Die Böblinger Kunst und Garten am Unteren See kämpft mit winterlichen Verhältnissen

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    Für die Möblierung gab es bei den Ausstellern der Kunst und Garten am Unteren See mehr als genug Auswahl Fotos: Thomas Bischof

Der Untere See zeigt sich steingrau, nur Hans Bäurles Königsfamilie bringt ein wenig Farbe ein. Tapfer trotten Vater, Mutter und Söhnchen die Treppe vom Parkdeck der Kongresshalle hinunter an den Ort des Geschehens: Kunst und Garten 2019 in Böblingen am Ufer des Unteren Sees.

Artikel vom 14. April 2019 - 17:00

Von Jutta Rebmann

BÖBLINGEN. Eine verschworene Gemeinschaft von heldenhaften Verkäufern und wettertrotzenden Interessenten an Neuem und Alten für den Garten, wenn es dann mal wieder schön sein sollte. Bunte Vögel aus Stahl sitzen auf Stangen, warten mit regenglitzernden Augen auf Käufer. Die Standbesitzer reiben sich die Hände vor Kälte.

Ein bisschen wärmer ist es im Zelt des Haldenhofes Breitling. Dort gibt es wie jedes Jahr Heckengäu-Kaviar und andere Spezialitäten aus dem Gäu. Vollbesetzt die Bänke, betörend der Duft des "Kaviars" aus dem Gäu: Gebackene Leberwurst mit Bratkartoffeln und Zwiebeln. Da läuft manchem das Wasser im Mund zusammen. "Die Dosenwurscht von hier - die nehme ich immer mit", freut sich ein Spaziergänger und stellt sich in die Schlange.

"Hätte ich bloß meine Handschuhe mitgenommen", ärgert sich eine Besucherin und reibt sich die rotgefrorenen Finger. Zu allem Überfluss hat sie eine alte Blechwanne für den Garten gekauft und das kalte Metall scheuert an den Fingern. Aber auch an Handschuhen und Mützen herrscht kein Mangel.

Auf die Frage, wie die Geschäfte denn so laufen, hat man bei der Handelsagentur Klutt nur eine Antwort: "Gar nicht mal so schlecht. Unsere Liköre gibt es nur bei uns. Und die Marmeladen sind auch gut im Rennen". Alles Dinge, die besonders bei Kälte das Gemüt aufhellen. Dazu Senf und Öle für die feine Küche.

Das Kontrastprogramm sind Buddhas und andere Asiatika - von ganz klein bis groß. Beim Blumengeschäft gibt es auch Schilder "Ohne Hund ist alles doof" und andere Dinge für den Hundefreund. Pflanzen und Blumen warten auf neue Besitzer, aber so manch einer überlegt noch: "Wohin damit wenn es morgen schneit?" Eine Frau ist optimistischer: "Es gibt auch ein übermorgen".

Ein Schmuckstand weckt das Interesse. Dort entsteht aus Silberbesteck, das keiner mehr will, aparter Schmuck mit und ohne Monogramm. Hübsche Einzelstücke, Armreifen, denen man nicht mehr ansieht, das sie als Gabeln auf die Welt kamen. Ringe aus Löffeln mit Kopenhagener Relief-Spuren. Apart, was es alles gibt. Es ist schwierig, sich zu entscheiden, so vielfältig ist das Angebot.

Im Zeitalter des zu Ende gehenden Plastikwahns greift man immer öfter zur veganen und biologisch abbaubaren Seife, die nicht aus dem Spender kommt, sondern althergebracht in der Hand aufschäumt. Über allem der Duft von Kräutern und Sauberkeit.

Duft liegt auch über dem Stand der Käsehexe aus dem Allgäu, dort kommt es diesmal wieder mehr als 20 verschiedenen Käsesorten. Dazu jede Menge Speck, Schinken und duftende Kamin-Wurzen aus dem Bregenzerwald und Vorarlberg.

Auch jenen, denen das Mobiliar für Terrasse oder Balkon noch fehlen, wird geholfen: Jede Menge Shabby Look und upgecycelte Möbel aus vergangenen Zeiten stehen zum Verkauf, Pflanzenhalter aus alten Schranktüren und Sitzgelegenheiten. Das alles gibt es in neue Formen gehobelt, entrostet und gespachtelt zu erwerben. Schwere Möbel, wetterfest, aus Holz, aus Aluminium und Edelstahl. Sie laden ein zum Probesitzen und vom Sommer träumen.

Ein Stand voller Mützen passt zum Wetter. Die leider nur wenigen Blumen auf der Kunst und Garten aber sind die Vorboten des Frühlings, der sich zum Mißfallen der Veranstalter diesmal nicht an den Kalender gehalten hat.

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