Sicherheit im Kreis: Weniger Einbrüche, mehr Verkehrstote

Der Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums Ludwigsburg für 2018 zeigt neben erfreulichen Entwicklungen auch Brennpunkte auf

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    Die Zahl der Verkehrstoten im Kreis Böblingen stieg 2018 von 6 auf 16 sprunghaft an. Einer von ihnen war ein 24-jähriger Motorradfahrer, der am 17. April auf der Straße zwischen Maichingen und Darmsheim von einem Lastwagenfahrer übersehen wurde. Foto: SDMG/Archiv

Der Kreis Böblingen kann Erfolge vorweisen im Kampf gegen Wohnungseinbrecher und Straßenkriminelle. Allerdings treiben andere Bereiche der Polizei Sorgenfalten auf die Stirn: Die Zahl der Tötungsdelikte stieg ebenso an wie die der Verkehrstoten oder Rauschgiftdelikte.

Artikel vom 26. März 2019 - 07:03

Von Jan-Philipp Schlecht

KREIS BÖBLINGEN. Das Wetter draußen vor dem Polizeipräsidium Ludwigsburg lieferte am gestrigen Montag die passende Kulisse für die Präsentation des Sicherheitsberichtes: Sonne, Wolken und Regen wechselten sich munter ab. Und so wie Petrus die verschiedensten Witterungen bereithielt, hatte auch Polizeipräsident Frank Rebholz Licht und Schatten zu verkünden. Licht deshalb, weil sich in seinem letzten vollständigen Amtsjahr die Aufklärungsquote erneut verbesserte auf 69,1 Prozent nach 62,8 Prozent im Vorjahr.

"Dieser recht sprunghafte Anstieg hängt aber auch mit einer Serienstraftat in Herrenberg zusammen, die 2018 aufgeklärt werden konnte", sagte Rebholz. Dabei handelt es sich um den Fall der EN Storage GmbH mit Sitz in Herrenberg, der Anlagebetrug in 2845 Fällen vorgeworfen wird. Das Unternehmen hat Anleger mit märchenhaften Renditeaussichten getäuscht und zig Millionen Euro veruntreut. Dieser Fall schlägt sich nicht als eine Straftat nieder, sondern eben als eine Reihe von 2845 Vergehen (siehe Hintergrund) - mit Spuren in der Statistik.

Doch auch ohne diese Verzerrung läge die Aufklärungsquote im Kreis Böblingen über dem Landesschnitt von 62,7 Prozent, sagt Rebholz. Die Zahl der Straftaten stieg aufgrund des EN-Storage-Falls um 18 Prozent an. Würde man dies rausrechnen, läge man nur 0,7 Prozent über dem Vorjahr. Die Polizei errechnet auch die Kriminalitätshäufigkeit je Einwohner. Hier liegt Herrenberg aufgrund dieses Falls kreisweit unangefochten an der Spitze. Klammert man dies aus, ist Böblingen mit 7293 Straftaten je 100 000 Einwohnern im Kreis auf Platz eins. Gefolgt von Sindelfingen (5522) und Leonberg (4529). Das laut diesen Zahlen sicherste Polizeirevier im Kreis Böblingen war 2018 Aidlingen mit einem statistischen Wert von 1292 Straftaten je 100 000 Einwohner.

Fahrraddiebstähle nehmen zu

Markant sind im Landkreis die Anstiege bei den Straftaten im öffentlichen Raum. So ging die Zahl der Fahrraddiebstähle um knapp acht Prozent nach oben. Ebenso registriert die Polizei - auch verursacht durch verstärkte Kontrollen - einen Anstieg von Rauschgiftdelikten um knapp zehn Prozent. Der größte Teil davon macht der Besitz und Erwerb von Drogen aus, der im Kreis Böblingen um über 20 Prozent anstieg. Neben Cannabis und Amphetaminen nahmen vor allem Straftaten in Zusammenhang mit Ecstasy um fast ein Drittel zu. Nicht ohne Stolz verkündete die Polizei die Aufklärungsquote der Drogendelikte, die bei 91,3 Prozent liegt und zum Vorjahr noch mal leicht gestiegen ist. Frank Rebholz: "Um diese Werte zu erreichen, betreiben wir einen hohen personellen Aufwand, auch mit verdeckten Ermittlern."

Entgegen dem Landestrend gab es im Kreis Böblingen aber keine vermehrte Gewalt gegen Polizeibeamte. Diese sank um etwa fünf Prozent, während sie in Baden-Württemberg um zehn Prozent nach oben ging und auch in Ludwigsburg zunahmen. "Wir können uns diesen gegenläufigen Trend nicht recht erklären", sagte Rebholz. "Diese Werte schwanken auch stark von Jahr zu Jahr." Auffällig sei vielerorts, dass sich abgelehnte Asylbewerber gegen ihre Abschiebung wehrten, die die Polizei vollstrecken muss. Dies habe nicht selten den Hintergrund, dass die fraglichen Personen durch diese Straftaten versuchten, ihre Abschiebung noch einmal zu verzögern oder gar zu verhindern.

Besorgniserregend sind die Zahlen bei den Straftaten gegen das Leben. Im Kreis Böblingen gab es 2018 gleich vier Morde, nach keinem einzigen in 2017. Einer davon ist der Hochhausmord in Sindelfingen, bei dem eine eingesetzte Sonderkommission einen Ermittlungserfolg vorweisen konnte. Auch die Zahl der Totschläge ging im Kreis Böblingen leicht nach oben: von fünf auf sechs. Deutlich ist auch der Anstieg im Bereich der Sexualstraftaten: sie schnellten um 14 Prozent nach oben auf ein Fünfjahreshoch. Grund für diese Zahlen sind mehr sexuelle Belästigungen sowie der Missbrauch von Kindern, der um 34 Prozent zunahm. Als positive Nachricht kann in diesem Bereich der Rückgang bei Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen gesehen werden, die im Kreis Böblingen um 51,7 Prozent zurückgingen.

Erstmals veröffentlichte das Polizeipräsidium die Verkehrsunfallbilanz zeitgleich mit der Kriminalitätsstatistik, weshalb das eindrucksvolle Kompendium von 92 Seiten auch den Titel "Sicherheitsbericht" trägt. Auf den Straßen ging die Zahl der Unfälle erfreulicherweise nach unten: Im Kreis Böblingen hat es 2018 rund 1,8 Prozent seltener gescheppert. Allerdings stieg dabei die Zahl der Verkehrstoten von 6 auf 16 an. Der überwiegende Teil dieser tödlichen Unfälle geschah allerdings nicht auf den Autobahnen. Dort kam es in den Kreisen Ludwigsburg und Böblingen zusammen nur zu drei Todesfällen.

Dazu sagt der Leiter der Verkehrspolizeidirektion, Alexander Haug: "Die meisten tödlichen Unfälle sind in der Fläche passiert durch Vorfahrtsfehler. Außerdem lässt sich rund ein Fünftel der Unfälle auf Ablenkung am Steuer etwa durch Handys zurückführen." In seinen Augen eine alarmierende Entwicklung. Nach wie vor schlägt sich auch der Drogenkonsum hinterm Steuer in der Statistik nieder: Die Polizei hat 2018 mehr alkoholisierte Unfallverursacher registriert, ebenso sei Cannabis-Konsum ein wieder deutlich zunehmendes Problem.

Junge Erwachsene sind in laut Statistik weniger für Verkehrsunfälle verantwortlich, als Senioren. Während bei ersteren die Unfallzahl im Kreis von 909 auf 854 zurückging, stiegen sie bei den Senioren von 936 auf 992 an. Ältere Menschen waren laut Statistik auch deutlich häufiger in tödliche Unfälle verwickelt: Insgesamt acht Fälle gibt die Polizei 2018 an - nach nur zwei im Vorjahr.

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