IHK-Konjunkturbericht: Die Unternehmen spüren, dass die Nachfrage schwächer wird

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    Die Produktion im Kreis brummt. Die Produzenten blicken indes skeptisch in die ZukunftFoto: Thomas Bisxchof

Artikel vom 28. Dezember 2018 - 14:54

KREIS BÖBLINGEN (red). Mit Volldampf und bestens gefüllten Auftragsbüchern sind die Unternehmen im Kreis in den Herbst eingebogen. Problematische Entwicklungen auf dieser Welt und fehlende Fachkräfte bremsen jedoch die Euphorie zum Jahreswechsel.

Im Herbst 2018 haben die Unternehmen des Landkreises ein neues konjunkturelles Hoch erklommen, heißt es im Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer (IHK) für den Kreis Böblingen. Fast 70 Prozent der von der IHK-Bezirkskammer Böblingen befragten Betriebe im Kreis können eine gute wirtschaftliche Lage melden. "Diese gute Situation erstreckt sich quer über alle großen Branchen", schreiben die Verfasser des Konjunkturberichts. Die wirtschaftliche Situation habe einen absoluten Spitzenwert erreicht.

"Trotz dieser scheinbar optimalen Lage zeigen sich allerdings zum Jahresende hin erste Bremsspuren und die Wirtschaftsentwicklung verliert an Kraft", heißt es weiter. Der Auftragseingang habe bei vielen Unternehmen deutlich an Schwung verloren und zeige nun das dritte Mal infolge nach unten. "Insbesondere der für den Kreis so wichtige industrielle Sektor musste Einbußen hinnehmen und der IHK-Indikator zum Auftragseingang ist hier erstmals seit 2013 wieder in den negativen Bereich gerutscht."

Angesichts dieser Entwicklung ist auch der Blick in die Zukunft bei vielen Unternehmen verhalten. Nach 35 Prozent im Frühsommer erwarten nun nur noch 14 Prozent eine Verbesserung der Lage in den kommenden Monaten. "Protektionismus, Brexit und Sanktionsmaßnahmen sind nicht gerade die besten Voraussetzungen", heißt es. Eine allzu große Angst vor einem jähen Absturz sei angesichts der sehr guten Situation der Wirtschaft im Kreis allerdings noch nicht angebracht. "Die Unternehmen treibt mit getrübten Aussichten derzeit vielmehr die Sorge um, mit welchem Personal sie künftig noch planen können", schreibt die IHK. Trotz nachlassender Dynamik wolle rund ein Drittel der von der IHK-Bezirkskammer Böblingen befragten Unternehmen Einstellungen vornehmen. Bei einer aktuellen Arbeitslosenquote von 2,6 Prozent ist die Lage am Arbeitsmarkt allerdings so stark angespannt, dass dies nur schwer möglich sein wird", analysieren die IHK-Experten. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen seien vom Arbeitskräftemangel stark betroffen und fürchteten um ihre Zukunftschancen.

In den einzelnen Wirtschaftsbereichen kommt die IHK zu folgenden Einschätzungen:

Industrie: Die Industrieunternehmen des Landkreises verzeichneten auch im Herbst 2018 eine allgemein gute Geschäftslage. Fast 65 Prozent äußerten sich positiv über ihre Situation. Kein einziges Unternehmen, das sich an der Umfrage beteiligt hat, gab eine schlechte Lageeinschätzung ab. Jedoch: Sowohl die Inlands- wie auch die Auslandsnachfrage sackte bei den produzierenden Unternehmen des Kreises deutlich nach unten. Der IHK-Indikator zur Geschäftserwartung liegt mit 10 Punkten im Minus und damit erstmals seit langer Zeit überhaupt wieder im negativen Bereich.

Handel: Auch bei den Händlern läuft es derzeit noch rund. Sowohl der Groß- als auch der Einzelhandel melden eine gute Lage, wobei der stationäre Handel in den Innenstädten und den Handelszentren die Konkurrenz aus dem Internet und ein verändertes Konsumverhalten der Kunden teils deutlich spürt. Der Großhandel befindet sich im Windschatten der starken Industrie in einer komfortablen Situation. Es bleibt abzuwarten, wann aber auch hier der Auftragsrückgang bei den Kunden durchschlägt.

Dienstleistung: Die Dienstleistungsunternehmen des Landkreises melden eine gute Geschäftslage und eine weiterhin verbesserte Auftragslage. Traditionell verlaufen in diesem Wirtschaftssegment jedoch konjunkturelle Entwicklungen mit einer zeitlichen Verzögerung ab.

Bau: In der Bauwirtschaft brummt es weiterhin. Wohnungsknappheit, niedrige Zinsen und gefüllte Kassen der öffentlichen Hand führen die Branche an die Kapazitätsgrenze. Weit mehr noch als in den übrigen Branchen, bremst hier der Mangel an Fachkräften allerdings eine weitere Entwicklung.

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