Kommentar: Fader Triumph

Von Michael Stürm

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    Wohin mit dem Bauschutt? Foto: Bischof/Archiv

Artikel vom 27. März 2019 - 06:49

Das Triumphgeheul war unüberhörbar: Die Sindelfinger Stadtverwaltung hat den Landkreis mit ihrem Einsatz vor einer Erddeponie im Wald gerettet und nebenbei aufgedeckt, dass das Landratsamt von einer Truppe von Tricksern geführt wird. Mit diesem Tenor und robusten Vorhaltungen gegen die Kreisbehörde verknüpfte Oberbürgermeister Bernd Vöhringer gestern seine Forderung, zu untersuchen, ob der im Kreis anfallende Erd- und Bauschutt auch in einem bestehenden Steinbruch entsorgt werden kann.

Recht hat der Sindelfinger Stadt-Boss. Der Suchlauf für eine Deponie, den der Landkreis vor über zwei Jahren begonnen hat, war nicht sauber geplant, ihm mangelte es an Transparenz und womöglich auch an Ergebnisoffenheit. Die Intervention Sindelfingens, das als einer der Deponiestandorte in Aussicht stand, hat dieses fragwürdige Verfahren gestoppt und einen vorschnellen, ökologisch heftigen Eingriff in den Wald verhindert. Das ist unbestritten, genauso wie ein neuer Suchlauf, der auch die Steinbrüche beinhaltet.
Dennoch befremdet der Ton, mit dem Bernd Vöhringer jetzt seine gute Tat verkauft. Statt Vorhaltungen und Nachtritte Richtung Landratsamt abzusetzen und wortgewaltig öffentlich auf die Kreisbehörde einzuprügeln, wäre er besser beraten, diesen Strauß mit dem Landrat hinter den Kulissen auszufechten und sich stattdessen konstruktiv für die beste Lösung dieses Problems einzusetzen.
Denn eines ist klar: Ob der Erd- und Bauschutt, der im Landkreis (und wohl im höchsten Maße in Sindelfingen) anfällt, in einem Steinbruch deponiert werden kann oder nicht, entscheidet weder das Landratsamt noch die Stadt Sindelfingen, sondern eine übergeordnete Genehmigungsbehörde. Und wenn diese den Daumen senkt, dann geht die Suche wieder von vorne los. Der Kreis stünde dann weiterhin unter Druck, für Entsorgungskapazitäten zu sorgen, Sindelfingen in Gefahr, als Standort rund 30 Hektar Wald opfern zu müssen.
Ein zerschnittenes Tuch zwischen Landratsamt und Sindelfinger Rathaus wäre für weitere Verhandlungen wie auch für zukünftige gemeinsame Projekte, die Stadt und Kreis stemmen müssen, die denkbar schlechteste Voraussetzung. Der Preis für die jetzt öffentlich eingefahrene Genugtuung der Sindelfinger Verwaltungsspitze könnte sich spätestens dann als Hypothek für die Zukunft erweisen. Dieser Triumph hat einen faden Beigeschmack.

 

 

 

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