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Suchtbeauftragter: Fastenzeit zum Nachdenken nutzen

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    Einfach mal das Smartphone eine Weile weglegen: „Digital Detox“ (die digitale Entgiftung) ist ein neuer Trend / Foto: Bischof

Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Karfreitag bietet sich auch dazu an, über das eigene Verhalten im Zusammenhang mit dem Konsum von sogenannten Genussmitteln wie beispielsweise Alkohol nachzudenken. Viele Menschen nutzen daher diese Zeit, um bewusst einmal auf Alkohol und Nikotin über einen längeren Zeitraum zu verzichten bzw. ihren Konsum von digitalen Medien zu hinterfragen. Das empfiehlt auch der Präventionsbeauftragte des Landkreises Böblingen, Jörg Litzenburger.

Artikel vom 06. März 2019 - 12:13

Sieben Wochen Verzicht auf Alkohol .... für die Gesundheit!

Die sieben Wochen vor Ostern werden von vielen Menschen dazu genutzt, um etwas für ihre eigene Gesundheit zu tun: zu fasten, sich die eigenen Konsumgewohnheiten bewusster zu machen und/oder einfach nur das körperliche und geistige Wohlbefinden zu steigern.

Eine so verstandene Fastenzeit bietet sich dafür an, den eigenen Konsum von Alkohol, Tabak, Medien, Zucker und anderem zu überdenken.

Verringern Sie doch in dieser Zeit ihren Konsum von Alkohol oder verzichten sogar ganz darauf!

Thema Nr. 1: Alkohol …

Alkoholische Getränke sind für viele fester Bestandteil unseres Alltags. Ob zum Essen oder zu geselligen Anlässen, als kleine „Besonderheit“ im Alltag - Alkohol ist ein Kulturgut, auf das viele nicht verzichten wollen.

Dabei sollte der Konsum von Likör, Wein und Bier wie der Genuss eines guten Essens sein: Es bedeutet, kleine Mengen zu sich zu nehmen, zu schmecken, zu riechen und sich Zeit dabei zu lassen. Zum Genießen gehört auch die Fähigkeit, „Nein“ zu sagen, wenn der Konsum nicht angesagt ist: Wenn wir arbeiten, ein Fahrzeug führen, es unser Gesundheitszustand es nicht erlaubt,…

Nachdenken … lohnt sich!

Es gibt viele gute Gründe, den eigenen Alkoholkonsum zu hinterfragen. Wer in Maßen trinkt, schadet seinem Körper in der Regel nicht, aber wer regelmäßig oder gelegentlich zu viel trinkt, geht Risiken ein:

  • Es kann verstärkt zu Unfällen im Straßenverkehr kommen.

  • Die Sturzgefahr – auch im Haushalt – kann sich erhöhen.

  • Bestehende Erkrankungen können verschlimmert, Genesungsprozesse verlangsamt werden.

  • Wechselwirkungen mit Medikamenten gegen bestehende Erkrankungen können entstehen.

Ein Gläschen in Ehren …

… bedeutet für Männer, nicht mehr als zwei alkoholische Getränke (z.B. 0,6 l Bier oder 0,3 l Wein) pro Tag zu sich zu nehmen.

Bei Frauen ist der Grenzwert deutlich niedriger: Sie sollen nicht mehr als ein alkoholisches Getränk täglich zu sich nehmen, also nur 0,3 l Bier oder 0,15 l Wein.

Sowohl Männer als auch Frauen sollten an mindestens 2 Tagen in der Woche keinen Alkohol trinken.

will niemand verwehren!

Wer es schafft, einen maßvollen Umgang mit Alkohol zu pflegen, kann etwas für seine Gesundheit tun und Problemen vorbeugen.

Fragen, die sich jeder, der Alkohol trinkt, stellen sollte, lauten: Wo sind meine Grenzen für einen risikoarmen Alkoholkonsum? Wie viel und wie oft ist für mich Alkohol vertretbar und ab wann wird es für mich gefährlich?

 

 

"Digital Detox“ – eine Idee für die Fastenzeit

Die sieben Wochen vor Ostern werden von vielen Menschen dazu genutzt, um etwas für ihre eigene Gesundheit zu tun: zu fasten, sich die eigenen Konsumgewohnheiten bewusster zu machen und/oder einfach nur das körperliche und geistige Wohlbefinden zu steigern.

Eine so verstandene Fastenzeit bietet sich dafür an, den eigenen Konsum von Alkohol, Tabak, Medien, Zucker und anderem zu überdenken.

Digital Detox“ ist ein neuer Trend

Bei der „digitalen Entgiftung“ geht es v. a. darum, den Zugang zu Diensten und Benachrichtigungen zeitlich zu begrenzen. Dass dieser Trend einen ernsthaften Hintergrund hat, zeigen die Erfahrungen bei übermäßigem Gebrauch von Smartphone und sozialen Netzwerken: Die intensiven „User“ lassen sich ständig von Nachrichten, Feeds, u. a. ablenken. Sie kommen gar nicht mehr zum realen Leben. Das ganzheitliche Wahrnehmen mit allen Sinnen gerät in den Hintergrund. Übertreiben wir es mit der Nutzung digitaler Medien für lange Zeit können die Folgen individuell ernsthaft sein: unsere Konzentrationsfähigkeit leidet, wir fühlen uns ständig erschöpft oder reagieren depressiv. Die intensive Nutzung kann auch abhängig machen.

Die Möglichkeiten „digital zu Fasten“ sind vielfältig und können bei kleinen Schritten beginnen: Für Familien eignet es sich besonders, smartphonefreie Räume oder Zeiten zu schaffen, bspw. während Schlafenszeiten oder bei dem gemeinsamen Abendessen.

Das digitale Verzichten während der Fastenzeit kann sich auszahlen: Erlebnisse werden wieder gelebt anstatt nur „gepostet“, Wertschätzung zeigt sich nicht mehr durch Klicks und Likes sondern zum Beispiel durch ein Lächeln. Echte Beziehungen stehen wieder mehr im Vordergrund.

Die Internetseite https://www.ins-netz-gehen.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet vielfältige Informationen.

 

 

Fastenzeit – das Rauchen einschränken oder ganz darauf verzichten

Die sieben Wochen vor Ostern werden von vielen Menschen dazu genutzt, um etwas für ihre eigene Gesundheit zu tun: zu fasten, sich die eigenen Konsumgewohnheiten bewusster zu machen und/oder einfach nur das körperliche und geistige Wohlbefinden zu steigern.

Eine so verstandene Fastenzeit bietet sich dafür an, den eigenen Konsum von Alkohol, Tabak, Medien, Zucker und anderem zu überdenken.

Deshalb regen wir vom Suchthilfenetzwerk im Landkreis Böblingen dazu an: Verringern Sie doch in dieser Zeit ihren Konsum von Nikotin oder verzichten sogar ganz darauf!

Prävention wirkt - Tabakkonsum ist rückläufig

Dass Tabakraucher/innen einen enormen gesundheitlichen Preis zu zahlen haben, ist allgemein bekannt. 13,5% aller Todesfälle in Deutschland waren 2013 auf das Rauchen zurück zu führen (Mikrozensus 2013, Todesursachenstatistik).

Was den Konsum anbelangt, gibt es für Deutschland in den letzten Jahren jedoch einige positive Trends:

  • Die Raucherquote bei Erwachsenen ist seit 2003 um etwa 30 Prozent gesunken.

  • Der Anteil rauchender Jugendlicher hat sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren um zwei Drittel verringert.

  • Der Anteil der Mütter, die während der Schwangerschaft rauchen, hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren halbiert.

(Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung, 2018)

 

Einiges wurde also erreicht. Diese Fortschritte dürfen jedoch nicht darüber hinweg täuschen: Der Anteil der Raucher ist in Deutschland im internationalen Vergleich hoch: 25% der Bevölkerung rauchen. Innerhalb der Europäischen Union liegen wir nur im Mittelfeld. (Durchschnitt EU 26%, Eurobarometer 458 05/2017)

 

E-Zigaretten und Tabakerhitzer im Trend

Die erzielten Erfolge sind leider in Gefahr: Die Tabakindustrie bewirbt seit einiger Zeit neue Produkte und Konsumformen. Oft werden dabei gesundheitliche Vorteile unterstellt. Die Studienlage hinsichtlich dieser Produkte ist noch gering. Klar scheint jedoch bereits jetzt: Allenfalls könnten die gesundheitlichen Risiken des Tabakkonsums etwas geringer sein.

Wasserpfeifen bei jungen Menschen populär

Viele glauben, dass Tabakkonsum in Wasserpfeifen wesentlich weniger gesundheitsschädlich sei, als das Rauchen von Zigaretten. Auch hier fehlen noch Forschungsdaten. Nach bisherigen Erkenntnissen ist davon auszugehen, dass die Gesundheits- und Suchtgefahren ähnlich hoch sind, wie beim Rauchen von Zigaretten.

Übrigens: Auch der Rauch von tabakfreien Wasserpfeifen enthält eine Vielzahl an Substanzen, die potenziell gesundheitsgefährdend sind. Darüber hinaus entsteht durch das Verbrennen der Inhaltsstoffe beim Rauchen Kohlenmonoxid, das nicht nur für die Konsumenten, sondern auch für Passivraucher schädlich ist.

(Ausgewählte Fragen und Antworten zu Wasserpfeifen, Aktualisierte FAQ des Bundesinstituts für Risikobewertung, 11/2016)

Die bisherigen Erfolge zur Verminderung des Tabakkonsums sollten verteidigt werden. Wir dürfen in unseren Anstrengungen nicht nachlassen.


 

Suchtprävention im Landkreis Böblingen

Gesundheitsprävention ist eine Aufgabe vieler Institutionen. Das Land Baden-Württemberg fördert hierfür die Stellen der Präventions- und Suchtbeauftragten. Beim Landratsamt Böblingen koordiniert dieser das Kommunale Suchthilfenetzwerk. Es wird für eine Abstimmung der Maßnahmen der verschiedenen Akteure, wie z.B. Schulen, Polizei, Krankenversicherungen, etc. gesorgt. Aber: Alle Initiativen entfalten ihre Wirkung nur, wenn sie von uns allen im Alltag unterstützt werden. Deshalb:

  • Jugendschutzbestimmungen beachten

Tabakkonsum erst ab 18 Jahren, Verkaufsverbot von Tabakwaren an Jugendliche,…

  • Jungen Menschen ein positives Vorbilder sein

Wenn Eltern und Bezugspersonen zeigen, dass sie das Rauchen einschränken oder ganz aufhören können, erleben junge Menschen glaubhafte Vorbilder.

Und wenn Sie es nicht alleine schaffen, gibt es professionelle Unterstützung. Z. B. bei der kostenfreien Telefonberatung zur Rauchentwöhnung bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter: 0 800 8 31 31 31.

 

Suchthilfezentren im Landkreis

  • Suchthilfezentrum Böblingen, Telefon: 07031 216514, Landhausstr. 58, 71032 Böblingen

  • Suchthilfezentrum Sindelfingen, Telefon: 07031 2181-230, Hintere Gasse 39, 71063 Sindelfingen

  • Suchthilfezentrum Herrenberg, Telefon: 07031 2181-640, Bahnhofstr. 18, 71083 Herrenberg

  • Suchthilfezentrum Leonberg, Telefon: 07152 9013540, Agnes-Miegel-Str. 5, 71229 Leonberg

Die Suchthilfezentren haben ebenfalls eine anonymes Onlineberatungsangebot: https://www.evangelische-beratung.info/suchtberatung-bb

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