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Lebhafte Farbtupfer in den Burgräumen

Der Kunstverein Freies Gestalten Böblingen-Sindelfingen zeigt Ausstellung auf der Burg Kalteneck in Holzgerlingen

Artikel vom 03. März 2019 - 19:48

Von Anne Abelein

HOLZHERLINGEN. Mit Abstraktionen, Tierporträts, Karnevalsszenen und Schmuck war der Kunstverein Freies Gestalten Böblingen-Sindelfingen am Wochenende auf der Burg Kalteneck zu Gast. Neben Acrylbildern waren auch Arbeiten in Mischtechnik zu sehen. Zur Zeit experimentieren die Mitglieder außerdem gern mit Aerocolor.

Wer in das obere Foyer der Burg Kalteneck trat, sah sich einem ganzen Regenbogen an Farben gegenüber: Da war etwa Sabrine Wowras Marianne Werefkin mit übergroßem Hut im Stil Gabriele Münters und der Werefkin. Dabei hat sich Wowra Aerocolor bedient, die sich durch Dünnflüssigkeit und Leuchtkraft auszeichnet. Rita Olmas "Lichtspiele", ebenfalls mit Aerocolor und zudem Acryl-Pigmenten geschaffen, gleichen kosmischen Ereignissen in fernen Galaxien. Eckhard Weigl stellt mit einem lockeren, kunterbunten Aquarellgewebe und Farbspritzern einen Frosch und eine Schildkröte dar.

Andrea Busch verwandelt Glas in variantenreich geformte Ketten

Farbstark präsentierte sich auch die Kunst der Schmuckmacherin Andrea Busch aus Holzgerlingen. Kleine Glasstäbchen aus Weich- oder Hartglas verwandelte Andrea Busch mit der Kraft der Flamme in Ketten mit variantenreich geformten Gliedern. Oder sie verschmelzte farbiges Glas im Ofen und schaffte dort Steine mit aussagekräftigen Farbeffekten für ihre Ringe.

Hiltraud Lindner hat ein Fensterbild in leuchtenden Blau- und Grüntönen aus Tiffany-Glas zur Ausstellung beigetragen, das einen schilfgesäumten Seerosenteich zeigt. - Wenn da mal die beiden Schwäne im Burggraben nicht neidisch werden. Grün- und Türkistöne, aber auch viele andere wählte Yvonne Paetel für ihre Bilder und Skulpturen, in denen sie sich von der Kultur der Maori beeinflussen ließ.

Bei Aufenthalten in Neuseeland 2005 und 2013 hatte sie die Gelegenheit genutzt, deren Kunst genau zu studieren und ihre Symbole übernommen. - Besonders die Spirale, die für den Kreislauf des Lebens und die Harmonie steht. Außerdem lässt sie Kiwis in vielen Varianten (zum Beispiel als Collage aus Euro-Schnipseln) und Land Art mit bemalten Steinen in ihren Arbeiten auftauchen.

Zwei Ausstellungen zeigt der Kunstverein Freies Gestalten Böblingen-Sindelfingen pro Jahr, allerdings nicht in seinen Heimatorten direkt: "Seitdem es die Galerie contact nicht mehr gibt, gehen wir nach Dagersheim und einmal im Jahr nach Holzgerlingen", sagt die Pressesprecherin Gerlinde Kienzle. Rund 30 Künstlerinnen aus dem Kreis sind derzeit Teil des Vereins. Die sind zwar sehr aktiv, wie die Ausstellung beweist, aber: "Wir könnten durchaus ein paar jüngere Mitglieder mit aufnehmen", meint Kienzle.

Neben den Farb-Statements waren in der Schau auch die leisen Töne vertreten: etwa Marion Hämmerlings intime Bleistiftzeichnungen. Da beugte sich erschöpft eine Tänzerin zu ihren Füßen, und ein "Kleiner Franzose" mit Baskenmütze blickte keck aus dem Bild. Nur wenige Elemente hob Hämmerling mit Prismacolor heraus.

Den Pastelltönen hat sich Inge Schubert verschrieben. Sie hat mit Acryl passend zur Jahreszeit Karnevalsimpressionen in Venedig eingefangen. Dabei legte sie ihr Augenmerk besonders auf die Kleider, die über den Boden fegen und zeigte die Masken und architektonischen Details nur skizzenhaft. So entgeht sie der Gefahr des Kitsches.

Einige Kunstvereinsmitglieder arbeiten auch rein abstrakt. Eine interessante Technik verwendet zum Beispiel Monika Kraft-Laumen. Ihre Bilder sind Sägearbeiten, die sich aus vielfältig rhythmisierten Plättchen in fein abgestuften Tönen zusammensetzen. Weiße, dünne Farbausläufer in den Rillen bringen zusätzlich Spannung mit hinein. Mit einer reizvollen Mischung von Blüten, Mustern und Ranken, die rechteckig oder quadratisch von Konturen begrenzt sind, schaffte Irmgard Meyer ihre Abstraktionen.

Sonja Rinderknecht arbeitet mit Asche

Sonja Rinderknecht schließlich arbeitet zum Beispiel mit mit Materialien wie Asche stark die Oberflächen von ihren unregelmäßig begrenzten Farbflächen mit feiner Zeichnung hinaus. Manche Künstler arbeiten auch ganz traditionell gegenständlich: Magdalena Schmitz steuerte eine Heidelandschaft mit vielfältigen Grasgewächsen in Öl bei. Valerie Mills-Gerlicher ist auf Safari gegangen und hat in lockerer Malart Tiere wie Büffel oder einen Löwen porträtiert, der dem Betrachter zufrieden entgegengähnte. Offenbar hat er sich an Aerocolor und Acryl sattgefressen.

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