Humor: Was verdient man eigentlich als russischer Troll?

  • img
    Bildmotiv: Wikipedia

Artikel vom 13. April 2019

KREIS BÖBLINGEN (edi). Haben Sie sich auch schon mal gefragt, was aus diesem einen nervigen Kind geworden ist, dass in der Schule immer alle geärgert und überall eine ganze miese Stimmung verbreitet hat? Die Antwort findet sich auf Facebook und anderen mehr oder weniger sozialen Netzwerken: Dort kann man sehen, wie die fiesen kleinen Giftzwerge von damals heute allesamt zu fiesen großen Internet-Trollen heranwachsen sind. Ein besonders trolliges Exemplar kandidiert im Wahlkreis Leonberg für die Partei, in der womöglich so mancher Mini-Mobber von damals ein politisches Zuhause gefunden hat. Auf Facebook leistet der überaus mitteilsame Herr aus dem Gäu treu ergeben seinen Frohnmaierdienst zu Ehren seines Gau -, . . . pardon seines Vaterlandes. Immer wieder – da brat‘ mir doch einer eine Storch! – rutscht ihm dabei die Maus ab und er schreibt Dinge, die er hinterher so natürlich nicht gemeint hat – zum Beispiel, wenn er Böblingens CDU-Bundestagsabgeordneten Marc Biadacz hämisch als „kleinen Hund“ bezeichnet. Vielleicht meint er damit aber auch sich selbst, denn irgendwie erinnert das verbale Gekläffe und Gekeife doch sehr stark an ganze Meuthen zähnefletschender Zwergpinscher, die sich penetrant knurrend und sabbernd am Hosenbein festbeißen. Seit zuletzt bekannt wurde, dass Russlands Marionettenfäden wohl bis nach Böblingen und Berlin zu reichen scheinen, wird das Gekläffe immer lauter. Wer nicht dasselbe Weltbild teilt und Flüchtlinge, Grüne oder Merkel allesamt für biblische Plagen hält, der geht lieber schnell in die Höcke. Ansonsten läuft man Gefahr, die Weidel-Rute zu spüren. Uns kommt dann die undankbare Aufgabe zu, alle Beteiligten an ihre gute Kinderstunde zu erinnern. Der dauernörgelnde Gäu-Troll hat es sich dabei offenbar zur Aufgabe gemacht, uns den Job des virtuellen Kindergärtners besonders schwer zu machen. Statt sachlich und höflich zu diskutieren, wird gestichelt, geätzt, gelästert und gehetzt. Das Ergebnis: Die Stimmung wird immer aufgeheizter. So müssen sich unsere Lehrer in der Pausenaufsicht gefühlt haben, wenn mal wieder so ein kleiner Unhold für Stress auf dem Schulhof gesorgt hat. Genau wie damals gibt es eigentlich nur ein Mittel, solchen Strolchen beizukommen: Man muss sie ignorieren. Nicht umsonst mahnen Betreiber von Internetforen, Trolle nicht zu füttern, sie also einfach links liegen zu lassen. Dumm nur, dass der Versuch, Rechte links liegen zu lassen, in diesem Land schon einmal gewaltig schief gegangen ist. Wir plädieren deshalb für klare Ansagen – gepaart mit ein bisschen Humor. Fragen wir unseren toxischen Tipper, bevor er den nächsten Vogelschiss-Sturm im Wasserglas heraufbeschwören kann, doch einmal ein paar interessante Fragen. Zum Beispiel diese: „Sagen Sie mal, wie wird man eigentlich ein russischer Internet-Troll? Wird das gut bezahlt? Und: Ist man da krankenversichert?“ Oder diese hier: „Was trinkt so ein Internet-Troll eigentlich am liebsten? Trollinger? Ich würde ja eher auf Wodka Rechter Flügel tippen . . .“

Aus unserer Samstag-Humorkolumne ("Bonbons")

Verwandte Artikel