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Israel Haydn Quartett um Yair Kless spielt in Musikschule Sindelfingen

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    Violinist Yair Kless (links) bekam schon Blumen, da wurde noch gar kein Ton gespielt. Grund: er kommt seit 30 Jahren nach Sindelfingen Foto: red

Bevor der erste Ton erklang bekam der Solist Yair Kless am Samstag einen Blumenstrauß. Aus gutem Grund: Seit 30 Jahren ist es Tradition, dass der israelische Violinprofessor Yair Kless nach Sindelfingen kommt, Meisterkurse abhält und ein Konzert gibt. Diese 30 Jahre wurde mit einem ausverkauften Konzert gefeiert.

Artikel vom 03. März 2019 - 19:54

Von Jan Renz

SINDELFINGEN. Studenten aus aller Welt zieht es in die Sindelfinger Schule für Musik Theater und Tanz, ein architektonisches Juwel, so mancher ließ sich das Konzert des Dozenten dort am Samstag nicht entgehen. Es fand im gläsernen Odeon der Musikschule statt.

Brigitte Stegmaier vom Sindelfinger Kulturamt freute sich über ein "übervolles Haus", wegen des Andrangs begann das Konzert mit Verspätung. Sie blickte auf 30 Jahre zurück. Die Studierenden kämen aus aller Welt nach Sindelfingen. "Sie sind von der Stadt, den Menschen und der Gastfreundschaft beeindruckt." Manche von ihnen machen eine steile Karriere und musizieren heute in renommierten Orchestern.

Kless' Sohn ist ebenfalls Geigendozent in Sindelfingen

Anlässlich des 30-jährigen Jubiläums reiste Yair Kless mit einer hochkarätigen Kammermusikformation an: dem Israel Haydn- Quartett aus Tel Aviv. Mit dabei der Sohn Eyal Kless am ersten Pult. Er ist seit einigen Jahren ebenfalls Geigendozent der Sindelfinger Meisterkurse. Mit Bedacht hat sein Quartett seinen Namen gewählt. Joseph Haydn war ein Meister der Kammermusik und der Schöpfer des Streichquartetts.

Das ausverkaufte Konzert begann mit Franz Schubert: Der Komponist schuf über 600 Lieder. Eine wichtige Rolle spielt in seinem Gesamtwerk die Kammermusik, man denke an die Klaviertrios oder Streichquartette. Auch hier spürt man die Bedeutung, die das Lied für Schubert hatte.

Schubert knüpft an die klassische Tradition an, weist aber weit in die Zukunft. Das Konzert begann mit Schuberts Rondo A-Dur D 438 für Violine und Streichquartett. Auch hier hinterlässt die Liedleidenschaft Schuberts Spuren: auffällig das unbeschwerte, sonnige, Rondothema. Es gibt viele gesangliche Phrasen. Mit noblem Ton und stoischer Miene musizierte der Solist Yair Kless. Das Haydn-Quartett assistierte mit filigranem, homogenem Klang.

Dann durfte der Geigenprofessor pausieren. Vor der Pause erklang von Felix Mendelssohn Bartholdy das Streichquartett e-Moll op. 44 Nr. 2. Die Deutung kam aus der Stille. Zweierlei fiel auf: die Intensität des Spiels und die Klangseligkeit. Die Musik scheint förmlich zu sieden. Unter der schönen Oberfläche brodelt es gewaltig. Mit viel Energie machten das die vier Streicher deutlich.

Für Schumann war der ein Jahr ältere Kollege "der Mozart des 19. Jahrhunderts". Im zweiten Satz ist der Mendelssohn-Ton zu vernehmen: man meinte Feen vorüber huschen zu sehen. Die vier Musiker kommunizierten auch mit Blicken, lächelten sich etwa zu. Mit einiger Verve wurde das Finale gestaltet, fein gewobene Strukturen erlebte man hier.

Hauptwerk des Abends war ein Konzert von Ernest Chaussons

Hauptwerk des Abends war Ernest Chaussons Konzert für Klavier, Violine und Streichquartett D-Dur op. 21. Es heißt Konzert, ist aber ein Kammermusikwerk, und zwar Chaussons gewichtigstes.

Chausson (1855-1899) gehörte zum Kreis der Komponisten um César Franck, die nach 1870 eine Erneuerung der französischen Musik auf ihre Fahnen geschrieben hatten. Es gibt Parallelen zu Mendelssohn: Aus reichem Elternhaus (einer Unternehmerfamilie) stammend, wurde Chausson wie Mendelssohn vielseitig ausgebildet: Auch Chausson war eine Mehrfachbegabung: Lange schwankte er zwischen Literatur, bildender Kunst und Musik.

In seiner Musik scheint er opulente Gemälde zu entwerfen. Chausson beschäftigte sich mit alter französischer Musik (man hörte es im zweiten Satz), vor allem aber wurde er beeinflusst von Harmonik und Leitmotivtechnik Richard Wagners. Chausson besitzt einen ganz eigenen, schwerblütigen Ton. Für die sechs Musiker war das eine Gelegenheit, in spätromantischen Farben zu schwelgen. Diese 40-Minutenwerk war von überbordender Klanglichkeit geprägt. Hier gaben die sechs Musiker alles, und sprachen mit einer Stimme.

Neben Yair Kless tat sich auch Pianist Florian Wiek als Solist herovr

Es gab hier zwei Solisten: neben Yair Kless tat sich der Pianist Florian Wiek hervor, Klavierprofessor an der Musikhochschule Stuttgart. Er bereitete für den Geigensolisten einen Klangteppich zur Entfaltung. Markant entwarf er seine Themen, einmal bot er auch glitzernde Klangkaskaden auf. Das Finale schien abgesehen vom markanten Hauptthema nichts Neues zu bringen: immer wieder das spätromantische Schwelgen, die Geige darf innig singen. Passend zu Chausson: Überbordender Applaus. Noch einmal Blumen: diesmal für alle sechs Musiker.

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