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Gut gegen Nordwind im Sindelfinger Theaterkeller

Das Interview: Karsten Spitzer inszeniert im Sindelfinger Theaterkeller "Gut gegen Nordwind"

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    So nah und doch so fern: Femi Morina und Sandra Willmann zeigen in Karsten Spitzers Inszenierung von "Gut gegen Nordwind", wie aus einer fehlgeleiteten E-Mail Liebe werden kann Foto: red
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    Karsten Spitzer

Artikel vom 05. Februar 2019 - 16:30

Von Eddie Langner

Hallo Herr Spitzer, ab 1. März präsentieren Sie mit dem Ensemble Szene03 die Bühnenadaption von Daniel Glattauers E-Mail-Roman "Gut gegen Nordwind". Wie kamen Sie auf dieses Stück?

Ich kenne den Roman schon eine ganze Weile. Auf den Text bin ich bei Recherchen im Internet gestoßen. Die Geschichte gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Sie spielt auf verschiedenen Zeitebenen, sie behandelt viele relevante Themen. Ich finde, sie passt in unsere Zeit.

Wie meinen Sie das?

Weil es um einsame Großstadtmenschen geht, die versuchen ihr Glück zu finden. Die digitale Kommunikation hat hier einiges verändert. In Zeiten von Vermittlungsbörsen ist es ja Gang und Gäbe, dass Menschen sich übers Internet kennenlernen, sich austauschen und dabei ihr Seelenleben preisgeben. Das wirft kritische Fragen auf.

In seinem E-Mail-Roman überträgt Glattauer das klassische Genre des Briefromans in die moderne Zeit. Warum eignet sich so ein Stoff für ein Theaterstück?

Weil genau dies den Reiz ausmacht: Diese Form kommt im Theater nicht oft vor. Ich beschäftige mich schon seit zwei, drei Jahren mit diesem Stück, habe es mir auch schon zweimal im Theater angeschaut. Die Bühne ist bei den Inszenierungen immer zweigeteilt. Fast könnte man sagen, es sind zwei Solo-Rollen. Ich empfinde das als sehr reizvoll.

Das klingt aber auch nach einer schauspielerischen Herausforderung.

Klar, es ist schon schwierig, wenn zwei Personen ohne direkten Blickkontakt miteinander interagieren. Da müssen Gestik, Mimik und Timing perfekt passen.

Die beiden Hauptrollen spielen Femi Morina und Sandra Willmann. Warum haben Sie sich gerade für diese beiden entschieden?

Beide kenne ich schon länger. Femi spielt unter anderem am Theater Atelier in Stuttgart. Für die Szene03 im Sindelfinger Theaterkeller hat er vor zwei Jahren in meiner "Hund im Hirn"-Inszenierung von Curt-Goetz-Einaktern mitgewirkt und zuletzt war er der "Amadeus" [Regie: Spitzer, Anm. d. Red.]. Sandra Willmann arbeitet ebenfalls am Theater Atelier. Sie hat aber auch schon am Thalia Theater in Hamburg gespielt.

"Gut gegen Nordwind" ist ein populärer Roman. Im September kommt die Verfilmung ins Kino. Auch das Stück wird häufig aufgeführt. Es war vermutlich schwierig, an die Aufführungsrechte zu kommen, richtig?

Das stimmt, da hatten wir wirklich Glück. Wir haben aber auch rechtzeitig auf die Rechte zugegriffen. Manche Verlage sperren ja die Aufführungserlaubnis. Da dürfen Stücke innerhalb einer bestimmten Region dann nicht gleichzeitig an verschiedenen Spielstätten gezeigt werden. Hier war das genauso. Es gibt noch ein anderes Ensemble in der Stuttgarter Gegend, das "Gut gegen Nordwind" gerne aufgeführt hätte. Die müssen sich jetzt eben hinten anstellen.

Manche Regisseure präsentieren den Text ohne großes Drumherum, als szenische Lesung. Liegt das vielleicht daran, dass der Inszenierung durch die E-Mail-Dialogform relativ enge Grenzen gesetzt sind?

Nein, da gibt es für mich eine große Variationsbreite - allein schon durch die Persönlichkeiten der Schauspieler. Auf die kommt letztlich alles an. Das Stück bietet viel Raum für beides: extrovertiertes und introvertiertes Spiel. Ich persönlich fände eine szenische Lesung eher langweilig. Die gespielte Form ist da doch viel interessanter. Es passiert einfach sehr viel auf der Bühne.

Gut gegen Nordwind
Ein Buchstabe zu viel oder zu wenig in der Adresszeile, schon kommt die Mail nicht da an, wo sie eigentlich ankommen soll. In Daniel Glattauers Bühnenversion seines Bestsellers "Gut gegen Nordwind" passiert Emmi Rothner genau dies, mehrmals, bis der falsche Adressat - ein Mann namens Leo Leike - sich schließlich zurückmeldet. Was als Irrtum beginnt, entwickelt sich zu einer wunderbaren Geschichte des sich Kennenlernens zweier irgendwie einsamer Großstadtmenschen. Doch hat diese Geschichte auch ein Happy End?
Glattauers moderner Briefroman wurde seit seinem Erscheinen im Jahr 2006 bereits in rund 30 Sprachen übersetzt. Im September kommt die Verfilmung ins Kino. Die Hauptrollen spielen Nora Tschirner und Alexander Fehling.
Das Theater Szene03 spielt die Bühnenfassung von Glattauers Roman als Zwei-Personenstück im Sindelfinger Theaterkeller. Premiere ist am Freitag, 1. März, um 20 Uhr. Weitere Aufführungen sind am 2., 9., 10., 15., 16. und 17. März. Beginn ist jeweils um 20 Uhr, sonntags bereits um 18 Uhr. Es spielen: Femi Morina und Sandra Willmann. Regie: Karsten Spitzer (Weil der Stadt). Vorverkauf beim i-Punkt auf dem Sindelfinger Marktplatz, Telefon (0 70 31) 9 43 25.
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