Anzeige

Gewerkschaft NGG kritisiert niedrigen Lohn von Frauen

Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es extreme Unterschiede

Artikel vom 08. März 2019

KREIS BÖBLINGEN (red). Gleiche Arbeit, unterschiedliche Bezahlung: Im Landkreis Böblingen würden Frauen, die in Vollzeit arbeiten, 35 Prozent weniger als Männer verdienen. Das kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum Internationalen Frauentag am heutigen 8. März. Sie verweist hierbei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Danach kommen Männer mit einer Vollzeitstelle im Kreis Böblingen auf ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 5187 Euro pro Monat - Frauen hingegen nur auf 3349 Euro. In Baden-Württemberg betrage der Verdienstunterschied bei Vollzeit zwischen den Geschlechtern nur 20 Prozent (Männer: 3841 Euro, Frauen: 3069 Euro). Dies liege teils an niedrigeren Positionen, die Frauen häufig besetzen, insbesondere aber auch daran, dass Tätigkeiten, die überwiegend Frauen erledigen, schlechter bewertet würden, so die NGG Stuttgart.

Gewerkschafter Hartmut Zacher spricht von einer "Diskriminierung per Lohnzettel". Es könne nicht sein, dass Frauen bei der Bezahlung trotz gleicher Arbeitszeit systematisch den Kürzeren zögen, so der NGG-Regionalchef. "Dabei sind es vor allem Frauen, die sich nach einem langen Arbeitstag um Familie und Haushalt kümmern - und das unbezahlt." Auch deshalb seien sie oft gezwungen, weniger zu arbeiten. So sind nach Angaben der Arbeitsagentur aktuell 73 Prozent aller Teilzeitstellen im Kreis Böblingen weiblich. "Gerade im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk ist es gang und gäbe, dass sie nur eine halbe Stelle haben - oder noch weniger", kritisiert Zacher. Allein das Gastgewerbe beschäftigt laut Arbeitsagentur im Kreis 3460 Minijobber, 2080 von ihnen sind Frauen.

Die Folgen seien spätestens im Rentenalter "dramatisch", so die NGG. "Wer über Jahrzehnte wenig verdient und etwa wegen Kindern Unterbrechungen im Erwerbsleben hat, der bekommt kaum Rentenpunkte. Das führt dann zu Armutsrenten, die der Staat aufstocken muss", betont Zacher. Am Ende zahlten Steuerzahler die Quittung für die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. Damit müsse Schluss sein. "Unternehmen, die Frauen und Männer für den gleichen Job unterschiedlich bezahlen, sollten mit Konsequenzen rechnen." Die Möglichkeit dazu biete zwar das sogenannte Entgelttransparenzgesetz, das seit einem Jahr gilt.

Verwandte Artikel