Eine Passion, die "actiongeladen" ist

Nachgefragt

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    Daniel Tepper F: red

Den Abschluss der Reihe Musik für Sindelfingen bildet am Samstag, 6., und Sonntag, 7. April, die Johannespassion in der Martinskirche. Bezirkskantor Daniel Tepper hat die Fäden in der Hand. Es treten auf das Sindelfinger Vokalkabinett, das Barockorchester Consortium Instrumentale und fünf Solisten.

Artikel vom 21. März 2019 - 19:36

Herr Tepper, ein Probenwochenende liegt hinter Ihnen. Wie laufen die Vorbereitungen?

Wir haben die Zeit intensiv und effektiv genutzt. Die Sänger waren gut vorbereitet und haben konzentriert mitgearbeitet. Die drei Probentage haben das Ensemble klanglich und musikalisch stark zusammengeschweißt - und das war mein vordergründiges Ziel: neben einer einheitlichen Interpretation, einen homogenen und flexiblen Chorklang zu formen.

 

Wie viele Musiker werden insgesamt auf der Bühne stehen?

Das Vokalkabinett wird aus 15 Sängern bestehen, das Instrumentalensemble setzt sich aus 13 Musikern zusammen. Da jedes Instrument lediglich einfach besetzt ist, werden wir einen sehr durchsichtigen und kompakten Klang erreichen können. Wir hatten ein paar Krankheitsfälle im Ensemble, waren jedoch an allen Probentagen sing- und probenfähig. In einer so kleinen, kammermusikalischen Besetzung müssen wir natürlich hoffen, dass alle Musiker am Konzertwochenende voll einsatzfähig sind.

 

Was ist die besondere Herausforderung bei der Johannespassion?

Das Werk lebt von Abwechslungen. Bach verlangt den Musikern nicht nur virtuose Koloraturen und technisch höchst anspruchsvolle Passagen ab, sondern legt jedem Satz eine spezielle Aussage und Atmosphäre zu Grunde. Und diese gilt es, auf Anhieb entstehen zu lassen. Die kontrastreichen Episoden wechseln ständig von langsam - schnell - melancholisch - aggressiv hin und her. Das ist konzentrationstechnisch wie emotional herausfordernd.

 

Die Johannespassion ist bald 300 Jahre alt. Warum fasziniert sie auch noch heute?

Bach stellt den bekannten Evangelientext extrem bildhaft dar. Bei einer guten Aufführung kommt daher an keiner Stelle Langeweile auf. Zudem ist die Erzählung des Johannes stringent und nachvollziehbar aufgebaut. Man könnte also sagen, die Johannespassion ist volksnah, dramatisch und "actiongeladen". In Kombination mit Bachs hochkomplexer Kompositionsweise und den unglaublich berührenden Arien wird deutlich, dass dieses Werk auch heute noch alle Erwartungen übertrifft.

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