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Glücksgefühle aus der Hammond-Orgel

CD-Tipp

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    Barbara Dennerlein F: Newtone Management

Artikel vom 19. Februar 2019 - 17:18

Von Bernd Epple

"Best Of Blues" - aber wen lockt eine weitere Blues-CD noch hinterm Ofen vor? Wenn er so heiß gespielt wird wie von Barbara Dennerlein, braucht man selbigen erst gar nicht in Betrieb zu nehmen. Das zu Jahresbeginn erschienene Album umfasst neun Stücke, die einem eine gute Stunde lang tüchtig einheizen.

Neu sind sie nicht, aber erstmals zusammen auf eine Scheibe gepresst. Eine erlesene Auswahl an Blues-Titeln, die Barbara Dennerlein im Laufe ihrer Karriere bislang komponiert und im Solo sowie in unterschiedlichen Besetzungen eingespielt hat. Damit hat die Künstlerin ein Album speziell ihren "Blüsern" gewidmet. Die CD umfasst Aufnahmen aus dem Zeitraum 1985 bis 2014 in unterschiedlichen Besetzungen von Solo bis Quintett, bei denen Barbara Dennerlein stets an der Hammondorgel zu hören ist.

Das Album enthält sowohl Studio- als auch Live-Aufnahmen. "Blues", sagt Barbara Dennerlein, "ist unglaublich vielfältig und kann auf so viele verschiedene Weisen gespielt werden. Seit den Anfängen meines Orgelspiels war und ist er stets mein Begleiter, und egal, was ich spiele, das Bluesfeeling ist in jedem Moment spürbar in meiner Musik, eine Quelle der Inspiration und Ausdruck der tiefsten Gefühle."

So spannt Barbara Dennerlein einen Bogen, angefangen von traditionellem Down to Earth Blues über Boogie, Swing, Bebop und funky Blues bis hin zur experimentellen Verarbeitung des Blues, wie im Intro zu "Frog Dance", wo sie auf der Hammond Orgel durch ihre Arbeit mit den Zugriegeln, sphärische Klänge zaubert. Dieser zehnminütige Titel dient auch dank seiner unterschiedlichsten Klangcharakteristiken und Stimmungen wohl auch am besten als Visitenkarte für Dennerleins unglaublich ideenreiches Hammondorgel-Spiel.

Stillsitzen? Fehlanzeige!

Trotz oder gerade wegen der Länge der Nummer darf man sich hier entspannt zurücklehnen und ein Klangbad nehmen. Im Intro-Stück "Organ Boogie" geht es dagegen ganz anders zur Sache. Stillsitzen? Fehlanzeige! Wie bei einigen anderen Stücken gießen kongeniale Begleitmusiker noch Öl ins Feuer.

Der Karlsruher Tenor-Saxophonist Peter Lehel demonstriert eindrücklich was aus dem Instrument des Jahres 2019 alles herauszuholen ist; wie auch bei "Bebaloo", wo er mit freiem und zugleich strukturiertem Spiel einen weiteren gut tanzbaren Track einleitet.

Es folgen schöne kraftvolle Unisono-Licks mit Dennerlein und ein kreatives Saxsolo. Beides 2009 live im Lokschuppen Heidenheim aufgenommen. Dennerleins höchst virtuose Pedaltechnik erlaubt es ihr, bei allen Titeln vollständig auf einen Bassisten zu verzichten. "Tribute To Charlie" ist mit einer feinen Bläser-Section gewürzt und dürfte eine Hommage an die Bebop-Legende Charlie Parker sein. Im Sound-Spektrum ihrer Hammond B 3 scheint Dennerlein geradezu genüsslich zu baden.

Das Finale mit "This Old Fairy-Tale", 1988 im Ludwigsburger Tonstudio Bauer aufgenommen, bekommt mit E-Girarrist Christoph Widmoser und Drummer Andreas Witte noch einen kräftigen Blues-Rock-Schub á la Allman Brothers. Die CD ist eine Bluesorgie, die vor allem Hammond-Fans glücklich macht, aber auch diejenigen die nach diesem Hörgenuss zu solchen werden.

"Best Of Blues: Through The Years - Barbara Dennerlein". Erhältlich im Fachhandel oder über die Homepage http://www.barbaradennerlein.com
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