Geheime Zeichen im Atelierhaus

Ausstellung von Sabina Hunger wird verlängert

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    Schriften, Glaskunst und Objekte: Sabina Hunger zeigt ihr vielseitiges Schaffen

Artikel vom 14. Januar 2019 - 17:42

SINDELFINGEN (red). Die Schriftzeichen an der Martinskirche haben schon viele Betrachter zum Rätselraten angeregt. Ganze Schulklassen pilgern mit Zeichenblock und Stift zur Wand am Probsteigarten. Die Kleinen in der Suche nach den Formen, die Großen in der Frage, was die geheime Schrift bedeutet.

Sabina Hunger nimmt ihre Arbeit, die sie "Martinskirchen-Alphabeth" nennt, und die 1999 im Rahmen einer Ausstellung des Verbandes Bildender Künstler Württemberg zum Raum der Martinskirche entstanden ist, zum Aufhänger für ihre Jubiläumsausstellung mit dem Titel "objets trouvés, objets perdus", also gefundene und verlorene Objekte. Denn die Schriftzeichen entspringen allesamt Formen und Objekten, die im Kirchenraum zu finden sind, darunter Türbeschläge und romanische Fensterbögen. Zur Langen Nacht der Museen wurde die Ausstellung eröffnet (wir berichteten).

In einem der Räume im Atelierhaus sind hauptsächlich Fotos von Hungers Glasfenstergestaltungen zu sehen, die - so die Künstlerin -, als ihre Kunstobjekte kaum jemand kennt. "Es war mir wichtig, in Sindelfingen auch einmal diese Seite von mir zu zeigen", erklärt Hunger.

Neben Keramik sind Glaskunst und Kunst am Bau über die Jahre hin Schwerpunkt ihrer Arbeit geworden. So konnte sie seit 1994 rund 30 große Kunstverglasungen in Kirchen, Gemeindehäusern, Aussegnungskapellen, Altenheimen, aber auch in privaten Haushalten unterbringen, die sich im gesamten Süddeutschen Raum befinden. Die letzten großen Arbeiten sind im Gemeindehaus in Calw und in der Festen Burg in Böblingen entstanden.

Objets trouvés als feststehender Begriff in der Kunstgeschichte, bezeichnet eine Technik, bereits bestehende Gegenstände oder Teile davon in andere Zusammenhänge zu stellen und damit neue Sinngehalte herzustellen. Die Kleinplastiken der Künstlerin sind als eine Art Material-Collagen als solche zu verstehen. Jedes Stück in der Ausstellung hat seine Geschichte, auch seine Findergeschichte, und ergibt zusammengebaut mit Jugendstilgläsern oder Mosaikglasfladen, mit geformten Tonrädern und Schnecken aus Gold ein neues Ganzes.

Sämtliche Werkgruppen ergänzt Sabina Hunger durch weitere Arbeiten aus ihrem vielseitigen Schaffen, darunter Kohlezeichnungen aus der Zeit des Bildhauersymposions in der Partnerstadt Györ, oder eine kleine Tonbüste von Michael Jackson, die innerhalb ihres Lehrauftrages am Institut für Ergotherapie in Ludwigsburg entstanden ist. Auch ein Modell für die Installation zur aktuellen "Black Box"-Ausstellung im Oberlichtsaal ist zu sehen.

So gesehen ist die Ausstellung doch ein kleiner Rückblick, wenn auch die Künstlerin sich gegen das Wort Retrospektive sträubt. Auf die Frage, was ihr besonders wichtig an dieser Ausstellung ist, antwortet Sabina Hunger: "In meiner Arbeit als Künstlerin und Handwerkerin bin ich vielseitig." In dieser Ausstellung wolle sie die verschiedenen Werkgruppen und Stile zusammenzuführen und das ihr Wesentliche zeigen.

Die Ausstellung im Atelierhaus ist noch bis zum 23. Februar jeden Samstag von 12 bis 16 Uhr geöffnet.

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