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Elvis-Imitator Nils Strassburg in Böblingen

Der in Altdorf aufgewachsene Elvis-Imitator Nils Strassburg bringt den Glamour von Las Vegas in die nahezu ausverkaufte Böblinger Kongresshalle

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    Passende Stimmfarbe, schillernde Outfits und spektakuläre Tanzeinlagen: An das Original kommt Nils Strassburg beeindruckend nahe heran Fotos: edi
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    Noch jemand ohne Schal? Schweißgetränkte Souvenirs und Küsse für Kuss für die Ladies
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    Überraschung: Die zweite Konzerthälfte eröffnet die Band auf einem Podest mitten im Saal
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    Verena Nübel (links) unterrichtet an der Böblinger Musikschule
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    Veranstalter des Abends war der IBM Klub - die Malsparte hat dem Sohn von Vereinschef Volker Strassburg zahlreiche Motive gewidmet Foto: edi
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    Treuer: Fanclub "Es gibt viele Elvis-Imitatoren, aber nur einen Nils Strassburg"

Heimspiel für den King: Nils Strassburg und seine Roll Agents haben am Freitag in der Kongresshalle eine Rock'n'Roll-Party gefeiert, bei der wohl sogar der echte Elvis aus dem Grab heraus noch anerkennend beide Daumen nach oben gereckt hätte - wenn auch manches an dem Auftritt ein bisschen gewöhnungsbedürftig war.

Artikel vom 24. Februar 2019 - 19:06

Von Eddie Langner

BÖBLINGEN. Dieser Moment scheint einfach kein Ende zu nehmen. Wie in Endlosschleife wiederholt Elvis-Darsteller Nils Strassburg immer dieselbe Zeile aus dem Song "Suspicious Minds":

"We're caught in a trap, I can't walk out,

because I love you too much baby!"

Während Band und Background-Sängerinnen ihn unermüdlich begleiten, kommen pausenlos weibliche Fans an den Bühnenrand. Sie alle wollen einmal ganz nah ran an den Mann mit der Schuhcreme-schwarzen Schmalzlocke, den Koteletten und dem weißen Glitzer-Overall. Strassburg lässt sich nie zweimal bitten: "Come here, Baby", sagt er, hängt einer Frau nach der anderen einen pastellfarbenen Schal um den Hals und drückt ihr mit hörbarem Schmatzen links und rechts einen Kuss auf die Wange.

Was die Geste ein klein bisschen eklig macht, ist, dass der falsche Elvis sich vorher jeweils großzügig seinen Originalschweiß mit dem Schal von Stirn, Brust, Bauch und später sogar Achseln abwischt. Die Frauen scheint das nicht zu stören. Verzückt strahlend läuft eine nach der anderen mit ihrer Trophäe zurück zu ihrem Sitzplatz.

Die schweißgetränkten Schals sind nicht das Einzige, das den Auftritt ein bisschen gewöhnungsbedürftig macht. Der Umstand, dass der Sänger das komplette Konzert über in seiner Elvis-Rolle bleibt und das Publikum durchweg auf Englisch anspricht, ist einerseits konsequent. Andererseits erscheint es schon etwas schräg, wenn Nils Strassburg, der in Altdorf aufgewachsen und in Holzgerlingen zur Schule gegangen ist, mit vernehmbar deutschem Akzent Grüße an "Mei Fahsser, Voulker Strässbörg" im Publikum richtet. Volker Strassburg ist Vorsitzender des IBM Klubs Böblingen und hat diesen Abend als Veranstalter ermöglicht.

Für Stirnrunzeln bei manchen Gästen sorgt vor allem in der ersten Hälfte auch die Songauswahl. Statt sich vorrangig bei dem riesigen Fundus an Elvis-Hits zu bedienen, singt Strassburg auch Titel anderer Künstler - darunter von Ray Charles, den Righteous Brothers und Chuck Berry. Während diese Songs zeitlich und stilistisch durchaus ins Konzept passen, wirkt ein Beatles-Medley dann doch ein wenig wie aus einem irren Paralleluniversum, in dem Elvis "Lady Madonna" und "Hey Jude" schmettert.

Das Publikum scheint sich an all dem aber nicht zu stören. Die Stimmung im Saal ist großartig. Vor allem in der zweiten Konzerthälfte, wo Strassburg deutlich mehr Elvis-Lieder präsentiert - darunter "Can't help falling in love" und "You are always on my mind", das er seiner Großmutter widmet. Bald hält es kaum noch jemand in seinem Sitz. Entsprechend fällt auch das Urteil von Elvis-Fan Regina Stähle aus Holzgerlingen aus, die mit Rudolf König und dem befreundeten Böblinger Ehepaar Werner und Ute Jaschinski zu dem Konzert gegangen ist. Nach anfänglicher Skepsis findet sie Strassburgs Elvis-Show "echt klasse".

Auch Sigrid Bahlinger erlebt einen schönen Abend in "Las Böblingen". Die eigenwillige Songauswahl gefällt der Sindelfingerin sehr gut. "Ich sehe das als Hommage an diese Künstler ", sagt sie und zupft sich den schicken Schal zurecht, den sie zuvor ergattert hat.

Auch nach der Pause rennt der "Scarf Boy", wie Strassburg seinen Bühnenhelfer nennt, ständig Backstage. Dort lagert offenbar eine ganze Lastwagenladung dieser Schals, denn der arme Kerl muss immer wieder Nachschub holen. Dass er die Dinger jeweils einzeln holt, sorgt beim Publikum ebenso für Gelächter wie die witzig-charmanten Flirts zwischen dem Elvis-Imitator und seinen Verehrerinnen.

Das Imitat ist dennoch ein Original

Die Schals sind nur eins von vielen Elementen, die diesen Abend für das Publikum so besonders machen. Ein weiteres ist die herausragende Begleitband mit den beiden glänzenden Backgroundsängerinnen - eine davon ist Verena Nübel, Gesangslehrerin an der Musikschule Böblingen.

Zentrales Element dieser perfekt durchchoreografierten Show ist aber Nils Strassburg. Der Elvis von der Schönbuchlichtung ist mehr als nur ein Imitat des "King of Rock 'n' Roll". Zwar sind seine gesanglichen Fähigkeiten eher limitiert, aber dafür vereint er in sich alles, was die "Elvis Experience" ausmacht: Stimmfarbe, Aufmachung, schillerndes Auftreten, Hüftschwung und all die spektakulären Tanzbewegungen, die den echten Elvis unsterblich gemacht haben.

All das zusammen macht ihn zum Original. Oder, um es mit den Mitgliedern des Ludwigsburger "Roll Agents"-Fanclubs zu sagen, die ihn schon zu mehr als 60 Auftritten begleitet haben: "Es gibt viele Elvis-Imitatoren, aber nur einen Nils Strassburg."

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