Böblinger Mittagstisch für Senioren in der Hautana: Mithelfer gesucht

Bleibt der Herd bald aus? Personalnot beim Kochteam - Von elf freiwilligen Helfern sind nur noch fünf übrig

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    Das Kochteam (v.l.): Gerda Bier, Doris Waldbauer, Gaby Flemming, Paul Döbele und Regina Biadacz

Seit zwölf Jahren gibt es den Böblinger Mittagstisch für Senioren in der Hautana. Doch wo einmal elf Ehrenamtliche gekocht und gedeckt haben, sind jetzt nur noch fünf Helfer mit von der Partie. Die Besucherzahl und damit der Arbeitsaufwand sind unverändert hoch.

Artikel vom 21. Juni 2019 - 14:12

Von Isabelle Zeiher

BÖBLINGEN. Zwiebelgeruch. Herumlaufende Köche mit wehenden Schürzen. Das Geräusch von schnippelnden Messern. Klirrendes Geschirr. In der Küche der Böblinger Seniorenwohnanlage Hautana wird seit acht Uhr morgens gerührt, geschnitten und gewürzt. Jeden zweiten Donnerstag im Monat schmeißen sich die 72-jährige Gaby Flemming und ihr vierköpfiges Team in Gastronomenkluft und schwingen die Kochlöffel für den Seniorenmittagstisch.

Seit zwölf Jahren machen sie das schon. Dafür bekommen sie kein Geld - nur die Ehre, die das Ehrenamt so mit sich bringt. Pünktlich zur Rente fand sich die Gruppe zusammen. Inzwischen sind sie alle Anfang 70. "Wir wollten uns sozial engagieren", sagt Flemming. "Mit dem Seniorentisch haben wir etwas gefunden, was wir gut können", fügt die 74-jährige Gerda Bier hinzu.

Noch deckt sich das Tischlein - aber wie lange noch?

Vor wenigen Monaten bestand das Team noch aus elf Hobbyköchen. Inzwischen sind es nur noch fünf. "Krankheitsbedingt mussten sechs Leute von uns aussteigen", sagt Flemming. Herzinfarkt, Krebs, Zucker oder Rheuma - die Gründe sind vielfältig. Nachwuchs-Ehrenamtler bleiben aus. Die Anzahl der Leute, die sich verköstigen lassen, wird ebenso wie die anfallende Arbeit nicht weniger. Also musste sich das Team überlegen, wie es effizienter arbeiten kann. "Die Gerichte werden einfacher. Wir machen nicht mehr alles selbst", sagt Gaby Flemming. Früher hat die Truppe Spätzle von Hand gepresst - inzwischen müssen die aus der Packung herhalten.

Für 6,50 Euro gibt es Vor-, Haupt- und Nachspeise und zum Abschluss noch eine Tasse Kaffee mit Keks. Die Nutz(ge)nießer sind 30 bis 35 Senioren, die sich im Vorfeld angemeldet haben. "Wir schätzen die Anerkennung und die positive Rückmeldung der Leute", sagt die ehemalige Hauswirtschaftslehrerin Gaby Flemming. Die 72-Jährige hat bei den Mittagstisch-Vorbereitungen den Hut auf. "Die Senioren freuen sich über das Essen, unterhalten sich viel, und am Ende gibt's immer ein großes Dankeschön", ergänzt Regina Biadacz, mit 70 Jahren das Küken in der Kochgruppe.

Ihr Ziel ist es, dass alle Pensionäre gesättigt, glücklich und zufrieden nach Hause laufen. Damit das klappt, packt das Team schon im Vorfeld kräftig an. Gerda Bier kümmert sich um die Tischdeko - selbst gebastelt natürlich. Außerdem deckt sie bereits am Nachmittag des Vortages den Tisch.

Fein säuberlich gestaltete Namenschilder schmücken die Tafel ebenso wie die sorgsam gefalteten Servietten und die gestrickten Wollvögel. Flemming ist für den Einkauf verantwortlich. Was gekocht wird, entscheidet das Quintett demokratisch.

Um zwölf Uhr geht's los - die Senioren treffen ein und setzen sich auf ihre Stammplätze. "Ich bin schon seit dem ersten Mittagstisch dabei", sagt der 77-Jährige Vladislav Pechan und dreht sich zu seinen Nebensitzern, "wir sind gut befreundet und sitzen immer zusammen." Die 70-jährige Reni von Zedlitz isst seit fünf Jahren regelmäßig mit: "Der Mittagstisch ist beinahe wie ein Familientreffen."

In der Küche finden die letzten Vorbereitungen statt. Heute gibt es Lasagne - Hackfleischduft schwebt in der Luft. Trifft hart auf den würzigen Käsedunst. Teller stehen am Rand der Küchentheke. Während Gaby Flemming und Mitköchin Doris Waldbauer das dampfende Nudelgericht schöpfen, schnappt sich Gerda Bier einen Teller nach dem anderen und trägt ihn zu den wartenden Senioren. Paul Döbele, der einzige Mann im Team, spült währenddessen ab. "Wir sind ein eingespieltes Team, anders würde das nicht gehen", sagt Bier.

Nicht nur Gaumenschmaus, sondern auch sozialer Treffpunkt

Als das Essen auf dem Tisch ist, ebbt die Geräuschkulisse etwas ab. "Es schmeckt hier immer sehr gut", sagt die 79-jährige Ursula Schieferdecker zwischen zwei Gabelportionen. "Besonders der Nachtisch", fügt ihre ein Jahr ältere Freundin Adeltraut Teufel hinzu und lacht.

Der Mittagstisch ist für die Senioren nicht nur ein preiswerter Gaumenschmaus, sondern auch ein sozialer Treffpunkt. "Ich komme unter Leute und freue mich jedes Mal aufs Neue darauf. Super Atmosphäre", sagt Schieferdecker.

Während die Senioren es sich im Speisesaal der Hautana-Anlage weiter gut gehen lassen, quatschen und lachen, wird in der Küche bereits aufgeräumt. Es dauert noch ein bisschen, bis die Truppe zur Ruhe kommen kann. Und ihren Hunger können sie auch erstmal nicht stillen. Erst wenn alle Gäste weg sind, probieren die Köche ihre Kreationen. "Das, was halt davon noch übrig bleibt", sagt Bier und lacht.

Der nächste Mittagstisch für Senioren in der Hautana findet am 11. Juli statt.

Wer Interesse an der Mitarbeit hat, kann sich bei Gaby Flemming unter Telefon (0 70 31) 28 74 70 oder unter gaby@flemmingsort.de per Mail melden.
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