Erfolg trotz schwieriger Marktlage

Vertreterversammlung der Vereinigten Volksbank beschließt zweiprozentige Dividende - Fusionsgespräche vorerst auf Eis

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    Ehrung für verdiente Volksbänkler: Joachim Beckmann, Andrea Vaihinger und Manfred Brodbeck (von links) Foto: Holger Schmidt

Auf ein überwiegend erfolgreiches Geschäftsjahr blickte die Vereinigte Volksbank bei ihrer Vertreterversammlung. Vor allem die Abstimmungen über die Entlastungen und eine Dividende von zwei Prozent an die Anteilseigner waren von Einstimmigkeit geprägt.

Artikel vom 16. Mai 2019 - 17:24

Von Holger Schmidt

BÖBLINGEN. Eine kleine Kritik formulierte Joachim Beckmann gleich zu Beginn. Gerade einmal 120 von 346 gewählten Vertretern waren am Mittwochabend zur Versammlung der Vereinigten Volksbank in die Stadthalle Sindelfingen gekommen. "Das ist nicht so toll", fand der Aufsichtsratsvorsitzende für das Fehlen von nahezu zwei Dritteln der Vertreter deutliche Worte.

In seinem Bericht beleuchtete der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Klotz neben den wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten und einer auf 2,65 Milliarden Euro leicht gestiegenen Bilanzsumme (siehe Info-Kasten) vor allem die Zukunftsstrategie des Geldinstituts. Die Kosten-Ertragsrelation soll von derzeit 71,8 auf unter 70 Prozent gedrückt und der Marktanteil bis 2030 von 18,4 auf 26 Prozent erhöht werden. "Wir sehen auch zukünftig gute Chancen im Kundengeschäft", nannte Klotz die Basis für diese ambitionierten Ziele.

Weiter rückläufig bleibt im derzeitigen Umfeld auf der Ertragsseite der Zinsüberschuss, den der stetige Anstieg des Provisionsüberschusses nur teilweise ausgleicht. Gestoppt werden sollen deshalb die wachsenden Personalkosten. "Wir werden die natürliche Fluktuation für einen Personalabbau nutzen", lautete die klare Ansage des Vorstandsvorsitzenden.

Weitere wichtige Veränderungen stehen für die Vereinigte Volksbank in der Vorstandsriege an. Bereits zum Jahresende 2018 ausgeschieden ist Günther Wainowski, seine Kollegen Oswald Fiorini und Karlheinz Sanwald werden ihm noch in diesem Jahr in den Ruhestand folgen. Für sie kamen Anette Rehorsch-Hartmann und Jörg Niethammer ab 1. Januar 2019 offiziell ins seit Anfang 2018 nur noch dreiköpfige Führungsgremium. "Anfassbar und greifbar" wolle er sein, formulierte Niethammer in seiner kurzen Vorstellung, "das ist es, was die Volksbank ausmacht."

An diesem "genossenschaftlichen Gen-Code" äußerten einige Mitglieder in den vergangenen Monaten in Böblingen Zweifel. Grund ist die Schließung einiger Filialen. "Service, Qualität und Wirtschaftlichkeit müssen passen", unterstrich Wolfgang Klotz. Der Vorschlag eines Mitglieds, einen Hilfsfonds für notleidende Filialen zulasten der Dividende einzurichten, sei im örtlichen Beirat zwar diskutiert, letztendlich aber abgelehnt worden.

Dann wäre die Dividende auf 0,5 Prozent gesunken und nicht mehr attraktiv, rechnete der Vorstandsvorsitzende vor. Das neue Angebot einer mobilen Filiale mit acht Haltestellen soll zumindest teilweise Entlastung bringen und manch aufgewühlte Gemüter beruhigen.

"Heiraten kann man nur, wenn man eine Braut hat"

Weiter auf Eis liegen dagegen die im vergangenen Jahr geführten Fusionsgespräche mit der Volksbank Reutlingen. "Die Pausentaste ist nach wie vor gedrückt", sagte Wolfgang Klotz. Warum nicht Fusionsgespräche mit anderen Banken etwa in Tübingen, Leonberg oder Herrenberg geführt würden, wollte ein Vertreter in der anschließenden Fragerunde wissen. "Heiraten kann man nur, wenn man eine Braut hat", so die Antwort von Wolfgang Klotz.

Für den Aufsichtsratsvorsitzenden Joachim Beckmann war es ebenso wie für seinen Kollegen Manfred Brodbeck die letzte Versammlung. Beide schieden altersbedingt aus dem Gremium aus. Auf eine Nachwahl wurde aufgrund der einstimmig beschlossenen Satzungsänderung zur Verkleinerung des Aufsichtsrates von 18 auf 15 Mandate verzichtet.

Manfred Brodbeck erhielt für 15 Jahre ehrenamtliches Engagement eine Ehrenurkunde des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes, für Joachim Beckmann gab es für ein Vierteljahrhundert zusammen mit Arbeitnehmervertreterin Andrea Vaihinger die Ehrennadel in Silber. "Es war ein Stück meines Lebens und ich habe es gerne gemacht", schloss Joachim Beckmann die Sitzung.

Volksbank: Geschäftsjahr in Zahlen
Bilanzsumme: 2,65 Milliarden Euro (2017: 2,63)
Kundenforderungen (Kredite): 1,975 Milliarden Euro (1,864)
Kundeneinlagen : 2,066 Milliarden Euro (2,039)
Gesamtertrag: 72,8 Mio. Euro (65,9)
Gesamtaufwand: 49,6 Mio. Euro (48,2)
Ergebnis: 22,2 Mio. Euro (50,5 = Einmaleffekte durch Fonds- und Gebäude-/Grundstücksverkäufe und Umwandlung in stille Rücklagen)
Bilanzgewinn: 2,65 Mio. Euro (2,65)

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