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Lesung mit Whisky-Tasting in Herrenberg

Bei der Premierenlesung von Sybille Baeckers Kriminalroman "Siebenmühlental" in Herrenberg gibt es auch ein Whisky-Tasting

Artikel vom 17. März 2019

Von Florian Ladenburger

HERRENBERG. Zu ihren Lesungen kommen normalerweise mehr Frauen, so die Erfahrung der Autorin Sybille Baecker. Doch am Donnerstagabend in Herrenberg war alles anders. Gut die Hälfte der Besucher in der ausverkauften Stadtbibliothek waren Männer. "Da zieht der Whisky", vermutete Sybille Baecker, die ihren neuen Schwabenkrimi "Siebenmühlental" vorstellte. Und es war eben keine ganz normale Lesung, sondern eine mit Whisky-Tasting. Denn der Kommissar in ihren Romanen trinkt nach Dienstschluss gerne mal einen schönen Single Malt. Nicht aus Sucht, sondern zum Genuss. "Mein Kommissar brauchte ein Hobby", erklärte die Autorin. "Und diese Flüssigkeit hat mich schon immer fasziniert."

Bevor es losging, erzählte sie noch ein wenig über sich. Sie komme aus Niedersachsen. Sei für ein halbes Jahr nach Schwaben gekommen. "Daraus wurden 20 Jahre", sagte sie. Ihren Heimatdialekt bekam sie in der Zeit aber nicht ganz raus. Vor allem bei Worten wie "Flugzeuch" outete sie sich als Neigschmeckte.

Ihr Kommissar Andreas Brander wohnt wie sie in Ammerbuch und sei früher mit dem Fahrrad zur Arbeit nach Tübingen gefahren. Doch dann kam die Polizeireform. Die Kriminalpolizei in der echten Welt wurde nach Esslingen verlegt. So musste auch Brander seinen Arbeitsplatz verlegen. Statt mit dem Rad, fährt er nun also mit dem Auto zur Arbeit - wenn er nicht gerade im Stau steht.

Auch Baecker musste damit neue Kontakte knüpfen, ist es doch ihr Anliegen, möglichst realitätsnah zu schreiben. Sie zeigte den Besuchern ein Foto der Polizeidirektion Esslingen und wo darin Branders neues Büro liegt.

"Was man im Fernsehen sieht, stimmt nicht!"

An ihren ersten Besuch bei der Polizei, damals noch in Tübingen, kann sie sich noch gut erinnern. Als allererstes sagte man ihr damals: "Was man im Fernsehen sieht, stimmt nicht!" Man kann nämlich nicht einfach so in die Büros der Kommissare laufen. Weder in Tübingen, noch in Esslingen, noch sonst wo. Dazu muss man erstmal am Pförtner vorbei. Bisher hat sie es aber noch immer rein und vor allem auch wieder rausgeschafft.

Bevor die Autorin anfing zu lesen, wurde der erste Whisky verteilt. Ein Single Malt von einer Brennerei in Regglisweiler bei Ulm, ein schwäbischer Brand also. Damit die Besucher - vor allem die Männer - den guten Tropfen nicht einfach auf einmal runterkippen, gab es einen Crash-Kurs im Whisky-Verkosten.

Zuerst kommt das Schauen. Goldgelb, Richtung Bronze mit einem Stich Braun. Schwenkt man den Trunk im Glas, so kann der Connaisseur anhand der Schlieren weitere Eigenschaften erkennen. Der einfache Schreiberling erkannte darin lediglich Schlieren.

Dann folgte das Schnuppern. Keine volle Nase nehmen, sondern "kurz vorbei schnuppern", damit auch wirklich etwas vom Aroma in die Nase kommt und nicht der Alkohol alles überdeckt, so Baeckers Rat. Hm, riecht das nach Vanille vielleicht? Nach den "Tasting Notes", der Meinung der Profis also, ist im Aroma auch Aprikose dabei.

Es folgte das Highlight: das Schmecken. Auch hier: nicht gleich alles auf einmal. Erst ein bisschen, nicht gleich schlucken, sondern im Mund verteilen. Etwas kauen, damit sich das Aroma entfalten kann. Schmeckte leicht karamellig. Die Tasting Notes, die Baecker anschließend zeigte, sprachen sogar von einer holzigen Note. Zum Schluss das Spüren. Wie geht der Whisky die Kehle runter, wärmt er bis in die Fußspitzen? Mit seinen 40 Volumenprozent, die jeder Whisky laut EU-Verordnung haben muss, brannte er schon ein wenig auf dem Weg hinab.

Schauen, schnuppern, schmecken, spüren - so trinkt man Whisky

Dann begann Sybille Baecker zu lesen. Constantin Dreyer fliegt mit einer Flugschülerin über dem Ländle. Baecker zeigte den Besuchern zur Veranschaulichung Bilder des kleinen Fliegers, ein Zweisitzer in dem sie selbst auch drinsaß. "Ich hatte schon ordentlich Muffensausen", gab sie zu. Ein seltsames Gefühl sei es und "viel unmittelbarer als im großen Urlaubsflieger."

Im nächsten Kapitel wurde Dreyer dann tot aufgefunden. Im Siebenmühlental bei der Mäulesmühle. Als Baecker das ihrem Polizei-Kontakt erzählte, fragte der: "Sind wir da überhaupt zuständig?" Die Autorin hatte schon Angst, sie müsse sich einen neuen Tatort überlegen: "Ich hatte mir darüber gar keine Gedanken gemacht." Ein Blick auf die Karte gab die Auskunft: Brander ist gerade noch zuständig. Glück gehabt.

Nach der Pause wurde der zweite Whisky gereicht. Stilecht übrigens in Nosing-Gläsern. Die sind unten bauchig und halten damit das Aroma im Glas. Geschaut, geschnuppert, geschmeckt und gespürt wurde nun ein Tropfen aus Köngen, gelagert in einem Apfelmostfass. Diesmal mit einer schokoladigen Note.

Nach gut zwei Stunden durfte Brander dann endlich Feierabend machen und auch einen Whisky trinken. Einen Bro's High aus dem Tübinger Raum. Wer den Piloten Dreyer ermordet hatte, verriet Baecker den Besuchern nicht. Das muss jeder selbstnachlesen.

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