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Künstler Erhard Haller präsentiert seine Ausstellung "Die Freude am Zitat"

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    Erhard Haller vor seiner Darstellung biblischer Szenen - blutrot hier Jesus -, inspiriert von Rembrandt und Grünewald Foto: Anne Abelein

Erhard Haller spielt in der Schau "Die Freude am Zitat" mit altbewährten Stilen und Motiven aus der Kunstgeschichte. Das Spektrum seiner Bilder in der Galerie im Oberlichtsaal Sindelfingen reicht von biblischen und mythologischen Motiven, teils lebhaft abstrahiert, bis hin zu Stillleben.

Artikel vom 26. Februar 2019 - 17:18

Von Anne Abelein

SINDELFINGEN. Wer einen raschen Ritt durch die Kunstgeschichte unternehmen will, ist im Sindelfinger Oberlichtsaal richtig: Hier urteilt der Grieche Paris über die Schönheit von eigenwillig geformten Göttinnen, dort reitet Venus (in einem abstrakten Farbgestöber), und andernorts verspotten Folterknechte Christus. Auch an berühmte Vorbilder angelehnte Stillleben sind zu finden und ein impressionistisch inspiriertes Bild. Felix Sommer vom Oberlichtsaal vermutete in seiner Einführungsrede, dass sich Erhard Haller "ein Stück bacchantisches Lebensgefühl bewahrt hat" und entdeckt zudem den Einfluss barocker Kirchen in den Bildern des Künstlers aus Markdorf, die tatsächlich von schwellenden Formen und leuchtenden Farben fast überquellen. Reduktion ist Erhard Hallers Sache nicht, und das grelle Kolorit muss man mögen.

Erhard Haller wechselt nach Lust und Laune die Epochen

Es war der surrealistisch beeinflusste Sindelfinger Künstler Joachim Kupke, der Haller an den Oberlichtsaal vermittelt hat. Beide verbindet eine lange Freundschaft, denn Haller ist in Sindelfingen geboren und aufgewachsen. Kupke liefert gemeinsam mit Reiner Pfleiderer auch den leicht melancholischen, gitarrengesättigten Sound zur Ausstellung. Die Band "If you wanted to" existiert schon seit den 70er-Jahren und zählt sonst noch mehr Mitglieder. Heute ist sie in kleiner Besatzung unplugged mit "romantischen Liedern" zu hören.

Zur Vernissage spricht auch der Künstler Erhard Haller selbst und unterstreicht, wie förderlich das künstlerische Klima in Sindelfingen auf ihn gewirkt hat. Es waren noch die Tage der Sindelfinger Sezession, die zwischen 1958 und 1970 die Kunstszene aufwirbelte, und gerade das Gründungsmitglied Fritz Kohlstädt ist Haller noch gut in Erinnerung geblieben. "Ich habe wie ein Schwamm alles aufgesogen", meint er. Doch auch seine Familie und seine Lehrer haben ihn tatkräftig unterstützt. Unter ihnen zum Beispiel Rose Barth, die später eine Kunst- und Werkschule gründete. Mehrere seiner Lehrer kauften die Werke des Schülers an.

Wie verfällt Erhard Haller auf seine Motive und warum bedient er sich altbekannten Stilen aus der Kunstgeschichte? "Das Schöne ist immer aktuell", findet er. Dabei wechselt er nach Lust und Laune die Epochen und bringt auch seinen eigenen temperamentvoll überbordenden, humorvollen Stil mit hinein. Gerne präsentiert Erhard Haller Akte mit voluminösen Körpern, wie zum Beispiel im Fall von "Susanna und die Alten". Indem er zwei blödelnde Kindergestalten über den beiden Spannern platziert, bringt er eine eigene Note hinein.

Haller mopst sich den Strohhut von van Gogh

Biblische Szenen wie eine Ecce-Homo-Darstellung und die Verspottung Christi sind Grünewald und Rembrandt nachempfunden. Doch hat er die dunkle Palette Rembrandts aufgehellt und das Blau hervorgehoben, und die drastischen Grünewald-Figuren sind verzerrt abstrahiert, Jesus ist als blutrote Kreuzform hervorgehoben, die Gesichter sind ausgelöscht.

In einigen Bildern hat Erhard Haller sich die flirrenden Pinselzüge van Goghs zu eigen gemacht und auch gleich dessen Strohhut gemopst. Er verwendet in diesen Arbeiten ein pastelliges, leuchtkräftiges Kolorit. Das dominiert auch das Bildnis von Don Quijote. Betrachtet man den aufgewühlten Hintergrund, fühlt man am eigenen Leib, in was für einem haarsträubenden Ritterabenteuer sich der Recke befindet.

Weitere Bilder greifen den grobkonturierten Stil des späteren Picassos auf. Hier sind auch Hallers kunterbunte Holzskulpturen einzuordnen, die an primitivistische Kunst erinnern. Neben Figurendarstellungen sind Stillleben zu sehen, die sich an Willem Kalff und Georg Flegel anlehnen. Ein Selbstbildnis mit einem aufmerksamen, leicht skeptischen Blick aus Hallers dunklen Mandelaugen darf natürlich auch nicht fehlen.

Die Ausstellung ist bis zum 23. März zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag 14 bis 19 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr, an Feiertagen geschlossen.
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