Flugfeldklinik: Nutzer und Mitarbeiter werden in die Planung einbezogen

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    So soll der Eingangsbereich der Klinik nach ersten Planungen der Architekten aussehen. Inwieweit das auch zu den Bedürfnissen der späteren Nutzer passt, wurde zuletzt mit verschiedenen Betroffenen diskutiert Foto: red

Für den Neubau des Flugfeldklinikums haben sich die Bauherren und Betreiber bereits in der Planungsphase mit den späteren Nutzern kurzgeschlossen, um das Gebäude deren Bedürfnissen möglichst gut anzupassen - speziell Menschen mit Behinderung standen dabei im Fokus.

Artikel vom 17. Januar 2019 - 15:36

BÖBLINGEN/SINDELFINGEN (red). Bei einem solch komplexen Projekt wie dem Bau des neuen Flugfeldklinikums ist es unverzichtbar, das Fachwissen und die spezifischen Anforderungen der zukünftigen Nutzer des Gebäudes in die Planungen einfließen zu lassen, heißt es in einer Pressemitteilung des Klinikverbundes. Nur so könne ein optimaler Ablauf für Patienten, Mitarbeiter und Besucher sichergestellt und das Wohl des Patienten in den Mittelpunkt gerückt werden. Landrat Roland Bernard erklärt: "Die Beteiligung verschiedener Gruppen - von den Mitarbeitern über die Anwohner bis zu Senioren und Menschen mit Behinderungen - ist uns in diesem Projekt besonders wichtig. Wir erhalten dabei wertvolle Anregungen für die Planung des Krankenhauses und wollen dadurch sicherstellen, ein Haus mit optimaler Qualität für die Menschen zu bauen."

Im Neubauprojekt wurde darum im vergangenen Jahr immer wieder der Dialog mit verschiedenen Gruppen gesucht. Eine Besonderheit ist dabei die Beteiligung der Menschen mit Behinderung. Ob nun als Patient, Besucher oder Mitarbeiter, bringen Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung zusätzliche ganz spezielle Bedürfnisse mit sich.

Der Klinikverbund Südwest und der Landkreis Böblingen haben sich darum schon in einer sehr frühen Planungsphase mit den entsprechenden Vertretern zusammengesetzt, um Anforderungen und Wünsche zu erörtern. Reinhard Hackl, Beauftragter für Menschen mit Behinderung des Landratsamts Böblingen, erinnert sich: "Bereits 2017 haben Betroffene, Angehörige und Menschen, die sich ehrenamtlich oder beruflich für Menschen mit Behinderungen engagieren, vielfältige Anregungen und Hinweise an die Architekten des Bauprojekts weitergegeben." Die Themen reichten von der allgemeinen Barrierefreiheit über die Anzahl der Behindertentoiletten bis hin zur Orientierung bei Sehbehinderung und Hörbehinderung im Gebäude. "Natürlich ist es für die Beteiligten genauso wichtig zu erfahren, was aus diesen Anregungen geworden ist."

Im vergangenen Herbst hat darum ein zweiter Termin stattgefunden, in dem die Fortschritte im Projekt und die bereits umgesetzten Hinweise aus dem ersten Termin vorgestellt wurden. Die Teilnehmer lobten, so heißt es, die transparente Rückmeldung zu den einzelnen Anregungen. "Wir begrüßen es sehr, dass der Klinikverbund die wichtigen Hinweise der Beteiligten berücksichtigt hat. Wir können uns mit allen Anliegen einbringen und werden auch gehört", so Uta Dreckmann, Angehörige, und Utz Mörbe, Mitglied des Teilhabebeirats.

Um im Inneren des Gebäudes die bestmögliche Patientenversorgung mit reibungslosen Abläufen zu ermöglichen, ist an erster Stelle das Wissen und die Erfahrung der Mitarbeiter aus den verschiedenen Bereichen der Kliniken Sindelfingen-Böblingen gefragt. Allein im Jahr 2018 fanden darum über 100 Abstimmungstermine mit Mitarbeitervertretern aus allen Bereichen statt. So konnten die Anforderungen an reibungslose Arbeitsabläufe von den Architekten frühzeitig im Gebäudemodell umgesetzt werden.

"Die Einbindung aller Mitarbeiter in die Planungsprozesse ist zwar mit hohem Aufwand für alle Beteiligten verbunden, zahlt sich jedoch im zukünftigen Klinikbetrieb vielfach wieder aus", betont Nutzerkoordinator Konrad Restle, "nur durch den fortlaufenden Austausch mit unseren Mitarbeitern können wir den Patienten die bestmögliche medizinische Versorgung im Neubau bieten."

Mit der 3D-Brille unterwegs

In den Abstimmungsterminen ist vor allem räumliches Vorstellungsvermögen gefragt. Die Methode des Building Information Modeling (BIM) unterstützt dabei. Durch die Arbeit am digitalen Gebäudemodell können anschauliche und verständliche 3D-Visualisierungen des gesamten Klinikums, aber auch einzelner Bereiche erstellt werden. Die 3D-Ansichten helfen allen Nutzern, fundiert zu entscheiden, wo welches Detail im Raum angebracht werden soll.

Für die finale Abstimmung besonders komplexer Räume wie beispielsweise eines OP-Saals wurden die betroffenen Nutzergruppen zu einer Virtual-Reality-Begehung in die sogenannte CAVE des Fraunhofer IAO nach Stuttgart eingeladen. Mittels eines 3D-Projektionssystems und VR-Brillen konnten sich die Mitarbeiter im virtuellen Raum des Operationssaals bewegen und so genau nachvollziehen, welche Bewegungsfreiheit in der festgelegten Raumausstattung möglich ist. Die BIM-Methode hilft so, die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Nutzergruppen weiter zu verbessern, heißt es in der Pressemitteilung abschließend.

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