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Die Füenf wecken "Sindelfinger Erotik" in der Stadthalle

Die A-cappella-Gruppe spielte am Samstag in der ausverkauften Stadthalle - Musikalische Bandbreite von Bond bis Schlager

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    Bitte lächeln! Christian Langer (links) macht ein Foto von seinen vier Füenf-Mitsängern, während die unermüdlich singen und warten, bis er fertig ist Foto: Bernd Epple

Seit bald 25 Jahren stehen sie gemeinsam als die Füenf auf der Bühne - am Samstag trat das Vokalensemble nun schon zum dritten Mal in Sindelfingen auf. In ihrer neuen Show "005 - Im Dienste ihrer Mayonnaise" sangen sie manchen Blödsinn - musikalisch auf hohem Niveau.

Artikel vom 04. Februar 2019 - 17:12

Von Florian Ladenburger

SINDELFINGEN. Es ist erst Februar, doch Deutschland hat schon jetzt seinen neuen Sommer-Hit: "Aeroporte Securitat". Aber Moment mal, Aeroporte, heißt das nicht Flughafen? Vollkommen richtig. Und spätestens bei der Textzeile "Barcelona Feliz Navidad" wird klar: das ist gehobener Blödsinn. Präsentiert wurde der am Samstag in der Sindelfinger Stadthalle von der A-cappella-Gruppe Füenf.

Die Blödelbarden verrieten dem Publikum, dass es für einen erfolgreichen Sommerhit nicht besonders viel brauche. Ein einfacher Text und ein "errotisse Aksent" würde im Prinzip schon reichen, sagte Patrick Bopp alias Memphis mit spanischem Zungenschlag und mit einer Grimasse im Gesicht, die ein leidenschaftlicher spanischer Sänger nicht besser hätte machen können. Da von den fünf aber niemand Spanisch kann, klang der Sommerhit eben so, wie er jetzt klang. Irgendwelche spanischen Worte wild aneinandergereiht.

Diese Idee ist mitnichten neu. Schon vor über 20 Jahren sang der britischen Komiker Rowan Atkinson in seinem Live-Programm die Ode an die Freude mit dem Text "Ja, ja, nein, nein, Apfelstrudel" und "Jürgen Klinsmann ist kaputt". Doch die Sänger in Sindelfingen hoben das Ganze doch noch mal auf eine neue Ebene. Zum einen ist ihr "Hit" absolut eingängig und hat tatsächlich das Zeug zum Sommerhit. Zum anderen brachten sie damit den Saal zum Kochen und zelebrierten ihr Lied genüsslich.

Bopp brachte das Publikum dazu, den Song dreistimmig zu singen

Bopp ließ das Publikum den Song dreistimmig singen - da kam ihm vermutlich seine Tätigkeit als Chorleiter in Steinenbronn zugute. Anschließend studierte er mit den lernwilligen Zuhörern - knapp 900 an der Zahl, vom kleinen Mädchen bis zum älteren Senior - eine alberne Tanz-Choreographie ein, angelehnt an Gesten aus der Sicherheitseinweisung im Flugzeug. Dazu ließ er das Publikum abwechselnd aufstehen und den Refrain in Dauerschleife singen.

Doch die Sindelfinger sangen dem Chorleiter Bopp nicht leidenschaftlich genug. Er appellierte an die "Sindelfinger Erotik" und forderte das Publikum auf, ebenfalls eine leidenschaftliche spanische Schlagerstar-Grimasse zu schneiden.

Gut zehn Minuten dauerte die Chorstunde, in der der ganze Saal ständig dreistimmig von einem Flughafen sang, dazu wild mit den Armen fuchtelte, immer wieder aufstand und sich wieder hinsetzte. Dazwischen rief Bopp, der den ganzen Quatsch natürlich mitmachte: "Denkt an des G'sicht!" Nicht nur das Publikum hatte seine helle Freude daran. Die vier Begleitsäger, die auch in Dauerschleife mitsangen, konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Was hat nun aber ein spanischer Sommer-Hit mit dem Programmtitel "005 - Im Dienste ihrer Mayonnaise" zu tun? Nichts. Das Thema Bond war für die Sänger mit ihrem ersten Song bereits erledigt, wie sie offen sagten. Das war ein Medley mit Song-Vorschlägen für James-Bond-Filme. Komponiert natürlich von den Füenf. Ihre Werke wurden aber wohl alle abgelehnt, weil sie zu sehr an Schlager erinnerten. Kein Wunder, waren es doch letzten Endes auch nur Schlager wie "Sie hat ein knallrotes Gummiboot" oder "Santa Maria", nur eben im Bond-Style gesungen. Eine nette Idee, doch nach dem zweiten Schlager, der in Moll gesungen wurde, war das Prinzip klar, und der Witz für die folgenden ausgetreten.

Jeder der Füenf sang abwechselnd ein Lied, begleitet von den anderen vier. Tenor Little Joe beispielsweise fragte seine Holde: "Was hast du gegen meine Schwiegermutter? Will dich zu nichts drängen, aber als Hausfrau schlägt sie dich um Längen." Dottore Basso - der Bass - fragte seine Freundin bei der Urlaubsplanung: "Geht's nicht auch 'ne Nummer kleiner?"

Musikalisch war das Programm durchweg auf sehr hohem Niveau

Musikalisch war das Programm durchweg auf sehr hohem Niveau. Dass die fünf seit über 20 Jahren zusammen singen und damit voll aufeinander abgestimmt sind, das merkte man. Auch dass alle mit großem Spaß dabei waren, stach direkt ins Auge. Bei den meisten Songs fand hinter dem Solo-Sänger eine eigene kleine Show statt. Die Backgroundsänger hatten ihre eigenen kleinen Choreographien, machten Späße, zeigten sich Hasenohren - langweilig wurde es nie.

Auch wenn sie eigentlich a cappella singen, fanden am Samstag doch ein paar Instrumente den Weg auf die Bühne. Zweimal packte Tenor Pelvis die Gitarre aus und der dritte Tenor Justice war für die Percussion zuständig. Einmal mit einem Mini-Becken, gespielt mit Daumen und Zeigefinger. Öfter mit einem Mini-Keyboard unterm Arm, auf dem er aber lediglich eine Base- und eine Snare-Drum spielte.

Das Lied auf die Bar bestand aus unzähligen Worten mit "bar"

Über Humor lässt sich trefflich streiten. Das Lied auf die Bar ging aber schon an die Wortspielgrenze, bestand es doch fast ausschließlich aus Worten mit "bar". Eingebunden in eine kleine Erzählung blieb es am Ende aber doch kaum mehr, als eine bloße Aneinanderreihung von Wörtern wie wunderbar, unzertrennbar, undenkbar bis zu Bar Mitzwa, Allahu akbar und Brigitte Bardot.

Es gab aber auch Songs mit mehr Inhalt. Wer seinen Tag in schwarz-weiß beginnt, ist am Abend farbenblind. So klingt ihr Appell an mehr Regenbogen im Leben und gleichzeitig fordern sie: "Bildet eine Rettungsgasse, an der Supermarktkasse.

Großen Beifall gab es für den Füenf-Klassiker "All you need is Horst", in dem die Sänger verschiedene Lieder sangen und dabei jeweils das Wort "Love" durch "Horst" ersetzten. Nach Standing Ovations und donnerndem Fußgetrampel erhielten die Sindelfinger ihre Zugabe. "Mir im Süden" war den meisten bekannt und viele sangen mit, ganz ohne, dass sie Chorleiter Bopp dazu auffordern musste.

Bei vielen Künstlern müssen die Fans nach der Show noch lange warten, bis ihre Stars sich endlich zur Autogrammstunde bequemen. Nicht so die Füenf. Kaum waren die Saaltüren geöffnet, standen die Sänger schon am Ausgang, bereit für Selifes, Autogramme und begeistertes Lob der Fans.

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