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Die Burg als Kreativlabor

Fünf Künstler präsentieren auf Einladung von Petra Wenski-Hänisch ihre Arbeiten beim "Regenbogen der Kunst" in Holzgerlingen

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    Petra Wenski-Hänisch (vorne mit Brille) und ihre ausstellenden Künstler Foto: Anne Abelein

Artikel vom 17. Februar 2019 - 19:06

Von Anne Abelein

HOLZGERLINGEN. Ein buntes Spektrum diverser Künste war am Samstag und Sonntag in der Burg Kalteneck zu erleben. Zum "Regenbogen der Kunst" hatten sich fünf Kreative um die Künstlerin und Dozentin Petra Wenski-Hänisch versammelt. Die interessierten Besucher konnten auch ein Atelier nutzen und an Workshops teilnehmen.

Das Resultat kann sich sehen lassen: Etwa 60 Leute haben den "Regenbogen der Kunst" im Laufe des Samstags besucht. "Und nur Leute, die sich interessiert haben", so Initiatorin Petra Henski-Hänisch. Jeder Künstler hat einen eigenen Raum, zum Beispiel Petra Conte-Sansi aus Besigheim: Ihre Acryl-Bilder erstrahlen im Komplementärkontrast von Türkis und Rosttönen. Den Rost erzielt sie mit chemischen Mitteln; Sande, Strukturpasten und mitunter auch Fundstücke bilden vielfältige Oberflächen. "Ich möchte die Schönheit und auch das Alter der Weltmeere darstellen", sagt die Künstlerin, die mit ihren Arbeiten zum Umweltschutz auffordert: Das Metall hat schließlich der Mensch ins Meer geschüttet. Lyrikbände mit Beiträgen von ihr liegen ebenfalls aus. Ihre jüngsten Kreationen trug sie auch vor.

Alles, was Küche und Baumarkt hergeben

Mit allem, was die Küche und der Baumarkt hergibt, geht der Leonberger Günter Bauernfeind in seinen Fotos zu Werke. Ihn faszinieren Spiegelungen in Seifenblasen und Glaskugeln und das liquide Element, das er in Großaufnahmen hinabplatschender Tropfen erforscht. Aber auch einige Pflänzlein beziehungsweise Pilze sind in seinen Bildern zu erspähen. Wenn dort Nebel wallt und exotische, überirdisch schimmernde Blüten sprießen, kann es durchaus sein, dass es sich dabei um Kältespray und eben in die Wiese eingesetzte Blumen mit geschickt platzierten Taschenlampen handelt.

Eine Vielfalt von Techniken und Motiven ist in Ulrike Haus Raum zu bestaunen. Enkaustik-Arbeiten der Marbacher Künstlerin genauso wie ein pastos gestaltetes Bergdorf in Mischtechnik mit Acryl, Menschenbilder mit lockeren Umrissen und eine "Karambolage" mit zig verspielt gezeichneten Autos. Charakteristisch für Haus sind die dynamischen Konturen, die sie einfach "aus dem Handgelenk" schüttelt. "Am liebsten male ich nachts, weil mich bei Vollmond die Muse küsst", sagt sie. Und das hilft, die Arbeiten auf die schwungvolle Komposition zu reduzieren.

Ralf Rabemanns Malereien wie auch seine Siebdrucke sind von ausdrucksstarken kleinen Figuren mit langen Armen und Fingern wie Rechen dicht bevölkert. Der Böblinger Künstler hatte dabei A.R. Pencks archaische Zeichnungen und C.G. Jungs Archetypen im Sinn. In anderen Arbeiten fällt der sinnfällige Untergrund ins Auge. So hat er die ausrangierte Tür einer Kunsthandlung mit einem ganzen Panoptikum seiner Gestalten in Mischtechnik bemalt, und tatsächlich haben seine Bilder zwecks Rahmung diese immer wieder passiert. Rabemann sucht das "Lebendige" und die "Momentaufnahme" in seiner Malerei. "Mir ist der Prozess wichtig", betont er.

Petra Wenski-Hänischs Atelier Regenbogenkunst ist in Dagersheim zu finden, und auf der Burg kann man einen Einblick in ihr reiches Schaffen gewinnen. Da breiten sich riesige Bildpanoramen mit abstrakter Malerei und realistischen Motiven wie Augen, Lippen, Schmetterlingen oder Vögeln aus. In ihren kleinformatigen Strukturbildern schichtet sie Acrylfarbe so lange, bis sich reliefartige "Gebirge" aufbauen. Sie sind eng mit ihren Skulpturen und Schmuckstücken verknüpft, denn in ihre märchenhaft leuchtenden Kompositionen mit spirituellem Hintergrund sind auch Silberguss-Elemente eingebettet. Immer wieder tauchen kleine Figuren (gerne paarweise) und das Motiv des Blattes auf, und das Leben und die Liebe sind bei ihr in der Tat zentrale Motive.

Ehemann lässt sich von Schaffensfreude anstecken

Das Workshop-Zimmer, wo man sich in der Schmuck-Herstellung versuchen konnte, blieb dabei eher leer, was aber nicht heißt, dass keine Besucher mit dem Angebot geliebäugelt hätten. "Die kommen zu mir ins Atelier, weil da mehr Ruhe ist", meint Wenski-Hänisch.

Vor einigen Jahren hat sich ihr Ehemann Nico Hänisch von ihrer künstlerischen Schaffensfreude anstecken lassen; auch seine surrealistischen Fotos sind spirituell angehaucht. Wenn er einen Sonnenuntergang über dem Meer oder eine Wiese mit rätselhaften Sandstrukturen überblendet, spielt er damit auf Chakren an, denen jeweils bestimmte Farben zugeordnet sind.

In Fotomontagen mit Venedigmotiven kombiniert er mit Blick fürs Detail charakteristische Eindrücke der Stadt und der Region. So zum Beispiel die Farben der Insel Murano - Sonnengelb und Himmelblau. Außerdem zeigt er Skulpturen seiner Frau in märchenhafter Umgebung wie moosigen Wäldern oder im Wasserfall. Auf einmal verwandeln sie sich in Monumentalplastiken.

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