Wohnmobile vermehren sich enorm

Deutschlandweit gibt es inzwischen rund 530 000 rollende Ferienhäuser - Im Kreis Böblingen hat der Bestand Rekordniveau erreicht

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Artikel vom 19. Juni 2019 - 07:00

Von Teja Banzhaf

KREIS BÖBLINGEN. Wohnmobile boomen: Deutschlandweit ist ihre Zahl von 2018 auf 2019 um fast 46 000 angestiegen. Rund 530 000 waren es nach der letzten Bestandsaufnahme des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) insgesamt. Auch im Kreis Böblingen gibt es viele Ferienhäuser auf Rädern. Zum Jahreswechsel waren hier knapp 250 Wohnmobile mehr registriert - und damit insgesamt 3011. Das ist neuer Rekord.

In den vergangenen Jahren haben sich die Wohnmobile enorm vermehrt. Von 2011 bis heute wuchs der Bestand deutschlandweit um mehr als 200 000 Fahrzeuge. Im Kreis Böblingen stieg die Zahl innerhalb dieses Zeitraums um 1132 oder satte 60 Prozent. Das sind aktuell 7,7 Wohnmobile pro 1000 Einwohner, damit belegt der Landkreis Platz 126 in der Wohnmobil-Bundesliga. Spitzenreiter ist der Kreis Schleswig-Flensburg mit 17,31 Wohnmobilen pro 1000 Einwohner. Da ist allerdings auch ein großer Vermieter beheimatet.

Die Werbung verspricht Freiheit und Abenteuer, die Realität verspricht auf Google 6202 Stellplätze in Europa oder 4037 Stellplätze in Deutschland. Werden die auf Campingplätzen dazu genommen sind's deutlich mehr.

So oder so: Die Zahl der neu zugelassenen Wohnmobile lag 2018 bei 46 859. Damit stiegen die Neukäufe um 15,5 Prozent. Der Bestand wuchs parallel um genau 45 794, und da zeigt sich eine Krux oder ein Vorteil dieser Spezial-Autos: Sie sind ausgesprochen nachhaltig, weil sie lange leben. Denn dass die Zahl der neuzugelassenen Fahrzeuge fast der Zahl des Bestandszuwachses entspricht, heißt auch, dass nur wenige ausgemustert wurden. Deswegen zittern Wohnmobilisten besonders vor Fahrverboten, weil die allermeisten einen schon älteren Diesel unter der Haube haben.

Das heißt zudem, die Ferienhäuser auf Rädern sind begehrt - etwa 7000 Gebraucht-Angebote auf Internetplattformen bundesweit sprechen für einen recht leergefegten Markt. Folglich ist die Branche auf kaufkräftige Kundschaft angewiesen, denn der Durchschnittspreis für neue Reisemobile lag im vergangenen Jahr bei über 71 000 Euro. Geschäftsführer Daniel Onggowinarso vom Caravaning Industrie Verband (CIVD) nennt die Menschen über 50 als die wichtigste Zielgruppe der Branche. Die wächst derzeit (und zwar auch mächtig der Rente entgegen, was zusätzliche Freizeit eröffnet). Gleichzeitig stellt die Branche einen Outdoor-Trend bei jüngeren Familien fest.

Außerdem profitiere die Branche vom Niedrigzinsniveau und vom anhaltenden Wirtschaftswachstum in Deutschland, heißt es bei Pressegesprächen ganz offen. Daraus lässt sich im Umkehrschluss darauf schließen, dass ein hoher Wohnmobilbestand ein Indiz für eine kaufkräftige Bevölkerung ist.

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