Frauenwochen in Weil der Stadt: Fola Dada über Frauen im Jazz

Sängerin Fola Dada spricht im Rahmen der Frauenwochen in Weil der Stadt über weibliche Musiker im Jazz

Artikel vom 25. März 2019 - 17:30

Von Annette Frühauf

WEIL DER STADT. Im Rahmen der Weil der Städter Frauenwochen lud der Kulturverein Manufaktur die Sängerin Fola Dada ins Klösterle ein. Neben der Musik, zeichnete die Stuttgarterin bei einer Matinee am Sonntagmorgen ein Bild der Frau in der Jazz-Branche.

Die letzten leisen Takte von "I thought about you" verklingen. Sonnenstrahlen malen helle Reflexe in die schwarzen Locken von Fola Dada, die mit ihrer vollen Stimme erzählt: "Ich bin eine typische Frau im Jazz."

Über 80 Prozent der Sänger in der Jazz Szene seien weiblich. "Allerdings gibt es nur rund zehn Prozent Instrumentalistinnen", bedauert sie. "In der SWR Bigband bin ich die einzige Frau." Dann stimmt sie "When sunny gets blue" von Carmen McRae an. Eingerahmt von Pianist Ulf Kleiner aus Mainz und Gitarrist Christoph Neuhaus aus Stuttgart, steht die 41-Jährige auf der Bühne. Ihre Augen sind geschlossen, wenn sie singt.

"Es sind die Frauen, die ihr Herz in ihrer Musik sprechen lassen", ist Fola Dada überzeugt. "Ich gehöre zu denjenigen, die ihr Frausein nicht als störend empfinden. Ich bin einfach ich", sagt sie und lacht. Die Jazzerin lacht viel an diesem sonnigen Vormittag in der Keplerstadt. Der Veranstaltungsraum ist bis auf den letzten Stuhl gefüllt. Mit dem Song "All or nothing at all" von Billie Holiday geht es weiter. Mit Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan gehörte die 1959 verstorbene Künstlerin zu den bedeutendsten US-amerikanischen Jazzsängerinnen.

Frauenquote in Schweden

Viel Zwischenapplaus bekommen auch die beiden Musiker, die bei Solis immer wieder ihr Können zeigen. Es sind ruhige Stücke, die das Publikum zu hören bekommt. Der Mittelpunkt ist und bleibt die Sängerin in ihrem schwarzen Kleid. Mit warmer, samtiger Stimme singt sie ihre Balladen - während die Zeit dahingleitet. "Just in time" von Nina Simone ( 2003) ist das letzte Lied vor der Pause. "Was hätte sie wohl zu der Frauenquote im schwedischen Jazz gesagt?", fragt sich Fola Dada. Dort müsse bei Konzerten immer mindestens eine Frau mit auf der Bühne stehen. Ihre Augen blitzen. Dann verlässt sie mit ihren beiden Musikern die Bühne.

Fola Dada fühlt sich wohl als Jazz-Musikerin. Sie hat ihren Platz gefunden. "Mein Vorbild ist eigentlich meine Mutter", erklärt sie. "Sie hat mich immer ermutigt, meinen eigenen Weg zu gehen und die Dinge zu machen, die mir wichtig sind." Mit Weil der Stadt verbindet die Sängerin der Frauenprojektchor der Manufaktur, den sie über zwei Jahre begleitet hat und den inzwischen Tijana Veljic leitet.

Im zweiten Teil startet die Sängerin mit "Honeysuckle rose", gefolgt von "Easy living" von Rosemary Clooney, eine Tante des Schauspielers George Clooney, die das Attentat auf John F. Kennedy miterleben musste und zeitlebens unter den Folgen gelitten hat. Ein Bossa Nova von Gal Costa gehört ebenfalls zu ihrem Repertoire. Die Zugabe ist von Cole Porter "Day and Night". Fola Dada verlässt die Bühne und singt ohne Mikrophon. Mit tiefer Stimme haucht sie ein letztes "Night and day you are the one", bevor die drei Musiker unter viel Applaus endgültig verschwinden.

Nach diesem sehens- und hörenswerten Beitrag zu den Frauenwochen geht die Veranstaltungsreihe am Donnerstag, 28. März, weiter. Um 19 Uhr findet im Jugendhaus "Altes Kloster" die Diskussion "Wie geht es Frauen heute im Bundestag?" statt. Mit dabei werden Saskia Esken (Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Calw) sein, die früher selbst im Weil der Städter Jugendhaus aktiv war sowie Jessica Tatti (Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Reutlingen) und Frau Beate Müller-Gemmeke (Bundestagsabgeordnete aus dem Landkreis Reutlingen). Der Abschluss der Weil der Städter Frauenwochen ist der Vortrag "Muhammad - der Befreier der Frauen im 7. Jahrhundert", der am Samstag, 30. März, um 16 Uhr in der Qamar Moschee in Weil der Stadt stattfindet.

Wer Fola Dada live erleben möchte, hat dazu am Freitag, 29. März, ab 20 Uhr in der Kongresshalle Böblingen die Gelegenheit. Kurz vor der sanierungsbedingten Schließzeit des Veranstaltungsbaus tritt die Sängerin mit der 18-köpfigen Bigband von Tobias Becker sowie dem Gitarristen Werner Acker auf. Für das Konzert gibt es noch Karten im Vorverkauf bei der Kreiszeitung in der Wilhelmstraße 34, Telefon (0 70 31) 62 00 29. Eintritt: 20 Euro. Es gilt freie Platzwahl.
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