Schönbuchbahn hat mittlerweile ein Jahr Verspätung F: tb

Artikel vom 16. Juli 2019 - 20:24

Von Michael Stürm

KREIS BÖBLINGEN. Zuerst Eidechsen, Bomben, schwieriger Untergrund und Planungspannen und jetzt kurz vor der Zielgeraden Verzögerungen bei der Signal- und Sicherungstechnik: Die Schönbuchbahn kommt nach ihrer Elektrifizierung nicht in Schwung. Der Neustart der Nebenbahn muss zum dritten Mal verschoben werden. Der ab dem 11. September geplante Betrieb auf der gesamten Strecke zwischen Böblingen und Dettenhausen findet nicht statt. Landrat Roland Bernhard erklärte gestern auf der Sitzung des Zweckverbandes Schönbuchbahn, dass die Bahn erst am 14. Dezember wieder auf der kompletten Trasse rollt. "Unumstößlich", versprach er.

Ursache für die erneute Verschiebung der Wiederaufnahme des Betriebs, die bereits am 18. Dezember 2018 stattfinden sollte, dann zunächst auf das Frühjahr, dann auf September verschoben wurde, sind Verzögerungen bei der Herstellung der Signal- und Sicherungstechnik.

Der Zeitplan für die Elektrifizierung der Schönbuchbahn sei schon immer sportlich gewesen, betonte der Landrat. Um die Fristen für die Förderung des 150-Millionen-Projektes durch das Land nicht zu gefährden, habe man manche Dinge unter höchstem Druck geplant, erläuterte Zweckverbands-Geschäftsführer Walter Gerstner. Dazu gehörte auch das letzte Glied vor der Inbetriebnahme: die komplette Stellwerks- und Signaltechnik. Aus Zeitgründen wurden Ausschreibungen erstellt, ohne dass die Planungen komplett abgeschlossen waren. Bei sieben "Risikofeldern" habe das funktioniert, erläuterte Roland Bernhard, bei Punkt acht, der Sicherungstechnik, habe die Schönbuchbahner nun das Glück verlassen. "Bahnbau ist eine hochkomplexe Sache", betonte Bernhard, "wir bauen nicht nur ein Gebäude". Der Landrat gestand ein, dass der Kreis bei diesem Projekt mit seinen Kapazitäten an die Grenzen gestoßen sei.

Nun mussten die Verantwortlichen die Reißleine ziehen. "Ein uneingeschränkter Betrieb wäre nicht möglich gewesen", sagte Walter Gerstner. Sicherheit gehe in diesem Moment vor Schnelligkeit - darüber sei man sich einig gewesen und habe daher auch die Idee eines abgespeckten Betriebs wieder verworfen.

Der Landrat räumte ein, dass diese Entscheidung allen "an die Nieren gehe", vor allem weil Schüler und Pendler nun weitere drei Monate mit dem Busverkehr Vorlieb nehmen müssten. Er versprach, dass man diesen Ersatzverkehr - Kosten rund 200 000 Euro pro Monat - nochmals unter die Lupe nehmen werde, um den Takt an der einen oder anderen Stelle zu optimieren.

Verwandte Artikel