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Berliner Trio um die Pianistin Elisaveta Blumina gastiert im Odeon

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    Die Pianistin Elisaveta Blumina, der Geiger Barnabas Kelemen und die Cellistin Sennu bilden waren zu Gast im Sindelfinger Odeon Foto: red

Atemlose Stille im Odeon und danach frenetischer Applaus, dazu ein Hauch von Hauptstadt. So endete das Gastspiel von Pianistin Elisaveta Blumina, Geiger Barnabas Kelemen und Cellistin Sennu Laine am Sonntagabend in der Reihe "Musik für Sindelfingen".

Artikel vom 19. Februar 2019 - 17:18

SINDELFINGEN (red). Und trotzdem keine Zugabe. Nach Shostakowitschs e-Moll-Trio, so erklärte Elisaveta Blumina mit einem charmanten Lächeln, könne man nicht einfach so weiterspielen. Eine durchaus treffende Einschätzung, die auch dem klug aufgebauten Programm entsprach. Der Obertitel des Abends "Elegie - Musik von Trauer und Trost" hatte schon ahnen lassen, dass dem Publikum zwar erlesene, aber nicht ganz leichte Kost vorgesetzt werden würde.

Bereits das "Trio élégiaque" des jungen Rachmaninov, komponiert unter dem Einfluss Tschaikowskis, zeigte den Weg auf, den der Abend nehmen würde: ein Konzert der Kontraste und ein Wechselbad der Gefühle. Was sich aber ebenfalls bereits in den ersten Takten andeutete war die Klasse der Künstler. Der Sindelfinger Flötist Jürgen Werner hatte das Gastspiel des Trios aus Berlin vermittelt und man konnte im Laufe des Konzertes durchaus nachvollziehen, was das immer mal wieder zitierte "Hauptstadtniveau" bedeutete.

Schwermütige slawische Melodien mit flotten volkstümlichen Teilen

Weiche Pianos, dynamische Kontraste, eine große Klangfülle aber auch absolute Klarheit im Detail. Hier musizierten drei Künstler auf hohem Niveau und bewiesen, dass die Auszeichnungen in ihren Lebensläufen mehr als verdient sind. Beim zweiten Stück des Abends, dem "Dumky" genannten Trio von Antonin Dvorak konnte sich das Publikum im gut besetzten Odeon ein wenig entspannen.

In der ukrainischen Dumka wechseln sich schwermütige slawische Melodien stets mit flotten, fast schon volkstümlichen Teilen ab. Ein Kompositionsprinzip, das die ohnehin schon vorhandene Spielfreude des Blumina-Trios noch steigerte.

Nach der Pause dann also Shostakowitsch. Kam das Publikum noch blendend gelaunt aus der Pause, machten bereits die ersten, dahin gehauchten Flageolett-Töne klar, dass es jetzt um die nackte Existenz ging. "Wahrscheinlich das Allertragischste im Schaffen Shostakowitschs" urteilt ein Biograph des sowjetischen Komponisten. Der Tod eines Freundes, Krieg und Genozid haben ein Werk entstehen lassen das in der vermeintlich harmlosen Gattung des Klaviertrios sinfonische Ausmaße annimmt. Den Gästen aus der Hauptstadt gelang mit vollem Einsatz und große Hingabe eine packende Interpretation, die nach dem letzten Ton eine atemlose Stille hinterließ ehe sich der Applaus Bahn brach. Die Zugabe hat übrigens tatsächlich keiner vermisst.

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