Die Auszubildenden im Kreis werden rar

IHK zieht Bilanz: Immer weniger Schüler im Kreis entscheiden sich für einen Lehrberuf

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    Kochen lernen: Für viele junge Menschen im Kreis ist das kein erstrebenswertes Ausbildungsziel mehr Foto: Thomas Bischof

Artikel vom 14. Juni 2019 - 14:42

KREIS BÖBLINGEN (red). Die Lage am Ausbildungsmarkt spitzte sich im zurückliegenden Jahr 2018 weiter zu. Der Wunsch vieler Unternehmen, den Nachwuchs im eigenen Betrieb auszubilden, gestaltet sich für viele immer schwieriger und auch frustrierender: Dies ist die Bilanz der Industrie- und Handelskammer (IHK) im Kreis Böblingen zum Thema Lehrstellen.

Laut einer Pressemitteilung führen viele Entwicklungen zu diesem Ergebnis. So stünden immer weniger Schüler für eine Ausbildung zur Verfügung. Gleichzeitig strebten mehr und mehr Jugendliche, unterstützt durch ihre Eltern, zu immer höheren Bildungsabschlüssen, womit für sie eine duale Ausbildung häufig nicht mehr in Frage kommt.

Dieser Trend spiegle sich in den von der IHK erhobenen Zahlen wider: So konnten die Ausbildungsberater der IHK-Bezirkskammer Böblingen mit 113 zwar wieder zahlreiche neue Ausbildungsbetriebe gewinnen - die Entwicklung der aktiven Ausbildungsbetriebe war dennoch rückläufig und sank insgesamt von 769 in 2017 auf 751 Unternehmen im Jahr 2018. "Grund hierfür war einmal mehr die immer kleiner werdende Basis an Schülerinnen und Schülern, die für eine Ausbildung zur Verfügung stehen beziehungsweise auch geeignet sind", schreibt die IHK. Vor allem kleinere Ausbildungsbetriebe gerieten immer stärker unter Druck und fänden häufig keine geeigneten Auszubildenden.

Kaufleute führen die Top 10 an

Bereits das zweite Jahr in Folge sank im Jahr 2018 die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Im Landkreis Böblingen konnte die Bezirkskammer Böblingen noch 1275 Verträge in das von ihr geführte Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse eintragen. Gegenüber dem Vorjahr waren dies insgesamt 63 Verträge weniger. Dies entspricht einem Rückgang um 4,7 Prozent.

Neben dem allgemeinen Rückgang an Auszubildenden kam es zum Start des vergangenen Ausbildungsjahres zusätzlich zu Verschiebungen zwischen den Branchen und Berufen. Während sich der Rückgang in den gewerblich-technischen Berufen bei einem Minus von 3,2 Prozent bewegte, rutschte der kaufmännische Bereich mit einem Minus von 5,8 Prozent deutlicher ab. Vermeintlich unattraktive Berufsfelder wie zum Beispiel im Einzelhandel oder in der Gastronomie waren von der angespannten Lage sogar noch stärker betroffen, heißt es weiter. Die Ausbildungsbetriebe im Einzelhandel schlossen gegenüber 2017 7,7 Prozent weniger Verträge ab, die Unternehmen der Gastronomie mussten sogar einen Rückgang von 22 Prozent verkraften.

Bei den zehn am stärksten nachgefragten Ausbildungsberufen kam es gegenüber dem Jahr 2017 zu einer leichten Verschiebung. So führen die Kaufleute im Einzelhandel trotz rückläufiger Zahlen immer noch die Top 10 an, gefolgt auf Platz zwei werden diese nach wie vor von den Kaufleuten für Büromanagement. Ab Platz drei gab es jedoch ein Stühlerücken und der Beruf der "Fachkraft für Lagerlogistik" konnte von Rang fünf in die Top drei vorrücken. Insgesamt liegen allerdings ab dem dritten Platz die Ausbildungszahlen sehr eng beieinander, so dass sich daraus noch kein wirklicher Trend ablesen lässt.

Lediglich die Entwicklung in der Gastronomie lässt sich nun auch in der Veränderung der Top 10 Berufe ablesen. So rutschten die Hotelfachleute aus den zehn am stärksten besetzten Berufen heraus.

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