Böblinger TiB-Theater spielt Kästner-Komödie

Das Böblinger Theater in der Baracke (TiB) spielt noch bis zum 27. Januar die Kästner-Komödie "Drei Männer im Schnee"

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    Tobler (Frank Schubert) gerät mit dem Hotelchef (Michaela Schubert) aneinander. Im Hintergrund: Dieter Fademrecht als Portier Fotos: Bischof

Das Theater in der Baracke (TiB) auf dem Böblinger Schlossberg führt im Vergleich zu den Ensembles der Kunstschule mit ihren Aufführungen im Städtischen Feierraum eher ein Mauerblümchendasein. Wer sich jedoch auf einen Besuch in dem kleinen Saal im Fruchtkasten einlässt, erlebt einen recht unterhaltsamen Theaterabend.

Artikel vom 14. Januar 2019 - 17:42

Von Anna J. Deylitz

BÖBLINGEN. Vor mittlerweile annähernd 30 Jahren, im Mai 1989, feierte das TiB-Theater seine allererste Premiere. Seinen Namen verdankt das Ensemble der ehemaligen IBM-Baracke, wo die einst im Zusammenhang mit der Stadtranderholung im Böblinger AWO-Waldheim entstandene Darstellertruppe zeitweise ihren Sitz hatte.

Seitdem liefern die engagierten Leute vom TIB-Theater alljährlich ihre Aufführung ab - seit 1995 in dem für nur 54 Zuschauer ausgelegten Theatersaal im Fruchtkasten auf dem Schlossberg 3. Mit Erich Kästners "Drei Männer im Schnee" stellen sie sich derzeit mutig der Konkurrenz von Film und Fernsehen.

Drei Männer im Schnee - und ein Schneemann! So mancher Zuschauer bei der ausverkauften Premiere am Freitag dachte dabei vermutlich an den Schwarzweißfilm-Klassiker aus dem Jahr 1955 mit Paul Dahlke, Theo Lingen und Klaus Biederstädt in den Hauptrollen. In der TiB-Inszenierung ist es unter der Regie von Helga Klemme und Sabine Gerritsen gelungen, eine lustige, dabei durchaus auch nachdenklich stimmende und höchst unterhaltsame Präsentation der fast 85 Jahre alten Vorlage auf die Bühne zu bringen.

Die von Kästner während des Dritten Reiches unter Pseudonym geschriebene Geschichte spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929. Sie handelt von dem reichen Erben und Millionär Geheimrat Tobler (nachdenklich und gewohnt hochaktiv: Frank Schubert), den es plötzlich gelüstet, mal zu sehen, wie das Leben der "normalen Leute" wohl so aussieht und der sich dafür zum Schein als armer Schlucker ausgibt.

Als zweiter Sieger eines Preisausschreibens aus dem eigenen Haus reist er in die Berge, wo er mit dem ersten Sieger zusammentrifft. Dabei handelt es sich um den arbeitslosen Akademiker Dr. Fritz Hagedorn (gespielt von Frank Habeck). Begleitet wird der Millionär von seinem besorgten Diener Johann (Stefan Hartig), der zur Sicherheit mit in den Schnee genommen wird, wo er bei diesem munteren Mummenschanz den reichen Mann spielen darf . . . und bald genüsslich in dieser Rolle aufgeht.

Weitere Personen des Stücks sind die Tochter des reichen Mannes (Hülya Yurttas). Diese will ihrem Vater auch in diesem Urlaub seinen Komfort ermöglichen und reist später eigens samt Hausdame (Claudia Neugebauer) an, um für weitere Verwirrung, aber auch Entwirrung zu sorgen.

Es geht in dem Stück aber auch darum, wie Kleider häufig Leute machen und vorbestimmen, wie jemand behandelt wird - so zum Beispiel zu sehen beim Portier und beim Direktor des Hotels (Dieter Fademrecht und Michaela Schubert). Zudem veranschaulicht das TiB-Team mit diesem Stück, wie vermeintlicher Reichtum auf viele anziehend wirkt. Julia Herschberger und Sabine Gerritsen illustrieren dies in ihrer Rolle als raffgierige Damen.

Wie es sich für eine solche Wohlfühl-Komödie gehört, hat am Ende die menschliche Anständigkeit bitteschön zu siegen. Kästner hat das Stück so holzschnittartig angelegt, wie es hier gespielt wird und bietet so den Darstellern die Gelegenheit, einfühlsam zu agieren, oder aber auch belustigend zu chargieren.

Die Technik (Ines Welzel) funktioniert, das Bühnenbild (Frank Habeck) ist schlicht und stimmig und auch der Hotelpage (ein stummer Diener: Dominique Herschberger) steht seinen Part wacker durch.

Ensemble spielt frisch vom Text weg

Bei den TiB-Darstellern wird kein Stoff gebrochen, gespiegelt, um-interpretiert oder modernisiert - hier wird normalerweise frisch vom Text weg gespielt und gezeigt, "was der Dichter uns sagen will".

Als Zuschauer erlebt man dies als sehr wohltuend. Denken kann der Theaterbesucher ja schließlich notfalls auch noch selbst.

Wer sich das turbulente Schneetreiben noch gönnen will, hat hierzu am 18., 19., 20., 25., 26. und 27. Januar weitere Gelegenheit. Beginn ist um 20 Uhr, an Sonntagen um 18 Uhr. Reservierungen unter Telefon (0 70 31) 27 78 01, oder per Mail: tib-theater@t-online.de.
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