Kunstverein Böblingen stellt aus im Alten Amtsgericht

Kunstverein Böblingen zeigt im Künstlerhaus auf dem Schlossberg Werke von Klaus Behringer, Maks Dannecker und Larissa Salzer

Artikel vom 19. März 2019 - 16:42

Von Anne Abelein

BÖBLINGEN. Um Werte im weitesten Sinn dreht sich sowohl Klaus Behringers Schau "Bleibende Werte" als auch Maks Danneckers Ausstellung "Besondere Bildbereiche". Erstere ist im Kabinett, letztere in der Schleuse 16 im Alten Amtsgericht Böblingen zu sehen. Im Projektraum K präsentiert sich außerdem die Nachwuchskünstlerin Larissa Salzer mit "Bildern der Körperlichkeit".

Klaus Behringer ist in Böblingen schon ein alter Bekannter. Ob Eigenart, FeldArt, Schlossberg-Bunker oder Landratsamt - der ehemalige Kunstlehrer des Böblinger Max-Planck-Gymnasium und didaktischer Ausbilder hat schon an vielen Orten im Kreis ausgestellt. Ein wiederkehrendes Motiv in seinen keramischen Arbeiten sind grobzinkige Kämme, die mal als Saloontüren, mal als Kabinenwände und mal als Zelluloidstreifen dienen und dazu passende großformatige Bilder flankieren. "Ich habe auch eine Kammsammlung", erzählt er. Die Keramikkämme arrangiert Behringer unter kleinen Dächern und Baldachinen, unter denen sich ein roter Teppich erstreckt. Die ironischen Titel weisen sie als Weg zum Ruhm, zu Reichtum oder Spielglück aus. Sie spielen gewitzt mit Träumen, Erinnerungen, Sehnsüchten und Klischees.

Außerdem präsentiert er in der sarkastischen Serie "Bildnis des Künstlers als alter Sack" ernüchternde Eindrücke des Alterns. Da steckt ein Gehstock in einem Steinblock - so ungefähr fühlt sich das Gehen mit Gicht an - und das eigene Konterfei spiegelt sich in einer bleiähnlichen Masse im Eimer. Flüchtende Erinnerungen einzufangen versucht er in "Memorial": Dazu hat er einen Mantel mit Gläsern bestückt, in denen sich Notizen mit Erinnerungen verbergen.

In einer weiteren Werkgruppe namens "Interieur" geht es um Scherben und ebenfalls um Vergänglichkeit. Die zerbrochenen Keramikspiegel der Serie "Crash" scheinen fast aus den Fugen geraten. Gerade die Risse zwischen gekitteten Scherben haben aber für ihn einen "ungeheuren Reiz", bilden sie doch wieder neue Strukturen. Hier darf man an zerbrochenes und wieder geleimtes Geschirr nach einem Ehestreit denken.

In der vielschichtigen Ausstellung der Fotografin Maks Dannecker in der Schleuse 16 muss man ganz genau hinschauen. Es geht ihr in den "Besonderen Bildbereichen" mit Arbeiten von Ralf Bittner, Thaddäus Hüppi, Dr. Axel von Criegern, Sibylle Möndel und anderen um die unerwünschten Spuren, die Druck- und Transportunternehmen oder Entleihungen in Ausstellungen auf der Kunst hinterlassen. Um verbogenes Alu-Dibond, Kratzer und Macken also.

Unerwünschte Transportschäden machen manches Werk zum Unikat

Aber sind derlei Andenken wirklich unerwünscht und wertmindernd? Einerseits hat Dannecker im Labor gearbeitet und blickt mit Fassungslosigkeit auf die Fahrlässigkeit, mit der hier agiert wurde. "Vielleicht erhält die Arbeit dann wieder Unikatscharakter", meint sie jedoch auch. Bei einem quadratischen Bild, das der Künstler einfach großflächig mit grauer Farbe überstrichen hat, um das Motiv unkenntlich zu machen, ist das der Fall. Es ist bereits verkauft.

Mit einem ähnlichen, wenn auch im wahrsten Sinne des Wortes leicht verschobenem Fokus hat Maks Dannecker außerdem Mail Art zum Thema "Visual Disturbances" versammelt. Die Absender der Karten haben alles getan, um den Betrachter und den Postbeamten mit flirrenden Linien, aparter Typografie, angeschmolzenen Objekten und Kartongeflechten zu verwirren. Trotzdem kamen die eigenwilligen Sendungen an - und manchmal verstärkte die Post mit konfus gesetzten Stempeln noch die visuellen Effekte und "Sehstörungen".

Im Projektraum K im Obergeschoss kann man außerdem eine Nachwuchskünstlerin kennenlernen. Larissa Salzer hat in Freiburg, Schwäbisch Hall, Stuttgart und Tübingen Kunst sowie Ethnologie, Kunstgeschichte und Spanisch studiert und seit 2018 ist sie im Verbreitungsfach Intermediales Gestalten eingeschrieben. Ihre "Bilder der Körperlichkeit" bevölkern kauernde Frauen und Männer, die mit massigen Oberarmen und Händen ihre Unterschenkel umklammert halten. Die ausgeprägten Oberkörper geben einen Hinweis auf die Technik der Lithografie, die Larissa Salzer nutzt. "Es ist ein sehr körperlicher Prozess", sagt sie. Zudem habe sie früher plastisch gearbeitet. Manche Figuren beugen sich auch herab oder nehmen eine Embryohaltung ein. Und das Suchen und Finden oder das Bei-Sich-Sein oder Aus-Sich-Herausgehen der kraftvollen und doch zarten Figuren sind Thema.

"Treibsand" hat sie ihre Serien betitelt. In der Tat ist ihre Kunst immer in Bewegung: "Ich ändere meine Motive während des Druckprozesses ständig, schleife sie ab oder nehme etwas weg", meint Salzer. Der Treibsand verweist aber auch auf den Steindruck.

Beide Ausstellungen sind noch bis zum 7. April im Alten Amtsgericht zu sehen. Am Mittwoch, 3. April, um 19.45 Uhr findet dort ein Kunstgespräch statt.
Verwandte Artikel